Sagenumwobene Ruine der Burg Windhausen

Dort wo die Burg einst gestanden hat, gab es viele Informationen durch Ortschronist Manfred Keinert (rechts).

Dorfverein tauchte mit zahlreichen Interessierten in die Geschichte ab

Ortschronist Manfred Keinert machte kein Hehl daraus, dass ihn die große Zahl der Frauen und Männer faszinierte, welche der Einladung des Windhäuser Dorfvereins gefolgt waren, um mit ihm eine Zeitreise in die Geschichte der „Alten Burg“ von Windhausen anzutreten, die im Prinzip ein ziemlich weißer Fleck sei.

Denn von ihr sei, wie bei vielen anderen, am westlichen Harzrand gelegenen Gebäuden, kaum etwas erhalten, weil sie auf wenig Aufmerksamkeit gestoßen seien. Es werde aber angenommen, dass die Burg Windhausen im 12. Jahrhundert errichtet wurde, um die Bergbaureviere des hier ansteigenden Harzes und im Grundner Tal zu schützen.
Keinert erinnerte daran, dass vor einigen Jahren durch die Arbeitsgemeinschaft „Alte Burg“ ein Gutachten des alten Gutsgebäudes angeregt wurde. Im Ergebnis habe sich gezeigt, dass das Fachwerkhaus um 1652 erbaut wurde, um im Laufe der Jahrhunderte mehrfach um- und überbaut zu werden. Hinweise auf einen Wirtschaftsbetrieb seien ebenfalls gefunden worden.
Die Geschichte der Burg war bereits vergessen, als im 19. Jahrhundert die tiefen Burggräben ausgefüllt und die in der Erdoberfläche vielfältigen anderen Mauerreste abgetragen wurden. Allerdings wurde 1898 die Ruine durch den Harzklub-Zweigverein Grund dem Touristenverein zugänglich gemacht.
Unter dem Burgplateau wurde ein Hohlraum gefunden und bei der Errichtung eines hölzernen Tanzzeltes auch der Burgbrunnen, der heute allerdings mit einer Betonplatte abgedeckt ist. 1908 brannte in einer Nacht das Tanzzelt nieder, und die Nordmauer stürzte teilweise ein. Ein Jahr später war in der Zeitung „Altsachsenland“ zu lesen, dass die sagenumwobene Ruine der Burg Windhausen wegen „großer Baufälligkeit“ niedergelegt werden soll. Durch eine neue Fundamentierung der alten Ringmauer konnte dies allerdings verhindert werden.
Aber erst im Jahr 1987 wurden bei Bauarbeiten auf der Burgruine zahlreiche Keramikscherben geborgen, die wohl aus dem 12. bis zum 15. Jahrhundert stammten. Es waren Teile vom Koch-, Vorrats- und Trinkgeschirr, eines altertümlichen Kachelofens, ein in sich gedrehter irdener Krughenkel, der sich keiner Werkstatt zuordnen lässt sowie vielfältige Knochenreste als Küchenreste von Schweinen und Rindern mit Schnittspuren.
Dahingegen wurden auf Thiemannshof, wo übrigens die Zeitreise begann, schon vor Jahrzehnten Kellergewölbe gefunden, die auf einen Vorgängerbau des Gebäudes „Alte Burg“ hinweisen. Dachziegel des Typs Mönch/ Nonne und Glasreste eines Buntglasfensters mit Bleieinfassungen, also des Fensters eines repräsentativen Raumes ließen die Frage aufkommen, ob dies Zeugen einer Kapelle gewesen sein mögen.
Die interessierten Bürger begaben sich aber auch auf den Weg zu den Zeugen aus längst vergangenen Tagen, zu einem Tunneleingang mit leicht verschlissenem Eisentor und zwei Schutzmauerteilen. Sie weisen darauf hin, dass die Burg auf der Höhe des herabstreichenden Knollen, innerhalb der damals schon alten Siedlung Windhausen, zum Schutze der naheliegenden Bergbaureviere errichtet wurde. Wer dies allerdings tat, ist nicht bekannt, so der Ortschronist weiter.
Etwas mehr Licht in die Burg-Geschichte brachte die Geburt des erstgeborenen Sohnes des Ministerialen Basilius von Osterode. Er, der einer reichen Familie entstammte, nannte sich bereits 1224 Basilius von Windhausen. Zu den urkundlich bekannten Leistungen des Basilius zählte die Zusammenfassung von umfangreichen Gütern für das Zisterzienserkloster Walkenried. Diese kaufte oder vermittelte er, um so den Aufbau eines großen Wirtschafts-, Bergbau- und Hüttenbetriebes bei Münchehof möglich zu machen. „Noch heute zeugen die alten Schmelzplätze im Pandelbachtal von dieser Zeit“, so Keinert.
Denn nach Heinrich Uhde, der sich mit der Geschichte des Gittelder Raumes intensiv beschäftigte, habe das Erzbistum Magdeburg im Grundner Tal Schmelzhütten betrieben, sodass sicher ein Interesse vorgelegen haben könnte, hier eine Burg zu errichten. Andererseits führe eine Urkunde aus dem 14. Jahrhundert den Erzbischof von Mainz als Eigentümer auf.
Eine weltweite Klimaveränderung im 14. Jahrhundert, die „Kleine Eiszeit“, brachte allerdings auch Hungersnöte und Epidemien in den Vorharz. Die Bevölkerung schrumpfte, und viele Adelige sowie geistliche Grundherrschaften verarmten. Das Rittertum sank vielerorts zum Raubrittertum herab. Genau in diese Zeit fällt die Ersterwähnung der Burg Windhausen selbst. Sieben Herren von Medem verzichteten nämlich 1338 zugunsten Ludolfs von Oldershausen auf ihren Teil des „Huses thu Wynthus“. Weitere Nennungen der Burg zeigten, dass sie zunehmend in kriegerische Ereignisse hineingezogen und auch verpfändet wurde.
Die Burg habe oft die Besitzer gewechselt, zu denen auch die Herren von Olderhausen zählten, und selten einem allein gehörte. Auch Albrecht von Grubenhagen gehörte dazu. Er war übrigens der erste welfische Fürst, der das Sachsenross im Siegel führte und nach dem das heutige Land Niedersachsen das Landeswappen hat. Nach Ende des 14. Jahrhunderts wurde es ruhig um die Burg Windhausen, die vermutlich im 16. Jahrhundert endgültig verlassen wurde und sehr schnell zur Ruine zerfiel.
Im 18. Jahrhundert wurde die ehemalige Vorburg als Friedhof genutzt, der noch zu einem beträchtlichen Teil erhaltene Bergfried wurde abgebrochen und zu einem Erbbegräbnis der Familie Koch umgebaut. Mündlicher Überlieferung nach drang hier aus einem Felsspalt beständig kalte Zugluft, welche die Leichen durch rasche Austrocknung vor Verwesung schützte, so befindet sich vermutlich ein Gewölbe unter dem alten Bergfried.
„So bewahrt unsere Burg noch ihre meisten Geheimnisse, deren Erschließung vielleicht anderen Generationen vorbehalten bleibt“, mit dem Satz beendete der Ortschronist die überaus interessante Reise in die Geschichte der Burg Windhausen.