Gelernt, nach Anworten zu suchen

Die junge Vikarin Louisa Frederking kam über Jerusalem nach Badenhausen und Windhausen

Louisa Frederking in der St.-Martin-Kirche Badenhausen.

Badenhausen/Windhausen. „Als wir am Heiligabend nach Bethlehem zum Gottesdienst gefahren sind, mussten auch wir einen hochgesicherten Checkpoint durchqueren. Dort stand eine als Weihnachtsmann verkleidete Soldatin, überreichte weihnachtliche Leckereien und wünschte uns ein Merry Christmas“: Erinnerungen von Louisa Frederking, der Vikarin, die ihr erstes Referendariat in den Kirchengemeinden Badenhausen und Windhausen ablegen und Pfarrer Thomas Waubke zur Seite stehen wird.

Um zu erfahren, wieso sie der Weg nach Jerusalem und dann in die beiden Kirchengemeinden geführt hat, in denen sie keine Unbekannte mehr ist, traf sich der „Beobachter“ mit der jungen Frau im Gemeindehaus Badenhausen.

Das Licht der Welt erblickte sie zwar in der Nähe von Koblenz, aufgewachsen ist sie aber in Northeim, wo sie auch die Schulbank gedrückt hat, um am Gymnasium Corvinianum das Abitur abzulegen. Während der Schulzeit besuchte sie auch die Kindergottesdienste. „Die haben mir so gut gefallen, dass ich sie im Laufe der Konfizeit mit geteamt habe“. Nach der Konfirmation brachte sie sich noch rund zwei Jahre in die kirchliche Jugendarbeit mit ein. In dieser Zeit setzte sich langsam die Idee durch, Theologie zu studieren. „Es ging mir nicht nur darum, Pastorin zu werden, ich wollte mich auch mit theologischen Fragen auseinandersetzen“.

Doch bei der Suche nach Antworten seien noch mehr Fragen aufgetaucht. „Wenn es einen Hauch einer Antwort gab, tauchten mit ihr weitere Fragen auf. Irgendwie habe ich aber gelernt, wie ich nach Antworten suchen kann.“

Louisa Frederking studierte in Marburg und Tübingen, wo sie 2017 ihr erstes theologische Examen ablegte und auch noch Arabisch studiert hat. Danach war sie in Frankfurt am Main in einem Kindergarten und nachmittags in einem Grundschulhort tätig. Außerdem unterrichtete sie in Hessen als Betreuungskraft und Vertreterin an Grundschulen Religion, Mathe und Deutsch. „Im Prinzip all das, was an Grundschulen so gelehrt wird“.

Doch bevor sie und ihr Freund sesshaft werden wollten, zog es beide nach ihrer ersten Prüfung ins Ausland. „Eher jetzt, als später“. So führte sie ihr Weg im Sommer 2018 nach Israel, in die deutschsprachige Gemeinde Jerusalems. Beide waren für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) als Volontäre und pädagogische Mitarbeiter tätig (siehe Infotext „Hintergrund“ unten). Damit taten sich ihnen verschiedene Arbeitsbereiche auf, die mit Überlegungen zum Holocaust verknüpft waren. Durch Hausbesuche lernten sie alle Glaubens-Seiten kennen. Denn sie konnten problemlos nach Palästina ein- und wieder ausreisen. „Man sollte die andere Seite unbedingt kennen lernen“.

Gelebt haben die beiden in der Altstadt von Jerusalem. „Vom Dach aus konnten wir die Mauer sehen, die Palästina von Israel trennt“. Und sie erfuhren viele Erlebnisse in alle Richtungen, die für sie spannend waren. „Wir sind dankbar dafür, dass wir dieses Jahr machen und so mit vielen Seiten sprechen konnten“. Auch wenn es schwierig gewesen sei, weil alle Seiten Recht hatten. „Wenn man den Menschen zuhört, stimmt alles. Wo die Mitte ist, dürfen wir nicht entscheiden“. Sie habe immer versucht, zu verstehen, aber es habe nicht ganz geklappt. In jedem Fall sei das Zuhören das Wichtigste gewesen, und man sollte keine Position beziehen. So hätten sie sowohl das jüdische als auch das moslemische Leben sowie die Feiertage miterlebt. „In Jerusalem erlebt man das Leben ausgeprägt mit“.

Nach diesem Jahr hatte sie der Alltag in Deutschland wieder eingeholt. Da ihr Partner nach dem Studium die Probedienststelle in den Kirchengemeinden Clausthal und Hahnenklee antrat, wollte sie ihr zwei Jahre und vier Monate währendes Referendariat im nahen Umfeld antreten. So fragte die Landeskirche Hannover bei der Landeskirche Braunschweig nach, ob eine Kirchengemeinde eine Vikarin aufnehmen könnte. Pfarrer Thomas Waubke beantwortete diese Frage mit einem deutlichen Ja. Das Vorstellungsgespräch habe ihr deutlich gemacht, dass sie gerne hier ist. So sind jetzt zwei Landeskirchen unter einem Dach.

Doch bis zum zweiten Examen muss Louisa Frederking auch noch die Schulbank drücken, wofür sie rund 30 Wochen nach Loccum fahren wird. Außerdem wird die von März bis Juni 2020 im Rahmen der pädagogischen Ausbildung an einer Grundschule tätig sein. Sie wünscht sich, dass es die Grundschule der Gemeinde Bad Grund in Gittelde sein wird. Von diesen „Unterbrechungen“ abgesehen, wird sie aktiv in Badenhausen und Windhausen sein. Denn sie darf eigene Gottesdienste ausrichten, was sie bereits getan hat. Verschlossen bleiben ihr auch die Tauf- und Beerdigungsgottesdienste nicht.

Wenn die Referendarzeit abgelaufen ist, steht die zweite Prüfung an. Wohin die junge Pastorin dann gehen wird, weiß sie noch nicht. Fest steht allerdings, dass ihr Arbeitsplatz mit der Dienststelle ihres Freundes harmonieren muss.pb

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