Eine kleine Reise durch die Geschichte

Ewald Klingsöhr kann wunderbare Details erklären und Geschichten erzählen.

Sonderausstellung im Windhäuser Dorfmuseum zum Tag des offenen Denkmals

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag war nicht nur in die großen Häuser geladen worden, auch so manches Kleinod lud ein, einen Blick auf seine Schätze zu werfen. So lud auch das Dorfmuseum in Windhausen ein und hatte, passend zum Themenschwerpunkt des Tages „Holz“, eine kleine spezielle Ausstellung dazu vorbereitet. Dabei waren verschiedene Holzarten nebeneinander zum direkten Vergleich drapiert und mit Friedrich Müller zeigte ein Windhausener Künstler seine Schnitz- und Drechselarbeiten. Da gab es große Schnitzarbeiten, die häufig christliche Motiven zeigten und besonders mit den weichen Gesichtszügen beeindruckten. Die Drechselarbeiten waren einfacher gestaltet, dafür aber thematisch zusammengefasst und passend bemalt.
Neben den Holzarbeiten gab es aber noch viel mehr zu sehen. Das kleine unscheinbare Museum, das liebevoll von der Familie Klingsöhr betreut wird, schafft es, den Besucher viele Jahrzehnte in der Zeit zurückzuversetzen. Da ist ein altes Schulzimmer mit original Schülerpulten, passenden Griffeln und Tafeln genauso zu bestaunen, wie eine uralte Schusterwerkstatt. Günter Lex, der den Tag ebenfalls nutzt, um der Familie Klingsöhr mal wieder einen Besuch abzustatten, lässt sich auf dem alten Schusterschemel nieder. Er deutet hinter sich an die Wand, auf einen alten Meisterbrief. Der ist, genauso wie die gesamte Werkstatt-Einrichtung, von seinem Großvater, der einst diese Werkzeuge selbst benutzt hat.
Ein Raum ist ein wahres Kinderparadies, eins für die Kinder von vor 100 oder 150 Jahren. Holzpuppenstuben, uralte Spielzeuge, Puppen, Schaukelpferde – ein großartiges Sammelsurium findet sich hier. Und das allerbeste: Hier ist Anfassen erlaubt. Die Kinder, die hierherkommen, dürfen sich einmal auf so ein altes Schaukelpferd setzen, die Puppen mal aus dem Wagen nehmen. Denn Ewald Klingsöhr, 77-jährige gute Seele des Museums, liebt Kinder, sagt er, und freut sich, wenn tatsächlich einmal ein paar, zumeist an der Hand ihrer Eltern, den Weg in das kleine Dorfmuseum finden.
Auch Stefan Mainka hat mit seiner Familie den Tag genutzt, um dem Dorfmuseum einen Besuch abzustatten. Ein paar Jahre war der Windhausener nicht da, jetzt zieht er mit Frau und den kleinen Kindern durch die Räume. Die dreijährige Johanna sitzt auch mal in einer Schulbank Probe, kann sich gar nicht richtig vorstellen, dass mit solch hartem Griffel auf diese Schiefertafeln gemalt wurde. Auch die Spielzeuge betrachtet sie mit verwunderter Neugier.
Wenn Ewald Klingsöhr Zeit hat, kann er auch wunderbar die vielen Details erklären. Warum die Nachthemden in dem Raum mit der Aussteuer einer Frau durchnummeriert sind, wo die Vorratskammer in den Häusern seinerzeit war und noch viel mehr. Das schöne am Dorfmuseum ist, dass es keine festen Öffnungszeiten gibt. Unter der Telefonnummer (05327) 4417 kann man sich bei Familie Klingsöhr anmelden und hat dafür beste Karten, sich auf eine nicht nur faszinierende, sondern auch äußerst informative Reise in die Vergangenheit dieser Region zu begeben.