Ausstellung über das Kommissbrot

Hanomag-Freunde aus Störy bereiten Ausstellung über 90 Jahre altes Fahrzeug vor

Klaus Thon, Peter Starke und Horst-Dieter Görg bereiten im Hanomag-Technik-Forum in Störy verschiedene Kommissbrot-Fahrzeuge, darunter auch ein Fahrgestell für die Präsentation auf dem Fließband, für die Ausstellung vor.

Störy/Sehnde. Mit einer Ausstellung in der ehemaligen Salzmühle im Hannoverschen Straßenbahn-Museum (HSM) in Sehnde-Wehmingen bei Hannover lassen die Hanomag-Freunde vom 12. August bis zum 7. Oktober 90 Jahre Kleinwagenbau in Hannover-Linden Revue passieren. Die „Chausseewanze“, wie der erste Personenwagen der Hanomag, das berühmte Kommissbrot, auch genannt wurde, hat bis heute nicht seine Kuriosität eingebüßt. Schon die äußere Form regt zum Schmunzeln an, der markante Ein-Zylinder-Motor unterstreicht die persönliche Note. Die Ausstellung, die von der Hanomag-Interessengemeinschaft und den Mobilen Welten vorbereitet wird, ist an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Ende 1924 auf der Automobilausstellung in Berlin vorgestellte Hanomag Typ 2/10 war der erste in Europa am Fließband produzierte Kleinwagen. Die Hanomag in Hannover hatte 1926, wie vorher bereits Citroen und Opel, die Fertigungsmethoden von Henry Ford in Amerika übernommen und damit eine für damalige Zeiten rationelle Herstellung auch in Europa ermöglicht.

Beim „kleinen Hanomag“, wie das Kommissbrot in werksseitigen Druckschriften angepriesen wurde, saß das Steuer – analog zum Kutscher – mangels einer Vorschrift in der Straßenverkehrsordnung noch auf der rechten Seite. Da ein elektrischer Anlasser fehlte, blieb nur der zwischen den beiden Sitzen liegende Handhebel, um den robusten, im Heck sitzenden Ein-Zylinder-Motor anzuwerfen. Die nahezu revolutionäre Ponton-Karosserie, Holzspeichenräder, das Zyklopenauge vorne und das dumpfe Motorengeräusch gaben dem Kommissbrot etwas unverwechselbares, auffälliges, das die Herzen der Menschen bewegte. So ist es bis heute geblieben. Die Konstrukteure dieses Kleinwagens, die Ingenieure Carl Pollich und Fidelius Böhler, waren schon 1926 in der Lage, den ersten deutschen Kleinwagen am Band zu fertigen.

Das kuriose Auto mauserte sich zum Verkaufsschlager und es wurden bis zur Produktionseinstellung 1928 insgesamt 15.775 Exemplare in Hannover-Linden gefertigt. Neben einem Cabriolet und einer Limousine mit nur einer Tür auf der Beifahrerseite gab es noch einen Roadster mit zwei Einstiegen. Zusätzlich wurden ein offenes Fahrzeug mit abnehmbarem, festen Verdeck, quasi einem Hardtop, sowie ein Werkstattwagen angeboten, ein Klein-Lkw folgte kurze Zeit später.

Noch heute sind rund 100 Fahrzeuge in Sammlerhand bekannt, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, denn das kleine Auto wurde von keiner Armee eingezogen oder stand anderweitig im Wege, sodass verhältnismäßig viele Einzelteile und komplette Autos überleben konnten.

Mit Hilfe der Lehrwerkstatt von Komatsu Hanomag in Hannover sowie einer Ausbildungswerkstatt im Berufsbildungszentrum Hildesheim (BBZ) gelang es vor einigen Jahren, einen 25 Meter langen Teil der Fließfertigung originalgetreu zu rekonstruieren. Dazu wurden zunächst nach einer Original-Vorlage fünf Fahrzeug-Rahmen aus U-Profilen originalgetreu zusammengenietet, anschließend ein über eine Kette per Handkurbel zu betätigendes Fließband neu erstellt. Auf diesem sind nun einzelne Fahrzeuge in unterschiedlichsten Produktionsstadien bis hin zum fertigen Kommissbrot zu sehen. Großfotos und alte Blechschilder sorgen für einen ansprechenden Hintergrund. In Vitrinen und auf Tafeln sind weitere Fotos, Modelle und Utensilien rund um diesen frühen Kleinwagen ausgestellt.

Zu sehen ist die Kommissbrot-Ausstellung vom 12. August bis zum 7. Oktober 2018 an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr im Hannoverschen Straßenbahn-Museum (HSM) in Sehnde-Wehmingen. Nähere Infos auch unter www.hanomag-museum.de.mv

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