„Gut, dass auch in die Menschen investiert wird“

Toyoda Gosei Meteor hat ein Qualifizierungsprogramm begonnen, durch das ein Teil der Produktion in Bockenem gehalten werden soll

Für solche Extruderschnecken werden 100 Mitarbeiter bei Toyoda Gosei Meteor umqualifiziert. Zwei der Qualifzierten warten gerade eine solche, während der Betriebsratsvorsitzende Olaf Reipert (links) mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal diskutiert.

Bockenem. Weiterbildung und (Um-)Qualifizierung ist seit vielen Jahren landauf landab ein großes Thema. Arbeitsplätze in der Industrieproduktion werden in Länder mit niedrigeren Löhnen verlegt. Das hat in den vergangenen Jahren auch das Bockenemer Unternehmen Toyoda Gosei Meteor getroffen. Von einstmals 1.800 Mitarbeitern am Standort, waren zwischenzeitlich während der langen Phase der Insolvenz gerade einmal rund 800 übriggeblieben. Inzwischen hat sich dies zwar wieder gewandelt, derzeit sind wieder rund 1.200 Mitarbeiter beschäftigt. Doch klar ist, dass die kostenintensive Produktion auch in Zukunft immer weiter an andere Standorte von Toyoda verlagert wird. Um zumindest einen Teil der Produktion weiterhin in Bockenem zu behalten, findet derzeit ein größeres Qualifizierungsprogramm statt.

Im Kern geht es darum, Mitarbeiter aus Bereichen, die mittelfristig von einer Verlagerung betroffen wären, umzuqualifizieren. Diese sollen dann in der Extrusion eingesetzt werden, einem Produktionsbereich, der von der Verlagerung nicht betroffen sein wird. In den Extruderschnecken wird der Rohstoff im Wesentlichen unter Druck kontinuierlich aus einer formgebenden Öffnung herausgepresst. Dazu ist die Meteor eine Kooperation mit der Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit eingegangen. In einem ersten Schritt, sind seit November 15 Mitarbeiter qualifiziert worden, 14 weitere haben gerade begonnen.

Am Ende sollen es 100 sein. „Es ist gut, dass nicht nur in Maschinen, sondern auch in Personen investiert wird“, sagte der Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal (SPD), der gestern zwei Stunden zu Gast war und sich über das Programm informierte. Das Unternehmen, so bestätigte auch der neue Betriebsratsvorsitzende Olaf Reipert, gibt trotz staatlicher Förderung viel Geld für die Maßnahme aus. „Besonders interessant ist, dass das Programm speziell für ältere Mitarbeiter ausgelegt ist, aber keine Altersbegrenzung hat. Jeder kann daran teilnehmen“, so Reipert.

Ein weiteres wichtiges Thema im Gespräch mit Bernd Westphal waren die Absichten des Unternehmens, künftig mehr in Automatisierung und Digitalisierung zu investieren. Seitens Toyoda Gosei Meteor wurde die Notwendigkeit der Unterstützung durch die Politik, insbesondere in strukturschwachen Regionen, angesprochen. Entscheidend für den Erfolg sei, so Katsumi Saito, einer der beiden Geschäftsführer, „dass nicht nur kleine Unternehmen bei dem Strukturwandel unterstützt werden, sondern auch Unternehmen wie Toyoda Gosei Meteor.“ Mittelfristig will die Toyoda Gosei Meteor GmbH im Bereich Technische Produkte wachsen und die Produktion dort ausbauen. Damit würde die Abhängigkeit von den Automobilbauern verringert werden. Immerhin 15 Prozent des Umsatzes generiert schon heute der Produktionsteil außerhalb des Bereichs Automotive.

Westphal nahm sehr positive Eindrücke aus dem Unternehmen mit: „Es hat sich gut entwickelt. Als ich zuletzt hier war, sah es noch ganz anders aus. Die Stimmung bei den Mitarbeitern war positiv. Insbesondere bei denjenigen, die gerade aus der Weiterbildung kommen.“ Aus dem Betriebsrat war allerdings auch die ein oder andere kritische Stimme zu hören. „Der Preisdruck von den großen Autokonzernen wird immer größer. Bei VW bekommen sie eine Jahresprämie von 4.000 Euro, die Lohnschere geht immer weiter auseinander“, so ein Mitglied. Auch ein anderer sieht eher mit Sorge und Unbehagen in die Zukunft.

Westphal meinte, dass das Problem des Preisdrucks bekannt sei. Allerdings könne die Politik da wenig tun. Er gab den Tipp, dass sich die Zulieferer zusammentun und gemeinsam dagegen vorgehen sollten. „Nur organisiert ist da etwas zu erreichen.“ Insgesamt rate er jedoch dazu, keine Angst zu haben. Betriebsrat und Gewerkschaft könnten sich beispielsweise als Erfolg an die Jacke heften, dass die Zahl der Leiharbeiter deutlich verringert worden sei. Die Vereinbarung sieht vor, dass maximal zehn Prozent der Mitarbeiter Leihverträge erhalten. Derzeit sind es rund 100 Leih- und noch einmal so viele Zeitarbeiter. „Wir haben sehr dafür gekämpft und es war ein steiniger Weg“, bestätigte Olaf Reipert.  Am Ende habe aber die Einsicht in der Geschäftsführung überwiegt. Das Miteinander sei inzwischen sehr gut.

Nun, so Reipert, ist es wichtig, die Ausbildung und Umqualifizierung zu intensivieren. Denn das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt mit 47 Jahren sehr hoch. „In den nächsten Jahren gehen viele Arbeiter in den Ruhestand. Wir müssen intern ausbilden, um das Knowhow im Unternehmen zu behalten. Wir hoffen, dass es nicht zu spät ist.“ Auch Auszubildende werden selbst für dieses Jahr noch gesucht.

Die bereits qualifizierten Arbeitskräfte sind von den Projekt jedenfalls begeistert. Auch wenn es eine Herausforderung sei, „dass ist eine ganz tolle Geschichte!“dh

Bockenem

Beim Musikprojekt für Kinder sind auch die Senioren gerne dabei