„Unser Dorf ist ein ganzes Stück ärmer!“

Bürgermeister Martin Bartölke verliest die Entlassungsurkunde für den stellvertretenden Ortsbrandmeister Nicola Ackenhausen.
 
Ein letztes Gruppenbild: Zum 1. Januar 2015 geht die Ortsfeuerwehr Wohlenhausen in der Wehr Königsdahlum mit auf.

Feuerwehr Wohlenhausen löst sich zum 1. Januar auf und schließt sich der Wehr Königsdahlum an

Noch drei Tage, dann ist die erste Ortswehr im Stadtgebiet Bockenem Geschichte. Die Freiwillige Feuerwehr in Wohlenhausen muss mangels Aktiver ihre Eigenständigkeit aufgeben und schließt sich der Wehr in Königsdahlum an. Die Wohlenhäuser agieren dann nur noch als Löschgruppe. Das bei diesem Anschluss nicht alles optimal gelaufen ist, wurde auch bei der letzten Jahreshauptversammlung der Wohlenhäuser am Samstagabend noch einmal deutlich.
Die 13 verbliebenen Aktiven, 18 sind für eine Eigenständigkeit laut Niedersächsischen Brandschutzgesetz notwendig, haben sich mit der Situation weitestgehend arrangiert. Unzufrieden sind vor allem die 17 Alterskameraden. Warum das so ist, versuchte Karl-Heinz Fischer zu erklären: „Die Feuerwehr ist für uns ein Stück Heimat. Als wir Jugendliche waren, waren wir stolz bei den Übungen der Feuerwehr zuschauen zu dürfen, oder selbst als Statisten teilzunehmen. Wir haben nach der Auflösung des Gesangvereins nur noch die Feuerwehr und die Kirche hier. Unser Dorf ist nun ein ganzes Stück ärmer geworden.“ Man hätte, so Fischer, die Eingliederung nach Königsdahlum humaner gestalten können.

Ärger, dass der Name Wohlenhausen nicht mit aufgenommen wurde

Die aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen bemängeln vor allem drei Dinge. Zum einen, dass der Name Wohlenhausen nicht mehr vorkommen wird. Eine „Bindestrich“-Lösung, Feuerwehr Königsdahlum-Wohlenhausen, hätten sie sich erhofft und sei zunächst auch in Aussicht gestellt worden. Zum anderen würden sie lieber der Löschgruppe angegliedert sein, anstatt der Königsdahlumer Wehr. Außerdem beklagen sie, dass der künftige Löschgruppenführer kein Stimmrecht im Kommando habe.
Ersteres ist grundsätzlich noch möglich. Die Wohlenhäuser wollen bei der Versammlung in Königsdahlum am 7. Februar einen Antrag auf Namensänderung stellen. Bürgermeister Martin Bartölke machte den Mitgliedern der sich auflösenden Wehr durchaus Hoffnung. Denn er ist der Ansicht, dass die Erfolgsaussichten nicht ganz so schlecht seien. Beim anderen Punkt, dem Anschluss an die Löschgruppe, steht das Gesetz dem Wunsch im Weg, erklärte Amtsleiter Michael Loske. Denn die Altersabteilung sei, wie die Kinder- und Jugendwehren, einer Ortsfeuerwehr angegliedert. Da es künftig aber nur noch die Wehr Königsdahlum gäbe, sei nur die Angliederung nach dort möglich.
Bezogen auf die Namensgebung und das Stimmrecht für den Löschgruppenführer zeigten sich sowohl Bartölke als auch Loske überrascht, dass es im Stadtkommando kaum eine Stimme dafür gab. Auch die weiteren kleinen Wehren wie Werder oder Jerze, die von einer Auflösung bedroht seien, wären nicht dafür gewesen. Bartölke: „Ich stand mit meinem Kampf dafür ziemlich auf verlorenen Posten.“ Auch der ehemalige Wohlenhäuser Loske meinte „wir hätten gerne mehr Identität für die kleinen Dörfer erhalten.“ Die neue städtische Feuerwehrsatzung sei infolgedessen, was den Vorgang eines Zusammenschlusses betrifft, eher unkonkret gehalten. Angepasst wird sie daher nun erst, wenn sich beide „heiratswilligen“ Wehren einigen.
Zufriedengestellt war die Wohlenhäuser Altersabteilung damit allerdings noch nicht. Ob sie nach Königsdahlum übertreten, ist zumindest bei einigen noch ungewiss. Möglich ist auch der Anschluss an eine andere Wehr im Stadtgebiet oder in letzter Konsequenz der Austritt. Sowohl der Bürgermeister, als auch der stellvertretende Stadtbrandmeister Ralf Sander und der stellvertretende Ortsbrandmeister Nicola Ackenhausen (einen Ortsbrandmeister gibt es nicht mehr) appellierten aber an die Unzufriedenen, zunächst einmal mit überzutreten und es zumindest zu versuchen.
Im künftigen Kommando Königsdahlum sollen die Wohlenhäuser, so Ackenhausen, drei Posten bekommen. Als Wahlvorschläge für die Versammlung am 7. Februar in Königsdahlum wurden Jens Fischer (Löschgruppenführer), Matthias Becker (Gerätewart) und Marcus Schlüter (Sicherheitsbeauftragter) gewählt.
Nicola Ackenhausen, der seit dem 1. Mai die Wohlenhäuser Wehr leitet, da die Amtszeit des vorherigen Ortsbrandmeister Michael Probst auslief und niemand den Posten übernehmen wollte, blickte auch noch einmal auf das fast vergangene Jahr zurück. Dreimal mussten die Aktiven ausrücken, zu einem Brand bei Hermann II, als Reserve zu einem Brand in Bockenem und zu einer Personensuche. Das Feuerwehrhaus wird in Zukunft vom Wohlenhäuser Förderverein geleitet, eine Umwandlung in ein Dorfgemeinschaftshaus ist aus verschiedenen Gründen derzeit nicht sinnvoll. Die Fahrzeugbox kommt dagegen in Obhut der Ortswehr Königsdahlum. Bürgermeister Martin Bartölke verlas für Ackenhausen die Entlassungsurkunde aus dem Ehrenbeamtenverhältnis.

Eine Todesanzeige als Abschiedsgeschenk

Zum Schluss warf der Alterskamerad Wilhelm Becker noch einmal einen kurzen Blick zurück auf die Geschichte der Wohlenhäuser Feuerwehr: „Am 15. Januar 1950 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wohlenhausen mit 19 Aktiven gegründet. Damals hatte das Dorf zirka 160 Einwohner. Schon in den 80er und 90er Jahren war die Zahl der Aktiven kritisch. Einen Aufschwung gab es noch einmal, als die Kinder der Gründer hinzukamen. Aber jetzt, als wir die Altersgrenze erreicht haben und bei rund 80 Einwohnern, ist der Wandel nicht mehr aufzuhalten. Es ist traurig, dass unsere Feuerwehr kurz vor dem ‘Rentenalter’ nun Geschichte ist.“ Als „Abschiedsgeschenk“ überreichte er Ackenhausen eine gerahmte Todesanzeige.