Die Markaubrücke und ihre Bedeutung

Brücke war zur Versorgung der Teichhütter Eisenhütte lebenswichtig / Ab nächster Woche wieder befahrbar

Die Strecke über die Markau-Brücke in Teichhütte soll ab nächster Woche wieder befahrbar sein.

Gittelde. Bereits zu Beginn der zweiten Bergbauepoche im Harz entwickelten sich im Grundner Tal und in der Nähe von Gittelde mehrere Schmelzhütten und Schmiedebetriebe, die die geförderten Erze aus dem Harz verarbeiteten. Die „Hütte vor dem Teiche“ (Teichhütte) nahm dabei bereits früh eine herausragende Stellung ein. Hier „wurde aus Steinen Eisen gemacht“, ist in einer historischen Notiz zu lesen.

In den Eisenhütten wurden vorwiegend Kriegsgeräte, Ausrüstungsgegenstände für den Oberharzer  Bergbau sowie Geräte für die Landwirtschaft und Haushaltsgeräte für den täglichen Gebrauch gegossen. Auf herzoglichen Befehl mussten alle Erzeugnisse der Hütten über die Eisenkanzlei (Handelsgesellschaft) in Gittelde verkauft werden.

Die Entstehung des Amts-Hütten-Teiches bei Teichhütte

Zum Betreiben der Hochöfen, Blasebälge und Maschinen wurde eine enorme Menge an Wasserkraft mit einer aufwendigen Wasserbevorratung benötigt. Neben den umliegend angelegten kleinen Teichen diente dazu der 68 Morgen große „Amts-Hütten-Teich“, der östlich der Teichhütte angelegt wurde. Die heutige Verbindungsstraße zwischen Gittelde und Teichhütte verläuft teilweise auf dem ehemaligen Staudamm. Gespeist wurde der Teich – er war zu der Zeit die größte Talsperre im Harz – durch die umgeleitete Markau, die unterhalb des Winterberges entspringt und Richtung Münchehof floss.

Die Münchehöfer sprechen daher heute noch von „der gestohlenen Markau“. Außerdem wurde dem Hütteteich Wasser aus dem Grundner Tal, insbesondere aus dem Tiefen-Georg-Stollen, zugeleitet. Dieser Zufluss erfolgte über den „Schleifkobengraben“, einem künstlichen Höhengraben, der ab Windhausen angelegt wurde. Die Bewirtschaftung des Amts-Hütten-Teiches unterlag den strengen Regeln des „Oberharzer Wasserrechtes“. Eine private Nutzung des Gewässers konnte nur in Ausnahmefällen mit herzoglicher Genehmigung erfolgen. Der regelmäßige Hüttenbetrieb war nur durch eine genaue Bevorratung mit genügend Wasser möglich. Trotzdem kam es mehrere Male zum Stillstand, weil durch Trockenheit oder extremes Winterwetter der Teich trockengefallen war oder durch die bestehenden Fischereirechte abgelassen und abgefischt werden musste.

Die Wasserversorgung des Teichhütter Hüttenbetriebes aus dem Hütteteich, vorrangig die Hochofenhütte und das Pochwerk (am heutigen Platz der ehemaligen Sägemühle), erfolgte durch zwei verschiedene Teich-Abflüsse auf der Dammseite (der heutigen Verbindungsstraße). Der Wasserabfluss wurde über ein Gerinne mit Striegelschacht und Striegel geregelt, so wie es auch an den Oberharzer Bergbauteichen bekannt ist.
Außerdem gab es einen Grundzapfen mit einem Grundgerinne (hölzerner Abflusskanal) an der tiefsten Stelle des Teiches, über dem der Teich zu Reparaturzwecken oder Abfischen vollständig geleert werden konnte.

Die jetzt erneuerte Brücke überspannt die ehemalige Freifluth beziehungsweise Ausfluth (eine Überlaufschleuse mit Wehr), durch die der Wasserstand des Teiches reguliert und überschüssiges Wasser abgeführt wurde. Durch Ziehen oder Setzen von Eichenbohlen mittels Zahnstange oder Handwinde konnte der Wasserstand des Teiches bei extremen Wetterverhältnissen schnell angepasst werden. Bei Wassernot wurde die Freifluth komplett geschlossen. Ein bewegliches Gatter aus Eichenbohlen ragte vor der Freifluth im spitzen Winkel in den Teich, es schützte die Anlage so vor Unrat, Gestrüpp und im Winter vor Eisschollen. Zum Schutz dieser Fluth waren die Seiten mit Steinen und Rasensoden befestigt, die Fluthsohle war mit Bruchsteinen gepflastert. Über die Hütten- und Pochwerkgräben auf dem Hüttengelände gelangte das Wasser in die Liese.

Die Brücke über die alte Freifluth

Durch schlechtes Eisenerz, unregelmäßige Wasserversorgung und scharfe Konkurrenz konnte die Eisenhütte nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden und musste 1868 den Betrieb einstellen. Der Hütteteich wurde trockengelegt und zunächst von der Domäne Stauffenburg als Ackerland bewirtschaftet. Nach Auflösung der Domäne wird er seit 1959 von zwei Gittelder Landwirten genutzt.

Der heutige Verlauf der Markau parallel zur Straße ist künstlich und wird durch einen aufgeschütteten Damm zusätzlich gesichert.  
Markaubrücke ab nächste

Woche wieder befahrbar

Seit Ende Juli läuft sämtlicher Verkehr entweder über die Bahnhofstraße in Gittelde oder durch Teichhütte über die Umleitungsstrecke Sägemühlenstraße. Grund dafür war die Sperrung der Ortsdurchfahrt wegen dringend notwendiger Baumaßnahmen an der Markau-Brücke auf Höhe der Firma Obermann. Nicht nur die wahrscheinlich genervten Anwohner der Umleitungsstrecken sondern auch die Autofahrer können jetzt aufatmen, denn wenn alles gut läuft, kann die Brücke ab nächster Woche schon wieder befahren werden. Wie der Sprecher des Landkreises Göttingen, Ulrich Lottmann, auf Nachfrage mitteilte, sei als Abschluss der Arbeiten und die Freigabe die 50. Kalenderwoche, also kommende Woche, geplant. Das sei natürlich unter Vorbehalt in Bezug auf dafür geeignete Witterung und Verfügbarkeit des benötigten Geräts für die abschließenden Arbeiten geplant.hn/bb

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