Klärschlamm eignet sich als sehr gutes Düngemittel

Mit Kettenbaggern wurde der Klärschlamm verladen und anschließend abtransportiert. (Foto: Bordfeld)
 
Damit der Abtransport möglich ist, wurde der Deich geöffnet. Nach den Arbeiten wurde er natürlich wieder verschlossen. (Foto: Bordfeld)

Erste Beet-Räumung in der Abwasserreinigungsanlage der SG Bad Grund

Von Petra Bordfeld, Windhausen / Förste

Auf der Abwasserreinigungsanlage der Samtgemeinde Bad Grund (ARA) in Förste hat die erste „Ernte“, die Räumung von zwei der im Jahr 2002 angelegten, rund 7 000 Kubikmeter umfassenden vier Beete, begonnen. Damit ist die Rechnung des Werksausschusses, der auf Initiative des technischen Werksleiters, Jürgen Beck, auf besagter ARA mit diesen Beeten eine Klärschlammvererdung anzulegen, aufgegangen.
Denn in den vier Beeten hat sich seit der Inbetriebnahme am 24. Juli 2003 ein sehr guter und kräftiger Bestand von australischem Schilf entwickelt, weil die Beschickung der Klärschlammvererdungsanlage mit Nassschlamm über die Jahre entsprechend dem individuellen Pflanzenbestand erfolgte.
Der flüssige Klärschlamm wurde und wird in die Beete geleitet und über mehrere Jahre in Intervallen beschickt. Im Gegensatz zur energieintensiven, maschinellen Entwässerung, erfolgt bei dieser Vererdung die biologische Konditionierung des Schlammes. Über die reine Wasserabtrennung durch Drainage mit Rückführung der Wässer in die Kläranlage und die Verdunstung der großen Oberfläche des Blattwerkes der Schilfpflanzen hinaus tritt eine komplette Umwandlung des Schlammes in die Klärerde ein, und es entsteht ein erdiges, humoses, braunes, krümeliges Material, das weder nach Klärschlamm aussieht noch so riecht und auf großes Interesse von zwei Dorster und einem Katlenburger Landwirten gestoßen ist, die auf einem Hektar Ackerfläche rund fünf Tonnen dieses noch nicht alltäglichen Düngers mit einem hohen Phosphat-Anteil verteilen werden.
Bevor aber die Arbeiten auf den Beeten begonnen werden konnten, galt es erst einmal von der Auftragsfirma EKO-Plant, eine Durchfahrt in den mit fester Plane eingekleideten Damm zu schneiden, der nach der Beet-Räumung wieder fachgerecht geschlossen wird. Für die Rodung gab es aber noch mehr Vorschriften. So durften nur Kettenbagger eingesetzt werden, die sich auf Bohlen, Baggermatratzen fortbewegen, damit auch das unter dem Klärschlamm liegende Substrat und der darunter befindliche Drainagekörper mit Drainageleitungen und Folie nicht beschädigt und die vorgegebene ebene Oberkante der Mindest-Substrathöhe, einem Gemisch aus Klärerde und Schilfwurzeln, nicht unterschritten wird.
Die verbliebenen Wurzeln der Schilfpflanzen sollen wieder austreiben und mindestens 80 Prozent der freigelegten Flächen abdecken, damit diese erneut in rund zehn Jahren gerodet werden können. Sollten sich freie Stellen herauskristallisieren, wird dort spätestens im kommenden Jahr, wo die anderen beiden Beete ausgeräumt werden sollen, nachgepflanzt.
Damit es nicht zu viel Leerlauf zwischen den Treckeran- und -abfahrten gibt, hat die ausführende Firma selbst drei Zugmaschinen und Anhänger mitgebracht, welche den Naturdünger zu den jeweiligen Landwirten bringen. Da es bei derartigen Transporten auch zu einer streckenweise verdreckten K 31 kommt, ist auch stets ein „Räumkommando“ unterwegs und sorgt dafür, dass niemand auf dem Straßenzug ins Rutschen gerät. Zusätzlich dazu wurde in Abstimmung mit dem Landkreis Osterode eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h in diesem Bereich eingerichtet.
„Mit der Räumung der Beete zwei und drei habe sich das wesentliche Element des Vererdungsvorganges bewahrheitet“, so Jürgen Beck. Die Entwässerung des Nassschlammes mit Hilfe der Schwerkraft sei ebenso reibungslos über die Bühne gegangen wie das Trocknen mit Hilfe der Sonnenenergie und Verdunstung über die Schilfpflanzen. Übrigens werde das Sickerwasser von den Beeten über ein Dränage-System dem Klärwerk wieder zugeführt. Ein Kreislauf, der eine jährliche Kosteneinsparung von rund 60 000 Euro mit sich brächte. „Wir haben zwar neue, aber richtige Wege beschritten“.
Während einer Besichtigung der Arbeiten durch den Werksausschuss der Samtgemeinde Bad Grund (Harz) stand Stefan Rehfuß der Firma EKO-Plant, den Anwesenden Rede und Antwort. Vorsitzender Peter Kalla erkundigte sich nach der kostenmäßigen Entwicklung der Klärerdeentsorgung. Rehfuß führte dazu aus, dass auf Grund des hohen Trockensubstanzgehaltes der Klärerde und Verzicht auf das energieintensive Abpressen reduzierten sich die Kosten auf 25 Prozent der herkömmlichen Entsorgung des Klärschlammes. Die Frage nach der Entwicklung von Klärschlamm-Vererdungsanlagen konnte Rehfuß mit Zahlen belegen. Mit der Anlage in Förste im Jahre 2002 hatte die Firma EKO- Plant rund 20 Anlagen bundesweit errichtet, heute seien es mehr als 70 Anlagen, der Trend sei weiter steigend.