In der Schule wird diesmal auch in den Ferien gelernt

Knapp 40 Ukrainer lernen in der Grundschule Bornum die deutsche Grundkommunikation

Eine knapp 40-köpfige Gruppe ukrainischer Flüchtlinge lernt noch bis morgen Deutsch, um sich zumindest in den Grundlagen der Sprache verständigen zu können.

Bockenem. Die deutsche Sprache hat schon so einige Tücken. Nicht nur Ausländer tun sich beim Erlernen manchmal schwer. Alleine ist es natürlich noch schwerer. Rund 40 ukrainische Flüchtlinge gehen daher nun in die Schule und das sogar wortwörtlich. Denn während der Osterferien erlernen sie an neun Tagen in der Grundschule Bornum einige Grundlagen, um sich hier verständigen zu können. Alles privat organisiert und mit ehrenamtlicher Unterstützung von aktuellen und pensionierten Lehrern.

Die meisten Kinder und Jugendlichen sind vor den Ferien ein bis zwei Wochen in den Schulen gewesen. Um das bis dahin Erlernte nicht direkt wieder zu vergessen, war Ellen Gaus der Meinung, es müsste direkt weitergehn. „Ich hatte ursprünglich die Idee, dass wir im Gemeindehaus bei uns in Mahlum solch einen Kurs anbieten. Über die Kinder kam der Kontakt zur Grundschule Bornum zustande und von dort hieß es ‘Während der Ferien steht die auch leer’“, erzählt Mahlums Ortsbürgermeisterin. Aufgrund der Aktivitäten von Familie Ketzke ist Mahlum so etwas wie das „Epizentrum“ der Bockenemer Ukraine-Hilfe und Gaus mischt dabei kräftig mit. Nach Rücksprache mit der Stadt war klar, dass die Räumlichkeiten in Bornum genutzt werden können. Dann galt es auszusuchen, wer alles teilnehmen kann und möchte.

Klar war, alle Schüler sind dabei. Derzeit sind dies vier Kinder in der Grundschule Bockenem, fünf in Bornum und 15 an der Oberschule. Von den Eltern konnten rund ein Dutzend ausgewählt werden – denn zu groß durften die Kurse auch nicht werden. Insgesamt werden drei angeboten, für die Grundschulkinder, die Jugendlichen aus der Oberschule und die Erwachsenen. Geleitet werden diese von Lehrern der Grundschule Bornum, der Oberschule in Bockenem und pensionierten Pädagogen. Jeweils fünf bis sechs Lehrkräfte sind pro Tag anwesend, sodass pro Kurs möglichst zwei Lehrer anwesend sind. Aus Bornum nimmt das gesamte 15-köpfige Kollegium an mindestens einem Tag teil. Los geht es morgens übrigens immer mit einem Corona-Test. Die Bockenemer gehen direkt dort ins Testzentrum, die anderen bekommen Selbsttests zur Verfügung gestellt.

Eine Lehrkraft ist Eva Lignow, die viel Spaß dabei hat, den Erwachsenen, 14 Frauen und ein Mann, die Grundkommunikation beizubringen. Körperteile, Arztbesuch oder einkaufen stehen auch auf dem Stundenplan. Jeder der drei Kurse hat dabei unterschiedliche Schwerpunkte. Bei den Kindern und Jugendlichen geht es zum Beispiel auch um Begriffe aus der Schule. „Ich hatte etwas Angst, dass sie unsere Schrift nicht lesen können“, so Lignow. Doch, so erklärt Ellen Gaus, da die Ukrainer in der Regel von der 1. Klasse an eine Fremdsprache wie zum Beispiel englisch lernen, können sie auch die deutschen Buchstaben lesen. Im Zweifel gibt es diverse Übersetzungs-Apps. „Ich habe mir inzwischen auch solch eine auf mein Handy geladen“, berichtet Lignow.
Sie möchte auch ein dickes Lob für Ellen Gaus loswerden, die sich zum größten Teil um die Organisation gekümmert hat. Und da geht es nicht nur um die Absprachen, welcher Lehrer wann da ist. Auch die Fahrdienste aus den Dörfern nach Bornum müssen neun Tage lang geklärt werden. Für die Pause steht immer etwas zu essen bereit, alles von verschiedenen Leuten gespendet oder über Geldspenden eingekauft und in der Schul-Cafeteria aufgebaut.

Natürlich ist der täglich gut zweistündige Unterricht auch eine Möglichkeit der Ablenkung und des Kennenlernens, ebenso wie die freitägliche Friedensandacht in der Mahlumer Kirche. „Schule als Ort der Begegnung“, nennt es Leiterin Madita Zahn, die schon stolz darauf ist, dass sich ihr gesamtes Kollegium bereiterklärt hat, mindestens tageweise ehrenamtlich mitzuhelfen. Die Schule nimmt übrigens auch weiterhin Spenden an. Gepackte Kisten werden über die Hildesheimer Tschernobylhilfe in die Ukraine geschickt. Einkaufsgutscheine werden direkt an die hier ansässigen Familien aufgeteilt. „Wir nehmen weiterhin Spenden an“, teilt die Schulleiterin mit.

Und vielleicht geht es auch mit den Deutschkursen nach den Ferien weiter. Eva Lignow hat bereits spontan angeboten, künftig auch an den Wochenenden weiter zu lehren. Ob das klappt, muss jedoch erst noch weiter besprochen werden.dh

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