„Windhausen wird älter werden als 777 Jahre …“

Landrat Bernhard Reuter, Bürgermeister Burghard Fricke und Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann bei der Überreichung des Kreiswappens. (Foto: Bordfeld)

Viele traten beim Festakt nicht nur eine Reise in die Vergangenheit, sondern auch in die Gegenwart an

Windhausen (pb). „Windhausen wird älter werden als 777 Jahre, auch in einer Einheitsgemeinde. Ob aber über den Namen weiterhin so positiv gesprochen wird, hängt von uns Menschen ab, von uns Menschen, die hier das Leben im Ort gestalten“, Worte des Bürgermeisters Burkhard Fricke während des Festaktes, zu dem anlässlich des ungewöhnlichen Jubiläums in den Sitzungssaal des Rathauses geladen wurde.
Vor einer großen Zahl von interessierten Gästen, zu denen auch Landrat Bernhard Reuter, Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann und Pastor Thomas Waubke, der zuvor zum Festgottesdienst gebeten hatte, gehörten, schaute Fricke aber erst einmal weit in die Geschichte der Gemeinde zurück, bevor er nach vorne blickte. Denn „der Wanderer müsse ja wissen, woher er kommt, wenn er auf dem Weg zum Ziel die Orientierung nicht verlieren will“.
In der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes sei unter anderem Folgendes zu lesen: „Wir Brüder von Gottes Gnaden, Basilius von Winthusen und Günzel von Osterode, entbieten allen, die dieses Schriftstück sehen werden, unseren Gruß in die Ewigkeit. Damit dasjenige, was vernünftig und lichtvoll ausgehandelt wurde, nicht durch die Vergesslichkeit oder Schwäche der Nachgeborenen ungültig gemacht werden kann, ist es üblich, durch glaubwürdige Schriftstücke dagegen Vorsorge zu treffen.“ Damit war es amtlich – Windhausen begann zu leben, denn mit diesen Worten ist im Jahre 1234 der Meilenstein der Ortsgeschichte gelegt worden.
Die Menschen Windhausens hätten einige Kriege wie den Bauernkrieg, den 30-jährigen Krieg, den napoleonischen Krieg, den deutsch/französischen Krieg 1870/71 und die beiden Weltkriege 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 erleben und erleiden müssen. Wobei ein Tag im April 1945 als einer der schwärzesten Tage der Dorfgeschichte in Erinnerung bleiben werde, so der Redner weiter. An diesem Tag wurden von zwei unbelehrbaren, dem Hitler-Regime verfallenen Bürgern aus Windhausen, zwei Zwangsarbeiter am Ortsausgang „Am Schwarzen Wasser“ erschossen.
Seine Blütezeit habe Windhausen dahingegen durch den Bergbau erfahren, der dem gesamten Harzraum einen wirtschaftlichen Aufschwung bescherte, weil viele Menschen im Bergwerk und im Umfeld Arbeit gefunden hätten, sodass es auch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine überschaubare, an der Größe des Dorfes bemessen, jedoch gut ausgebaute Geschäftswelt gegeben habe.
Eisenbahnen zwischen Braunschweig und Herzberg sowie zwischen Gittelde und Bad Grund wurden gebaut, wobei die Strecke nach Bad Grund bereits 1971 stillgelegt wurde. Zwischen Braunschweig und Herzberg gibt es heute ein sehr gutes Angebot und inzwischen auch neue Fahrkarten-Automaten.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Windhausen Bestandteil der britischen Besatzungszone, worauf das heutige Gemeindegefüge zurückgehe. Bis 1972 gab es ein eigenes Gemeindebüro nur für Windhausen. Nach der Gebietsreform in diesem Jahr war Windhausen zwar immer noch eine eigenständige Gemeinde, teilt sich aber bis heute mit Bad Grund, Gittelde, Badenhausen und Eisdorf eine Verwaltung. Es entstand die Samtgemeinde Bad Grund.
„Wirtschaftliche und gesellschaftliche Zwänge, die auch vor den Kassen der Gemeinde keinen Halt machen, zwingen uns umzudenken“, mahnte der Bürgermeister an. Es gebe kaum noch Wirtschaft im Dorf. Windhausen präge sich immer mehr zur reinen Wohngemeinde aus. Aus diesem triftigen Grunde müsste man weg von unsinnigen, teuren Baugebieten, die dann über viele Jahre brachliegen, hin zur Gestaltung und Erhaltung der Ortskerne.
Einige hätten mit der Restaurierung des Saales der Alten Burg bereits bewiesen, dass heute in so kleinen Dörfern wie Windhausen nur durch gemeinsames Auftreten der Dorfgemeinschaft Projekte wie die Alte Burg erreicht und dauerhaft erhalten werden können.
Es sei allen bekannt, dass der Rat der Gemeinde Windhausen mehrheitlich der Umwandlung in eine Einheitsgemeinde zugestimmt hat. Trotz dieses Beschlusses behalte Windhausen seinen Platz – auch in einer Einheitsgemeinde. Wie stark der werden und sein wird, bestimmten alle gemeinsam. „Unsere Stärke ist also untrennbar mit der Dorfgemeinschaft verbunden“.
Landrat Bernhard Reuter betonte in seinem Grußwort, er sei schon zu vielen Jubiläen eingeladen gewesen, zu einem so hohen Schnapszahlfest aber noch nicht. Er kam auch auf die in zwei Jahren anstehende Umwandlung der Samtgemeinde in eine Einheitsgemeinde zu sprechen und mahnte an, dass eine örtliche Gemeinschaft nicht von der politischen Selbstständigkeit abhängig sein dürfe. Er habe schon viele Gemeinden kennengelernt, die zwar ihre Selbstständigkeit, aber nicht die funktionierende Dorfgemeinschaft verloren hätten. Dafür gebe es aber auch Ortschaften, die noch selbstständig sind, aber über eine schwach entwickelte Dorfgemeinschaft verfügten. „Ob es Ihnen gelingt, nach der Umwandlung als Dorf zusammenzubleiben, hängt nur von Ihnen ab“.
Windhausen habe viele Krisen und Kriege überstanden, da sei er sich sicher, dass der Reformprozess weder der Gemeinde noch der Stärke der Bürger schaden werde. Als Zeichen der Anerkennung überreichte er Bürgermeister Fricke das Wappen des Landkreises Osterode.
Samtgemeindebürgermeister Dietzmann ließ nicht Worte, sondern Bilder sprechen. Denn er hatte sich ins Fotoarchiv begeben, um Erinnerungsschätze der 750-Jahr-Feier ans Beamer-Licht zu holen. Und zu dieser Zeitreise ins Jahr 1984 musste keiner der Gäste lange gebeten werden.
Mit diesem Festakt wurden die Feierlichkeiten ganz offiziell eröffnet, die unter anderem ihre Fortsetzung mit einem Blaskonzert am 22. Mai im Bereich der Alten Burg und einem Gastspiel der Theatergruppe St. Georg aus Eisdorf am 18. Juni ihre Fortsetzung finden werden.