Kleiner Kreis mit großem Interesse

Jon Döring, Bernd Hausmann, Klaus-Richard Behling und Egon Schmidt, Vorsitzender der Freien Wähler PRO Windhausen und Fraktionssprecher der FWG im Samtgemeinderat (von links), informierten die interessierten Bürger. (Foto: Bordfeld)

Informationsabend der FWG zum Thema „Sag Ja zur Zukunft Harz“ im Windhäuser Rathaus

Die Freie Wählergemeinschaft Einheitsgemeinde Bad Grund ( FWG ) hatte zu einem Informationsabend zum Thema „Sag Ja zur Zukunft Harz“ und zu dem am ersten Advent anstehenden Bürgerentscheid nach Windhausen in den Sitzungssaal des Rathauses der Samtgemeinde geladen. Bernd Hausmann, von der Freien Wählergemeinschaft der Einheitsgemeinde Bad Grund, hieß neben den beiden Gastrednern Jon Döring (Bürgerinitiative „Für Osterode“), der als Dozent für öffentliche Betriebswirtschaftslehre an der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Hannover tätig ist, und Klaus-Richard Behling, dem Kreis- und Stadtabgeordneten der FDP/BI-Fraktion Bad Lauterberg, eine Besucher-Gruppe willkommen, die zwar zahlenmäßig recht klein war, aber großes Interesse offenbarte. Zu ihnen zählte übrigens auch Windhausens Bürgermeister Burghard Fricke.
Döring versicherte, dass er zwar beruflich in der Landeshauptstadt tätig sei, Osterode aber nie den Rücken gekehrt habe und sich im Harz wohl fühle. Und er wage es zu bezweifeln, dass der Großkreis Osterode-Northeim-Göttingen die Lösung an sich sei, insbesondere, da die betriebswirtschaftlichen Entwicklungsziele der südniedersächsischen Landkreise nicht harmonierten. Der Landkreis Osterode entvölkere sich langsam und veraltere. Es sei aber ein Wunschdenken, dass sich das mit einem Zusammenschluss der gerade erwähnten Kreise ändern werde. Denn keine Industrie aus den beiden anderen Kreisstädten mache sich auf den Weg, um sich beispielsweise auf dem finanziell günstigen Gewerbegebiet in Windhausen anzusiedeln. Also stünde an, dass noch mehr Osteroder abwanderten, weil es wo anders mehr Arbeit gibt.
Laut Döring liege die Zukunft in dem Zusammenschluss mit dem Kreis Goslar. Bei der Lösung harzspezifischer Probleme bestünden kaum Zielkonflikte – dies sei auch der Grund, weswegen in den Fusionsverhandlungen mit Goslar kaum Dissenzen aufgetreten seien, während es beim Großkreis erhebliche Spannungen gebe. Nur bei einer Harzfusion bestehe die Wahrscheinlichkeit, dass Osterode viele Bildungsgänge in seinen Berufsschulen behalte, und vielleicht – insbesondere aus Richtung Seesen – noch mehr Schüler bekäme. Die Wirtschaftsförderung Harz könnte optimiert werden. Und ein weiterer wichtiger Faktor sei die Uni in Clausthal-Zellerfeld, die noch nie einen so großen Studentenansturm wie 2012 erfahren hat. Döring: „Wer könne denn abstreiten, dass von denen auch einige Fuß im «alten« Landkreis Osterode fassen könnten?“
Noch einmal in Richtung Northeim und Göttingen schauend, gab der Sprecher zu bedenken, dass bei einer derartigen Konstellation die Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Osterode alles andere, als einen leichten Stand hätten. Jetzt finden viele Schulungen in der Lasfelder Feuerwehrzentrale statt. Was wäre aber, wenn für die wichtigen Lehrgänge stets der Weg gen Göttingen angetreten werden müsste? Ein Rückgang beim Interesse an der ehrenamtlichen Arbeit bei der Feuerwehr dürfte weiter zurückgehen.
Letztendlich entstünden für jeden einzelnen Bürger auch Mehrkosten, weil damit gerechnet werden müsste, dass viele Anlaufstellen in Osterode ihre Pforten schlössen. Die hochgeschätzte Bürgernähe dürfte dabei verloren gehen. Es stünden noch viel zu viele unbeantwortete Fragen im Raum. In jedem Falle bräuchte der Kreis Osterode einen Partner, der dieselben Ziele habe, wie er, und das sei Göttingen mit Sicherheit nicht.
Klaus-Richard Behling, welcher der Bürgerinitiative angehört, die bereits seit 31 Jahren im Stadtrat Bad Lauterbergs vertreten ist, bezeichnete den Entscheid, die Bürger an einem christlichen Feiertag wählen zu lassen, als völlig unklug oder gar berechnend. Trotzdem sollte sich niemand in seinem Sessel zurücklehnen, sondern entweder auf die schriftliche Wahl zurückgreifen oder zur Wahlurne gehen.
In seinem Ja für den Harz habe auch der Tourismus, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, eine große Rolle gespielt. Hier habe man die Zeichen der Zeit leider zu oft verschlafen, man sollte daher ruhig mal in den Ostharz schauen, was dort auf die Beine gestellt worden ist. Das Einzige, was sehr groß werde bei einem Zusammenschluss der Kreise Osterode, Northeim und Göttingen, das wäre die Fläche. Sie werde dann größer sein als das Saarland.
Die Fragen der Bürgerinnen und Bürger, welche an diesem Abend zu vernehmen waren, zeigten auf, dass nicht alle einen klaren Entscheid getroffen hatten, weil einfach noch zu viele Antworten auf Fragen wie beispielsweise „Was geschieht mit den kostenfrei zur Verfügung stehenden Sportanlagen?“ fehlten. In jedem Falle steht fest, dass mit dem Bürgerentscheid am 2. Dezember ein wichtiger Schritt getätigt werde. Bei einem Ja zum Harz müssten Verhandlungen neu aufgenommen werden. Ob bei einem Ja zu Northeim und Göttingen alles „gelaufen“ sei, bliebe fraglich.