Tolle Ergebnisse, aber auch Defizite

Ludwig Zimmer (Zweiter von links) siegte bei der Landesmeisterschaft im Bogenschießen.
 
Lara Hermanns gewann Silber.

Bogenschießen: Zwei Treppchenplätze für Unioner bei Landesmeisterschaft

Seesen. Wieckenberg im Landkreis Celle war letztes Wochenende Schauplatz der Landesverbandsmeisterschaften „Fita im Freien“, zu der sich insgesamt 407 niedersächsische Schützen qualifiziert hatten. Ludwig Zimmer schoss am Samstagmorgen die ersten Pfeile für den Seesener-Kader und traf hervorragend. Mit Wettkampfbestleis­tung von 606 Ring auf der 70-Meter-Distanz, verwies er selbst den härtesten der 55 direkten Kontrahenten, Eckhard Frerichs vom BSC Clauen (604 Ring), der bis Mitte des zweiten Durchgangs führte, auf den Silberrang. Gleichwohl es noch eine Seniorenklasse gibt, bezeichnen sich die Eingeschworenen selbst gerne als „Rentnerband“, was deutlich macht, dass hier vor allem der Spaß an erster Stelle steht, wo jeder dem anderen seinen Triumph gönnt.

Nachmittags schoss Lara Hermanns eine Saisonbestleistung und holte sich Silber mit 531 Ring. Im Neuner Feld auf der 25-Meter-Distanz ließ die B-Schülerin aus Engelade lediglich Melissa Hoffmann (579 Ring) passieren, gleichwohl sie nicht optimal vorbereitet war. Lara nahm erst zwei Wochen vor der Meisterschaft – nach gutem Zureden durch Familie und Betreuer – das Training wieder auf, bewies aber damit zugleich, dass Verlass auf sie ist. Trainer Jürgen Salewski zum Thema: „Es wäre ein Jammer, wenn eine so talentierte Schützin nicht weitermachen würde!“
Dem ebenfalls begabten B-Schüler Niklas Martin stand Salewski zwar nicht rat- aber machtlos gegenüber. Nikis ureigenste Strategie „Mit wenig Aufwand zum Erfolg“ bescherte ihm nach dürftigen 425 Ring den 7. Platz, satte 150 Ring entfernt vom erhofften Treppchen. Mittlerweile gibt es nichts mehr schönzureden. Im Leistungsschießsport ist eine gewisse Disziplin und gesunder Ehrgeiz gefordert. Beides will oder kann Niki derzeit nicht einbringen.
Völlig anders hingegen seine Schwester Vanessa Martin, die sich tags darauf mit großem Kampfgeist ins Finale schoss. Die A-Schüler mussten sich dieses Jahr erstmals über eine Qualifikationsrunde für den Endkampf qualifizieren, was schlussendlich heißt: Der Wettkampftag dauert fast doppelt so lange wie gewohnt und es werden nicht 72 sondern knapp hundert Wertungspfeile auf 40 Meter geschossen. Vanessa sicherte sich unter den besten Zwölf Rang vier, das Ganze mit persönlicher Bestleistung von 556 Ring in der Qualifikation und einem deutlichen 6:0-Sieg im Viertelfinale. Gegen Lea Marie Schweer hatte sie im Semifinale keine Chance, aber der Kampf um Bronze ging nur knapp mit 6:4 verloren. Trainer Salewski zeigte sich schwer beeindruckt: „Das war ein klasse Wettkampf und viel mehr als man erwarten durfte!“
Gar nicht gut lief es bei den Seesener Compoundern. Andreas Basch belegte in der Altersklasse – nach einer Arbeitsnacht, 120 Kilometer Anfahrt und nur einer Stunde Schlaf – mit 627 Ring Rang 20 und musste einmal mehr erfahren, dass Wettkampfschießen so nicht funktioniert. Bei Rolf Stoedter spielte das Material nicht mit. Schon beim letzten Training und dem Einschießen klang der Compoundbogen nicht so wie er klingen sollte, was einen Schützen erheblich verunsichert. Mit 613 Ring war bei diesen Bedingungen nur Platz 25 unter den 39 Startern drin.
Ein dickes Trostpflaster klebte Bärbel Zimmer für den SV Union noch am Sonntag auf die Ergebnislisten. In der Damenaltersklasse erreichte sie bei ihrem ersten Fita-LM-Auftritt mit 522 Ring Rang fünf von elf. Auch dieses Ergebnis war eine Wettkampfbestleistung, in der sich neben Trainingsfleiß auch die Materialoptimierung ausgezahlt hat. Zimmer zum „Beobachter“: „Ich bin sehr zufrieden und freue mich riesig über die Platzierung!“
Trainer Salewski resümierte zufrieden die Erfolge und strebt an die Defizite in Zusammenarbeit mit Schützen, Eltern und Betreuern zeitnah anzugehen. Hier ist ein neues Konzept angedacht, das schon nach den Sommerferien starten soll. wf