Historische Verpflichtung übernommen

Oberschule Bockenem bekommt die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verliehen

Die Oberschule Bockenem nahm gestern von Thorsten Börker (links, Landesschulbehörde) die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ entgegen. Als Pate stand Salomon Perel (vorne, 2. von links) bereit, der als „Hitlerjunge Salomon“ bekannt wurde und nun zum vierten Mal in Bockenem zu Gast war.

Bockenem. „Mit dieser Auszeichnung habt ihr eine historische Verpflichtung übernommen. Ihr habt die Verpflichtung, für Humanismus, Frieden, Gleichheit, Toleranz und Respekt einzutreten. Denn diese Werte sind grundlegend für eine aufgeklärte Gesellschaft. Es ist mir eine große Freude und Ehre, dafür Pate zu stehen.“ Gewichtige Worte, die Ehrengast Salomon „Sally“ Perel am gestrigen Donnerstag vor der versammelten Schüler- und Lehrerschaft der Oberschule Bockenem sprach. Und zugleich ein Auftrag, für das Motto „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ einzutreten.

Denn seit gestern ist die Schule Teil des Netzwerkes aus deutschlandweit rund 2.500 Schulen mit zirka 1,5 Millionen Schülern. Verliehen wurde der Titel offiziell von Thorsten Börker von der Landesschulbehörde. Das Schild wird künftig am Eingang hängen und soll zugleich ein Statement sein, wie Schulleiter Sven Telake ausdrückt: „Wir sind und bleiben eine rassismusfreie Schule!“ Er selbst sei der Meinung, dass die Oberschule diese Auszeichnung schon lange verdient hat. Er selbst habe es in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit nie erlebt, dass ein Streit unter den rund 470 Schülern etwas mit Rassismus zu tun gehabt hätte: „Reibereien gibt es immer mal. Aber erst durch eure Toleranz ist das möglich geworden. Das finde ich gut.“ Die Idee für die „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hatte die Lehrerin Nina Vorlob.

Doch das allein reicht noch nicht für die Auszeichnung. Eine Bedingung ist, dass mindestens 70 Prozent der Schüler eine Selbstverpflichtung unterzeichnen müssen, in der sie sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Gewalt einsetzen und aktiv dagegen vorgehen, wenn sie so etwas an der Schule erkennen. Außerdem muss mindestens einmal im Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchgeführt werden. Auch ein Pate wird für den Titel benötigt. Mit Salomon Perel haben die Bockenemer einen ganz Besonderen gefunden. Nämlich einen, der die Gräuel der Nazizeit noch selbst erlebt hat – als jüdischer Hitlerjunge. Mit seiner Geschichte geht der in Peine geborene, inzwischen 93-Jährige und in Israel lebende Perel seit vielen Jahren auf mehrwöchige Lesereisen durch Deutschland. In Bockenem machte er nun zum vierten Mal Station und verband die Patenschaft natürlich auch mit seinem Vortrag (mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben).

Schuldezernent Börker lobte die Oberschule für ihre vielfältigen Aktivitäten gegen Rassismus wie die alljährigen Auschwitzfahrten, die Lesungen Perels, die gute Integration von jugendlichen Flüchtlingen, die Aufarbeitung der Nazizeit im Unterricht oder die Medienscout-AG. „Ihr sagt ‘Nein’ zu Ausgrenzung. Das ist auch notwendig, weil diese wieder bis weit in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen ist.“

Zum Abschluss der kleinen Feierstunde sang die gesamte Schulgemeinde das Lied „Imagine“ von John Lennon. Passend zu den letzten Worten der Ansprache Sally Perels, der den Jugendlichen Mut zusprach, zum Vorbild zu werden und von einer anderen Welt ohne Hass und Gewalt zu träumen.dh

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