Trotz der Feiertage ist Training das tägliche Pflichtprogramm

 

Clausthaler Biathlet Daniel Böhm verbringt die Tage zwischen den Jahren im Oberharz / Olympische Spiele 2014 im Blick

Eigentlich ist Daniel Böhm in den Wintermonaten ständig unterwegs. Umso mehr genießt der Ausnahmebiathlet aus dem Oberharz die wenigen Tage um Weihnachten bei Familie und Freunden. Auch wenn die Schneeverhältnisse im Oberharz derzeit nicht perfekt sind, tägliches Training muss dennoch sein. Schließlich hat Böhm, der zur Zeit im IBU-Cup Erfolge feiert, das Ziel, wieder regelmäßig im Weltcup zu starten.
Im Training arbeiten die Athleten aus Welt- und IBU-Cup zusammen unter den Bundestrainern. Eine Gruppe von gut 20 Athleten ist es, die da regelmäßig gemeinsam trainiert und tourt. „Eine Gewöhnungsphase an die Kollegen ist also nicht nötig, weil man sich ganz gut kennt“, sagt Böhm hinsichtlich eines Aufstiegs in den Weltcup-Kader. Klar gebe es Kameraden, mit denen man sich besser verstehe, doch Zickereien gibt es keine.
Im November war wieder Vorbereitungslehrgang auf die Weltcup-Saison. Neun Biathleten, darunter auch der 25-Jährige aus Clausthal-Zellerfeld, stritten um sechs Plätze. „Es wurden zwei Tests absolviert und ein Gesamteindruck kam auch in die Wertung“, schildert Böhm. „Letztlich ist es auch eine subjektive Entscheidung der Trainer“, meint er, und gesteht, dass dies sicher keine leichte Aufgabe ist, da die Leistungsdichte der Athleten sehr eng beieinander liege. Für ihn hatte es diesmal nicht zu einem Platz unter den besten Sechs gereicht.
Über die jüngsten Wettkämpfe aber „habe ich meine Position als erster Nachrücker gefestigt“, ist Böhm zuversichtlich, in diesem Winter noch einmal in einem Weltcup-Rennen starten zu können. Dass sich dieser Wunsch sogar schon an Weihnachten erfüllt, konnte Böhm nicht ahnen. Belohnt für die guten Plätze im IBU-Cup zuletzt lag nun die Einladung zum Weltcup vom 11. bis 15. Januar im tschechischen Nove Mesto unterm Weihnachtsbaum.
Wobei er von sich selbst ob der guten Resultate leicht überrascht ist, konnte er den Sommer über doch nur sehr eingeschränkt trainieren. „Ich hatte mir im April das Handgelenk beim Skifahren gebrochen“, erläutert er. Das musste nicht nur operiert werden, sondern auch geschraubt. „Schießen oder das Arbeiten mit den Stöcken war so nicht zu trainieren“, so Böhm. Davor war es eine Mandelentzündung, die seine Vorbereitung störte. Sein Wunsch für kommendes Jahr ist somit klar: „Endlich einmal ohne Krankheit und Verletzung in eine komplette Saison starten.“ Denn dann sieht er schon ganz gute Chancen, sich auf einen Stammplatz im Weltcup-Team vor zu arbeiten. Was ihn seinem sportlichen Traum einen großen Schritt näher brächte: einem Start bei den Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. „In der Regel fahren da sechs Biathleten hin“, weiß Böhm, warum er in der Saison einen Stammplatz ergattert haben möchte. Derzeit jedenfalls ist es „ein bisschen ernüchternd, jedes Jahr so zwischen IBU- und Weltcup zu hängen“, sagt der Blondschopf, „aber die Motivation ist weiterhin da.“
Das sähe vielleicht anders aus, wenn nach einer verletzungsfreien Saison keine Fortschritte erkennbar seien in seiner Leistung. „Wenn es nicht mehr vorwärts geht, muss man sich beruflich vielleicht anders orientieren“, hat er daran bislang allerdings nur wenige Gedanken verschwendet, trotz eines „höllischen Aufwands für den Sport“. Doch die Erfolge sprechen klar für Biathlon. So tut Böhm auch alles, um Krankheiten zu vermeiden. „Kinobesuche oder andere Veranstaltungen mit Menschenmengen werden gemieden“, sagt er, große übervolle Weihnachtsmärkte sind daher auch tabu.
Leiden muss darunter ein wenig das Privatleben. Familie und Freunde haben für die besondere Situation und das Nomadenleben des Leistungssportlers zwar Verständnis, doch eine Beziehung mit dem Tour-Leben unter einen Hut zu bringen, gestaltet sich schwierig. „Zumal im Sommer ja auch Trainingslehrgänge stattfinden“, sagt Böhm, und Dienst bei der Bundespolizei hat er auch noch. Daher hat er eine klare Entscheidung gefällt. „So lange ich professionell Sport treibe, muss das Umfeld unkompliziert sein“, so Böhm.
Wenn er zu Hause ist, trifft man ihn regelmäßig auf den Loipen im Umland an, vorrangig im Bereich Sonnenberg. Da wird dann auch schon mal Schießtraining absolviert, wozu auch Heimtrainer Frank „Speng“ Spengler gerne mal stößt und Tipps gibt. „Der Speng macht das ganz gerne und es ist mal eine schöne Abwechslung“, sagt Böhm. Wenn ihn andere Läufer erkennen, wird er auch schon einmal angesprochen, aber „das hält sich in Grenzen, bei anderen ist das mehr.“
Das könnte es bei Böhm auch noch werden, vielleicht 2014 nach Sotschi, wenn er verletzungsfrei bleibt