Datenschutzverordnung erschwert Arbeit der Ehrenamtlichen

Einwohner über 70 Jahren mögen sich beim Arbeitskreis Ältere Bürger melden

Der Arbeitskreis Ältere Bürger Gittelde/Teichhütte ruft dazu auf, die Einverständniserklärung abzugeben, damit die Busfahrten und die Adventsfeier geplant werden können.

Gittelde/Teichhütte. Eigentlich sollte die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die seit dem 25. Mai des vergangenen Jahres gilt, die Bürger vor dem Datenhunger der Unternehmen schützen. Sie soll sicherstellen, dass personenbezogene Daten innerhalb der Europäischen Union geschützt sind, gleichzeitig aber den freien Datenverkehr innerhalb des Europäischen Binnenmarktes gewährleisten.

In der Praxis sieht es jedoch ganz anders aus, denn nicht nur kleine Firmen, sondern auch Vereine und der sozial engagierte Normalbürger stehen oftmals verzweifelt vor dem EU-Bürokratiemonster, das eine aufwendige Dokumentation von Alltagshandlungen mit sich zieht. Wie auch der Arbeitskreis Ältere Bürger Gittelde/Teichhütte, der sich ehrenamtlich für Senioren über 70 Jahren engagiert.

Das Arbeitskreis-Team, bestehend aus Ursel und Werner Schaper, Horst Ahrens und Marion Hauck, kümmert sich seit vielen Jahren darum, dass Senioren gemeinsam auf Tour gehen und feiern können. Neben der Organisation der zwei Busfahrten und einem für die Teilnehmer kostenlosen Adventskaffee hat das Team jahrelang Gratulationskarten geschrieben, die Geburtstagsdaten verwaltet und diese der Tageszeitung zum Veröffentlichen gegeben. "Das war eine schöne Tradition, wenn sich die 'Geburtstagskinder' in der Zeitung wiedergefunden haben", so Werner Schaper. Davon hat der Arbeitskreis seit Einführung der DSGVO jedoch Abstand genommen, wie auch vom Schreiben der Gratulationspost. Zudem sollen Ankündigungen für die Veranstaltungen nicht mehr im Briefkasten landen, sondern werden nur durch einen Aushang im amtlichen Bekanntmachungs-Kasten der Gemeinde und in der Zeitung bekannt gegeben. Lediglich die Platzreservierungen für die Busse werden wie gewohnt rechtzeitig verteilt.

Denn mit den Daten darf nicht mehr so umgegangen werden wie bisher. Die Listen mit den Daten der Über-70-Jährigen darf die Gemeinde Bad Grund nicht mehr herausgeben. Stattdessen hat der Arbeitskreis zwei Anschreiben entwickelt, die zum großen Teil in den beiden Ortschaften und auch auf dem kürzlich gefeierten Adventskaffee verteilt wurden. Zum einen informierte das Team darüber, dass in diesem Jahr wieder Veranstaltungen anstehen, dafür man jedoch die Datenschutz-Einwilligung benötige, die ebenfalls mit verteilt wurde. Diese Einverständniserklärung ist nötig, damit die besagten Veranstaltungen überhaupt geplant und durchgeführt werden können. „Wir dürfen die uns bekannten Anschriften nicht mehr benutzen“, erklärt Ursel Schaper. Zudem wisse man gar nicht mehr, wer in diesem Jahr überhaupt alles 70 werde.

Horst Ahrens sagt zu den neuen Bestimmungen: „Dadurch wird das Ehrenamt langsam, aber sicher kaputt gemacht“. Man könne gar nicht mehr richtig planen, denn bereits im Oktober des Vorjahres habe man sonst alle Veranstaltungen für das nächste Jahr organisiert, denn auch die Busunternehmen und die Cafébesitzer müssen die Gruppen planen. Nun müsse theoretisch jedes Jahr aufs Neue und für jede Veranstaltung immer wieder einzeln diese Einwilligung eingeholt werden. Auch Werner Schaper zeigte sich verbittert darüber, dass das Ehrenamt durch die Verordnung nicht unterstützt, sondern im Gegenteil sogar noch behindert werde. Jetzt sind also die Einwohner von Gittelde und Teichhütte gefragt, sich beim Arbeitskreis zu melden. „Den Leuten muss klar gemacht werden, dass sie die Initiative ergreifen müssen und die Vordrucke bei uns abgeben müssen“, betont Marion Hauck. Interessierte ab den Jahrgängen 1949/1950 oder früher melden sich bitte entweder bei Horst Ahrens (05327/5125), Marion Hauck (05327/5158), Ursel und Werner Schaper (05327/5320) oder Iris und Manfred Rösnick (05327/5213). Auch jüngere Partner oder Begleitpersonen können teilnehmen, wenn sie eine entsprechende Einverständniserklärung unterschreiben.

Selbst Datenschützer fordern nun eine Nachbesserung der DSGVO. Bis das geschieht müssen sich jedoch ehrenamtlich Tätige, wie der Arbeitskreis Ältere Bürger, wohl noch weiter durch den Datenschutzverordnung-Dschungel kämpfen.hn

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