Reformationswoche klang mit Gottesdienst aus

Zusammen mit Pfarrer Thomas Waubke schlugen die beiden Thesen an die Tür in Windhausens Gotteshaus. (Foto: Bordfeld)
Aus 95 Sätzen bestand die Predigt von Pastor Thomas Waubke im Reformationsgottesdienst, zu dem die evangelischen Kirchengemeinden Badenhausen und Windhausen in die St.-Johannis-Kirche zu Windhausen geladen hatten. 95 Thesen soll Martin Luther 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Pfarrer Waubke lud in seiner Predigt zum Zuhören und Mitmachen ein.
Eingangs hieß er erst einmal alle mit dem Luther-Zitat „Gottes Wort und Segen ist wie ein fahrender Platzregen“ willkommen und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass so viele Bürger fast jeden Alters das Kirchenschiff füllten. Die Martinsbläser begrüßten alle selbstredend mit ihren Instrumenten. Sie hatten übrigens einen „Doppelspieler“ unter sich, denn Peter Wendlandt ließ nicht bloß seine Trompete erklingen, sondern auch die Orgel. Die Chorgemeinschaft „Ohrwürmer“ und „Klangfarben“ wiederum wussten allein mit ihren Stimmen zu überzeugen, was der Beifall unterstrich.
Aber auch Mitglieder des Kindergottesdienstes, die in Kleidung geschlüpft waren, welche an die Zeit Marin Luthers erinnerte, holten die Reformationszeit in die Gegenwart. Da durfte auch nicht das Annageln von Wünschen an die im Kirchenschiff aufgestellte Tür fehlen. Sie war übrigens schon vor dem Festgottesdienst gut bestückt mit Briefen, die Gemeindeglieder an ihre Kirche geschrieben hatten. Mit einer derartigen Vielzahl habe er nicht gerechnet, so Pfarrer Waubke.
Er erinnerte schließlich daran, dass Johannes Tetzel ein überaus gutes Geschäft mit der Angst der Menschen gemacht habe. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“, ein Satz der auch heute nicht unbekannt sei. Heute gebe es zwar keine Ablassbriefe mehr, trotzdem werde zu oft statt der Münze in den Kasten Kraft und Zeit in den Ring geworfen, um noch besser und perfekter zu werden. Leider gehöre heute zum guten Ton, keine Zeit mehr zu haben, und mit Hektik zu beweisen, dass man ein gutes Leben führe und einem niemand etwas vorwerfen könne. „Es müsste an die Tür genagelt werden, dass das Leben ein Geschenk ist, und dass die Tatsache, dass wir geliebt werden, nicht unser Verdienst ist“.
Wie geschieht heute Reformation? Waubke erinnerte daran, dass in Badenhausen die Kirchenbänke zur Seite geräumt worden waren, als Zeichen dafür, dass auch scheinbar Unverrückbares in Bewegung kommen könne. Jeder sollte darüber nachdenken, was im Weg steht und was daraus weggeräumt werden müsse. „Ich glaube nicht, dass wir Ausschau halten müssen nach einzelnen großen Männern und Frauen, die die Kirche mal wieder so richtig in Schwung bringen, sondern lieber in unseren Gemeinden und Orten schauen: Was ist bei uns im Schwung, wie ist der Geist Gottes bei uns im Schwunge?“