Tausende Besucher beim Oldtimertreffen

Thomas Glinkemann mit seinem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1940.
 
Dreschvorführung mit einer Dreschmaschine aus den 1920er Jahren.

Alte Fahrzeuge locken Menschen aus nah und fern / Hunderte Pkw mussten nach Regen am Samstag abgeschleppt werden

Wie zum Hohn schien am Ende des ersten Tages des Oldtimertreffens mit den Ambergauer Feldtagen bei Volkersheim wieder die Sonne vom Himmel. Auf dem als Parkplatz genutzten Feld warteten hingegen noch Dutzende Autos darauf, abgeschleppt zu werden. Denn gegen 15 Uhr gab es einen rund halbstündigen, heftigen Regenschauer, der alles in eine Schlammwüste verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt tummelten sich hunderte Besucher auf dem großen Gelände. Als der Regen begann, ahnten viele schon, was bei der Abreise auf sie warten würde. Mit den vielen alten und neuen Trecker, die sich vor Ort befanden, wurde ein Pkw nach dem anderen vom Feld geholt. Nur die, die einen Parkplatz direkt an der Straße bekommen hatten oder mit dem Fahrrad gekommen waren, hatten Glück. Alle anderen mussten bis zu eineinhalb Stunden warten. Erst dann waren die letzten der mehreren hundert Pkw vom Feld geholt.
Zuvor hatten die Besucher aber viel zu sehen. Vor dem eigentlichen Gelände des Oldtimertreffens fanden die Ambergauer Feldtage statt. Auch hier war einiges an alten landwirtschaftlichen Fahrzeugen zu sehen. Geerntet werden konnte nicht mehr, da das Getreide bereit zuvor eingeholt werden musste. Immerhin fanden aber die Dreschvorführungen statt. In die alte Dreschmaschine aus den 1920er Jahren wurde oben das Getreide eingeführt, unten kam es dann getrennt nach Körnern, Stroh und Spreu heraus. Die Körner fielen direkt in die Säcke, das Stroh wurde ebenfalls gleich weiterverarbeitet. Da hieß es dann Achtung vor tieffliegenden Heuballen!
Auf dem Gelände des BffL (Bund für Familiensport und freie Lebensgestaltung) Volkersheim waren die Old- und Youngtimer aufgefahren. Alte Lanz Bulldogs, Cabrios, Motorräder – Motorsport-Fans kamen ganz auf ihre Kosten. Die Reservistenkameradschaft aus Sottrum hatte ein kleines Bundeswehr-Feldlager aufgebaut. Am Wegesrand luden zudem einige Stände ganz unterschiedlicher Couleur zum Verweilen ein. Ein Drechsler zeigte sein Können, Patchworkarbeiten waren zu sehen, es gab Eichsfelder Wurst und Bauernbrot, Apotheken, Bundesverband der Organtransplantierten und ADAC informierten über ihre Arbeit.
Bei seiner Eröffnungsrede am Sonnabendvormittag hatte Frank Ebeling im Namen der Oldtimer-IG-Volkersheim Dank ausgesprochen. „Wenn es nicht eine kleine Gruppe von begeisterten Oldtimer-Fans gäbe, die uns, den Vorstand, unterstützt hätte, würden wir heute und hätten wir auch in der Vergangenheit hier an diesem Ort nicht gestanden.“ Ein großes Dankeschön ging aber auch an den BffL, die Familie von Gadenstedt und die (Ehe-) Partner, „dass ihr für die Planungszeit auf uns verzichtet habt.“ Und auch am Wochenende. Knapp 40 Helfer waren im Einsatz, die Hälfte auch von außerhalb der IG. Die DLRG hielt die Nachtwache. „Das hat wunderbar geklappt“, berichtete Ebeling erfreut. Viele Oldtimerinhaber übernachteten auch in ihren Wagen.
Immer wieder kamen und fuhren die Oldtimer von oder auf das Gelände. Am Sonntag waren die Schiffsmodellbauer aus Hildesheim zu Gast und fuhren auf dem kleinen See mit einigen Schiffen. Ganz neu ist dabei zum Beispiel ein Modell der Küstenwache. Erst zum zweiten Mal wurde es zu Wasser gelassen. Gebaut und gesteuert wurde es von Ricardo Hartmann: „Das ist ein Funktionsschiff, bei dem möglichst viele Funktionen des Originals nachgestellt werden.“ Bei diesem ließ sich unter anderem die Bordkanone steuern, der Radar drehte sich wie in echt, eine Wasserspritze war vorhanden und selbst der kleine Anker konnte zu Wasser gelassen werden.
Thomas Glinkemann aus Rhüden war mit einem alten Lanz Bulldog D3506 dabei. Das Gefährt mit dem Baujahr 1940 hat er über das Internet kurz vor der holländischen Grenze aufgetrieben. Rund ein Jahr dauerte die Restauration, teilweise arbeitete er die ganze Nacht durch. Seit zwei Jahren tourt er jetzt über die Oldtimertreffen. Eine echte Liebe – auf dem Arm hat er sich den Traktor als Tattoo stechen lassen.
Trotz des Regenschauers konnten die Verantwortlichen mit dem Verlauf hochzufrieden sein. Am Sonnabend waren knapp 1500 Besucher auf dem Gelände, am gestrigen Sonntag dürften es noch einmal deutlich mehr gewesen sein. Da die Felder als Parkplatz ausfielen, musste direkt an der Straße beziehungsweise auf den Feldwegen gehalten werden. Bis zum Ortseingang Volkersheim standen die Pkw. Von dort musste dann noch einmal rund zwei Kilometer Fußweg zurückgelegt werden. Nur im Schneckentempo ging es für die Autos vorwärts. Das nahmen jung und alt aber gerne in Kauf, denn immerhin gab es auch viel zu sehen.