Alte Herren wandert am Tag der deutschen Einheit

Die Alte Herren des FC Windhausen wanderte am Tag der deutschen Einheit. (Foto: Sablotny)

Als Ziel wurde der Ernst-August-Stollen auserkoren

Windhausen (Sab). Der „Tag der deutschen Einheit“ ist bei der Alte Herren des FC Windhausen stets ein Wandertag. So auch am vergangenen Sonntag. Dieses Mal stand er unter einem besonderen Zeichen. Der Chef der Alte Herren, Günter Friedrichs, führte die Teilnehmer nämlich über den Gittelder Bahnhof zum Ernst-August-Stollen. Dieser hat, zusammen mit dem ehrwürdigen Portal des Stollens, seit einigen Monaten für weltweites Aufsehen gesorgt. Der Stollen ist Teil des Weltkulturerbes „Oberharzer Wasserwirtschaft“. Man spreche auch vom „Oberharzer Wasserregal“, obwohl es sich dabei streng genommen um ein Recht handele, hob Friedrichs hervor, und war bei seinem ausführlichen Vortrag über den Sinn und Zweck des Wasserlösungsstollen in die Uniform eines Knappen geschlüpft.
Seit einiger Zeit ist er 2. Vorsitzender des Knappenvereins Bad Grund und Umgebung. Bei seinen Ausführungen konnte er sich auch auf seine jahrelange Tätigkeit beim Bergwerk berufen. Interessante Zahlen, Daten und Fakten hörte die Wandergruppe. So sei die „Oberharzer Wasserwirtschaft“ einst von Zisterziensermönchen aus Walkenried ins Leben gerufen worden, um den einträglichen Silberabbau durch Wasserkraft optimal ausführen zu können. Das Weltkulturerbe sei in jahrhundertelanger Arbeit immer wieder erweitert worden. Aus 107 historischen Teichen, 310 Kilometer langen Gräben und 31 Kilometer Wasserläufen bestehe die Wasserwirtschaftsanlage. Eine besondere Stellung nehme der „Ernst-August-Stollen“ ein, führte Friedrichs aus, und nannte dazu beeindruckende Zahlen.
Am 21. Juli 1851, also vor 159 Jahren, sei mit dem Bau des Stollens begonnen worden, der für den Oberharz eine große Bedeutung hatte. Er diente nämlich nicht nur der Wasserlösung, sondern auch der Energiegewinnung. Ohne ihn wäre der Bergbau zum Erliegen gekommen. 22.690,12 Kilometer sei er mit seine Flügelorten lang. 1,5 Millionen Sprenglöcher wurden gebohrt und 10.000 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt. Die Muskelkraft der Arbeiter, aber auch das Können der Marktschneider sei beachtlich gewesen. An zehn Punkten wurde der Stollenabbau begonnen. Mit einer Abweichung von nur drei Zentimetern trafen sich zwei Stollen.
570.000 Thaler kostete das Werk. Bis vor einigen Jahrzehnten wurde der in Europa längste, unterirdisch schiffbare Wasserkanal regelmäßig zur Kontrolle mit Kähnen befahren. Günter Friedrichs erinnerte sich an eine Fahrt, die er als Berglehrling mitgemacht hat.
So, mit neuem Wissen versehen, trat die Wandergruppe den Heimweg an.