Ein Neueinsteiger verblüfft die Kollegen

Piotr Bryja hat sich für den internationalen Bonsai-Wettbewerb in Toulouse qualifiziert

Piotr Bryja (links) startet im nächsten Jahr beim europäischen New Talent Contest in Toulouse. Sein Arbeitskreiskollege Bernd Schökel, mit dem immer wieder Neuigkeiten ausgetauscht werden, drückt ihm fest die Daumen.

Bockenem. Die Bockenemer Bonsaifreunde haben einen echten Champion in ihren Reihen. Piotr Bryja wird die Farben der Stadt im kommenden Jahr auf internationaler Ebene beim New Talent Contest (NTC) in Toulouse vertreten. Schon jetzt fiebert der 38-Jährige dem Ausflug nach Frankreich entgegen. Der im Jahr 2005 gegründete Bonsai Arbeitskreis ist schon ein wenig stolz darauf, dass sich einer aus den eigenen Reihen für den Wettbewerb qualifiziert hat.

Dabei ist Piotr Bryja noch gar nicht so lange dabei. Erst vor drei Jahren entflammte bei ihm die Lust, sich intensiv mit der alten fernöstlichen Gartenkunst zu beschäftigen. „Das ist schon sehr beachtlich, solch einen Erfolg in der kurzen Zeit zu verbuchen“, erklärt sein Arbeitskreiskollege, Bernd Schökel. Manch einer, der seit Jahrzehnten dabei ist, hätte bis heute die Qualifikation nicht geschafft. „Und außerdem muss man sich auch erst mal trauen, bei der starken Konkurrenz eine Anmeldung abzuschicken“, ergänzt der Experte.

Ein wenig Glück spielte bei Piotr Bryja schon hinein, dass er nach Frankreich fahren darf. Eigentlich hat er beim nationalen Wettbewerb in Augsburg den 2. Platz belegt. Doch der Sieger verzichtete aus persönlichen Gründen auf die Teilnahme an der europäischen Ausscheidung. Nun ist Piotr Bryja am Start. „Es freut mich natürlich, dabei sein zu können“, sagt der Hannoveraner, der sich bei den Bonsaifreunden im Ambergau sehr wohl fühlt. Er war einige Zeit auf der Suche nach einer Gruppe. In der Landeshauptstadt kam aber kein Kontakt zustande. So fand er am Ende über das Internet und nach einigen Telefonaten den Weg in den Ambergau.

Der 38-Jährige wird außerdem bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb der Europäischen Bonsai Association (EBA) mit einem Gratis-Workshop des Bonsai-Clubs Deutschland unterstützt. In Toulouse ist die Konkurrenz groß. Anwärter auf den Titel kommen aus Spanien und Italien. Am Ende haben alle aber die gleichen Voraussetzungen. Sie erhalten vom Veranstalter ein Bäumchen. „Dazu muss sich jeder etwas einfallen lassen“, berichtet der gebürtige Pole. Eine internationale Jury übernimmt anschließend die Prämierung. „Wir drücken Piotr alle Daumen“, sagt Bernd Schökel.

Der Hannoveraner hat zu Hause viel Spaß – und auch Arbeit – mit seinen 20 Bonsaipflanzen. Aber was treibt ihn jeden Tag dazu, sich um die Bäumchen zu kümmern? „Es ist ein Ausgleich zum Stress bei meiner Arbeit. Da finde ich Ruhe und Ausgleich“, berichtet der Bonsaifreund, dessen Frau ebenfalls Gefallen an dem Hobby gefunden hat. In früheren Zeiten hat er sich fast nie mit Pflanzen befasst. So war die Bonsai-Welt für ihn sehr anspruchsvoll, weil er viele Dinge von Anfang an neu erlernen musste. „Doch ich habe auf meinem Weg dorthin viele erfahrene Enthusiasten getroffen und konnte mich so jeden Monat etwas weiter entwickeln“, blickt Piotr zurück. Besonders hoch im Kurs stehen bei ihm Wacholder und Kiefern.

„Die sind sehr schön anzusehen. Es sind auch einige Laubbäume dabei, der Farbe wegen“, so der 38-Jährige. Der Platz für seine „Schätze“ ist sehr knapp. „Ich habe nur einen Balkon, der heizt schnell auf. Da ist es bei der Auswahl besonders wichtig, dass die Pflanzen die Wärme gut vertragen können“, erläutert Piotr Bryja.

Zum Bonsai Arbeitskreis gehören derzeit sieben Mitglieder. Höhepunkt eines jeden Jahres ist die Ausstellung im Bockenemer Gemeindehaus. Dort waren zuletzt 60 Pflanzen zu bestaunen. „Mit dem Besuch sind wir sehr zufrieden“, blickt Bernd Schökel zurück. Alle Mitstreiter hätten seit April mit der enormen Hitze und Trockenheit zu kämpfen gehabt. „Da heißt es, je nach Art jeden Tag zu gießen. Schatten ist ebenfalls besonders wichtig, sonst hat man am Ende das schönste Trockengesteck“, erklärt der Experte.mv

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