„Werde mich für einen würdigenAbschied Ballacks einsetzen“

Designierter DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Hannover 96-Präsident Martin Kind beimNFV-Neujahrsempfang

Fernsehjournalist Gerhard Delling hatte leichtes Spiel beim Talk mit dem designierten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Martin Kind, Präsident von Hannover 96. Die beiden gut aufgelegten Stargäste des 1. „Krombacher Neujahrstreffen“, zu dem der NFV und die Brauerei ins Barsinghäuser Sporthotel Fuchsbachtal geladen hatten, boten rund 150 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Sport am gestrigen Abend allerbeste Unterhaltung. Abgerundet wurde die gelungene Premierenveranstaltung durch den Dortmunder Kabarettisten Bruno Knust, der unter dem Pseudonym „Günna“ die Fußball-Szene des Ruhrpotts beleuchtete.
„Ich werde mich mit voller Überzeugung dafür einsetzen, dass ein Michael Ballack mit seinen großen Verdiensten einen würdigen Abschied erhält.“ Das versprach der künftige DFB-Chef Wolfgang Niersbach ges­tern Abend beim Krombacher Neujahrstreffen im Sporthotel Fuchsbachtal.
Zwar wollte Niersbach im Vorfeld seiner Wahl zum Präsidenten, die als sicher gilt, noch nicht zu allen aktuellen Themen des DFB Stellung beziehen, aber zur Steueraffäre der Schiedsrichter meinte er: „Wir dürfen sie nicht bagatellisieren, aber auch nicht dramatisieren.“ Im Hinblick auf die Europameisterschaft in der Ukraine und Polen sagte Niersbach: „Zu den Favoriten gehören wir natürlich, aber es hängt oft an Kleinigkeiten.“ Das Interesse der deutschen Fans, ihre Mannschaft bei den drei Vorrundenspielen in der Ukraine zu unterstützen, sei seit Anfang dieses Jahres sprunghaft gestiegen. Bis zum Jahresende hatte es beim DFB noch lediglich 20 Anfragen gegeben.
Sein künftiges Aufgabenfeld formulierte Niersbach so: „Der DFB braucht keine Revolution, sondern eine Evolution in vielen Bereichen.“ Zum plötzlich angekündigten Rücktritt des DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger meinte sein designierter Nachfolger: „Ich hatte überhaupt keine Vorahnung.“ Die Entscheidung zu seiner Kandidatur habe er aus Respekt vor dem Amt erst nach der totalen Zustimmung aller Landesverbände getroffen. Auf die Frage von Gerhard Delling, was er als künftiger DFB-Präsident für Visionen habe, antwortete Niersbach: „Wir wollen möglichst viele Titel und Pokale nach Deutschland holen.“ Die Spieler des aktuellen Nationalteams lobte er in höchsten Tönen: „Es herrscht in der phantastischen Mannschaft eine große innere Disziplin.“
Im Hinblick auf die Fankrawalle in jüngster Zeit betonte der Noch-DFB-Generalsekretär: „Wir sind präventiv Vorbild in der Fanarbeit.“ Es sei jetzt wichtig, dass sich die friedfertigen Fans zusammenschließen. Auch zum Thema Pyrotechnik in Fußballstadien äußerte sich Niersbach beim Krombacher Neujahrstreffen: „Das ist keine Fan-Kultur, das ist kriminell“, lautete sein kurzer, aber aussagekräftiger Kommentar.
Im Jahr 2013 wird Wolfgang Niersbach für Dr. Theo Zwanziger dessen Aufgaben bei der UEFA und FIFA wahrnehmen. In diesem Zusammenhang bezeichnete er sich selbst als „ausgesprochener Teamspieler“. Der Deutsche Fußball-Bund müsse als größter Sportverband der Welt seinen Einfluss bei der UEFA auch in Zukunft geltend machen. „Wir pflegen die besten Beziehungen zur UEFA.“
Zum Abschluss der interessanten Diskussionsrunde, die Gerhard Delling souverän und humorvoll über die Bühne brachte, lobte Wolfgang Niersbach Dr. Theo Zwanziger: „Er hat dem Fußball sehr gut getan.“ Sein großes Engagement im sozialen Bereich sei vorbildlich. Dieses werde er auf jeden Fall fortsetzen, versprach der künftige DFB-Präsident. An der Nationalmannschaft würden die Fans auch in Zukunft große Freude haben. Denn der DFB habe mit seinen gewachsenen Strukturen eine „tolle Basis“ geschaffen.
Am 31. März 2011 wurde Didier Ya Konan vom NFV an gleicher Stelle als „Niedersachsens Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Nur neun Monate später hat der Ivorer bei seinem Präsidenten offenbar viel Kredit verspielt. „Didier war der Star. Dann haben wir verlängert und jetzt hat er Übergewicht und schöne Autos“, kritisierte Martin Kind im Saal Niedersachsen des Sporthotels. Eine Einstellung, die der Natur des 96-Präsidenten widerstrebt. „Ich liebe die Arbeit, Verantwortung und mitunter auch Konflikte“, verriet der 67-Jährige, dessen Motor der Erfolg ist.
Hinsichtlich der bevorstehenden Aufgabe von Hannover 96 in der Europa League ist der Hannoveraner optimistisch. „Gegen Brügge werden wir gewinnen und kommen eine Runde weiter“, ist der Unternehmer überzeugt. Über die jüngere Vergangenheit seines Klubs zeigte sich Kind begeistert: „Der vierte Tabellenplatz in der vergangenen Saison war super, eine ganz neue Lebenssituation und keinesfalls Zufall.“
Nichts Neues konnte der 96-Präsident in puncto Neuverpflichtungen vermelden. Kind befürchtet sogar, dass neue Spieler die Geschlossenheit der Mannschaft gefährden könnten. Gerhard Delling zitierte in diesem Zusammenhang Günter Netzer. Wenn bei Borussia Mönchengladbach Spieler ein Probetraining absolvierten, habe es in Mannschaftskreisen stets geheißen „Berti fass“.
Dass 96-Trainer Mirko Slomka angesichts der derzeitigen Personalnot Neuverpflichtungen fordert, ist für Kind nachvollziehbar: „Vom Trainer erwarte ich, dass er Wünsche hat, vom Sportdirektor, dass er das ganze wieder dämpft.“ Das Verhältnis von Slomka und Sportdirektor Jörg Schmadtke sieht der Präsident dennoch als intakt an. „Die Gespräche zwischen den Verantwortlichen laufen konstruktiv, das überträgt sich auf die Mannschaft.“