„Hätte nicht gedacht, noch einmal Angst vor einem Krieg haben zu müssen"

Nachdenkliche Worte von Pastor Ralph-Thomas Strack zum Volkstrauertag

Verbände und Ortsrat legten ihre Gedenkkränze ab.

Bockenem. „Es fällt mir schwer, so optimistisch zu sein“, begann Bockenems Pastor Ralph-Thomas Strack seine Ansprache zur Gedenkfeier des Volkstrauertages in Bockenem und wurde deutlich nachdenklicher als zuvor Ortsbürgermeisterin Christina Philipps. Er begründete dies damit, dass die NATO beklagt hätte, dass die Infrastruktur für schweres militärisches Gerät nicht mehr ausreichend sei: „Wer sich über so etwas Gedanken macht, der rüstet für den Krieg.“

Strack stellte die Frage, warum es den Völkern so schwer falle, in Frieden zu leben und gab als Antwort die unterschiedlichen Interessen. Russland habe andere Interessen als die EU, die Katalanen andere als der Rest Spaniens, Bayern andere als Niedersachsen. Wenn es dann um die Verteilung begrenzter Ressourcen gehe, gehe es um Macht. Auch die Einrichtung von Völkerbund und der UN habe nur einen begrenzten Erfolg gehabt, denn diese „sprechen den Verstand, nicht aber das Gefühl an.“

Er habe schon von mehreren Bockenemern gehört, die nicht rechtsradikal oder rassistisch seien, dass sie ein ungutes Gefühl hätten über den Buchholzmarkt zu gehen, weil sie dort nur Ausländer und keine Deutschen mehr sähen. „Man kann diesen sagen, ‘Ihr müsst das nicht denken’ oder sogar ‘Ihr sollt das nicht denken’, aber ändern tut man das Gefühlte damit nicht.“ Es werde sogar noch stärker und schlage irgendwann in Hass und Gewalt um. „Die Politik im Großen wie im Kleinen muss sich diesen Gefühlen widmen. Wenn sie das nicht tut, wird der nächste Krieg so sicher kommen wie das Amen in der Kirche.“

Er schloss die Ansprache mit den Worten: „Ich hätte nicht gedacht, diese Angst noch einmal haben zu müssen.“ Bockenems Ortsbürgermeisterin hatte zuvor den Volkstrauertag als wichtigen Tag gegen das Vergessen bezeichnet. Auch jetzt, in seinem 65. Jahr dürfe er nicht „in Rente“ geschickt werden. Tod und Verletzung verändern alles und hinterlassen viele Narben. Nach der Nachkriegsgesellschaft sei eine Wohlstandsgesellschaft entstanden. In dieser werde es immer unruhiger, bedingt durch die vielen negativen Nachrichten und Schlagzeilen, die von allen Seiten einströmten. „Wir müssen achtsam sein auf unsere Arbeitsplätze, die Politik und die Mitmenschen. Wenn wir das nicht sind, wird es gefährlich.“

Nach den beiden Ansprachen ging es vor die Kirche, wo Vertreter von Feuerwehr, Schützenverein, DRK, Reservisten und dem Ortsrat unter den Klängen des „Guten Kameraden“, gespielt vom Bockenemer Musikzug, die Kränze aufhingen.dh

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