Nun versehen sie ihren Dienst

Die beiden neuen Glocken sind nun auf ihrem neuen Platz im Volkersheimer Kirchturm angekommen.
 
Die alte Bronzeglocke aus dem Jahr 1853 tut weiter ihren Dienst.

Die beiden neuen Glocken in Volkersheim wurden von Landesbischof Friedrich Weber geweiht

Ein Raunen ging durch die Reihen, als die beiden neuen Bronzeglocken im Turm der Volkersheimer St.-Georgs-Kirche zum ersten Mal erklangen. Lange Zeit hatten die Gemeindemitglieder auf diesen Moment warten müssen.
Zur Glockenweihe war der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber nach Volkersheim gekommen. Dieser feierliche Gottesdienst setzte den Schlusspunkt unter eine Aktion, die wohl seinesgleichen in der Region sucht. „Die Bemühungen machen deutlich, wie wichtig die Kirche der Gemeinde ist“, erklärte der prominente Gast. Es sei ein tolles Beispiel für Gemeinsinn. Friedrich Weber erinnerte an das Einholen der Glocken bei bitterer Kälte. Kaum jemand hätte sich damals davon abhalten lassen, die Glocken zu begrüßen.
„Das ist heute ein historischer Tag für die Ortschaft. Nur alle paar Jahrhunderte findet schließlich im Normalfall eine Glockenweihe statt“, erklärte der Landesbischof. Zudem sei es etwas Besonderes, wenn gleich zwei Glocken in Dienst gestellt werden. „Sie entfalten nun gemeinsam mit der kleinen Läuteglocke aus dem Jahr 1853 ihre klangliche Vielfalt“, meinte Weber in seiner Predigt. Die 1948 von der Firma Weule eingebauten Eisenhartgussglocken passten klanglich überhaupt nicht mehr zu der alten Glocke. Im Jahr 2009 hat das Ehepaar von Gadenstedt anlässlich ihrer Goldhochzeit eine neue Bronzeglocke für knapp 7000 Euro gespendet.
Damit haben sie quasi den Anstoß für das Glockenprojekt gegeben. Das 270 Kilogramm schwere Exemplar wurde von der Kunstgießerei Lauchhammer mit dem Schlagton „cis“ gegossen. Die Inschrift lautet „Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“. Passend dazu wurde vor einigen Monaten eine größere Glocke mit einem Gewicht von etwa 590 Kilogramm von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in der hessischen Gemeinde Sinn hergestellt. Sie trägt die Inschrift „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude“ aus dem Lukas-Evangelium.
Zahlreiche Menschen, die nicht nur in Volkersheim zu Hause sind, haben sich durch Einzelspenden an den Kosten beteiligt. Teilweise wurde auch bei Beerdigungen oder Familienfeiern für diesen Zweck gesammelt. Insgesamt kamen so seit dem Jahr 2009 17.000 Euro zusammen. Einen weiteren großen Brocken von 10.000 Euro steuerten die Volksbank in Bockenem und die VR-Stiftung bei. Insgesamt kostet die ganze Aktion etwa 37.000 Euro.
„Das Meiste haben wir inzwischen zusammen. Trotzdem sammeln wir noch weiter“, sagte Pastor Dennis Sindermann, der sich gleichzeitig bei allen Spendern für ihr Engagement bedankte. Dazu gehören auch verschiedene Sachspenden. So hat zum Beispiel die Dachdeckerfirma Turcenko einen Kran für die Installation der Glocken zur Verfügung gestellt. Das Gerüst baute die Firma Palandt auf. Der Glockensachverständige Andreas Philipp habe die Arbeiten fachmännisch begleitet, so Sindermann.
Der Inhaber der Glockengießerei, Hanns Martin Rincker, blickte auf einen reibungslosen Verlauf der Arbeiten zurück. „Die Gemeinde ist zwar nun Eigentümer der Glocke, sie bleibt jedoch auch bei uns in guter Erinnerung“, sagte der Fachmann. Hanns Martin Rincker betonte, dass die Glocken Freude verkünden sollen – auch wenn der Anlass manchmal trauriger Natur sei.
Nach dem Festgottesdienst hatte die Gemeinde zu einem Sektempfang eingeladen. Dabei konnten die Besucher auch die Ausstellung zur 675-jährigen Geschichte der St.-Georgs-Kirche betrachten. Heinrich Bothe hatte in mühevoller Kleinarbeit die Schau zusammengestellt. Die Posaunenbläser der Propstei Seesen übernahmen die musikalische Begleitung. Stefanie Klar-Berking spielte die Orgel.