Ist der Volkstrauertag noch zeitgemäß?

Auch in Bockenem wurde gestern den Opfern von Kriegen und Gewalt gedacht

Bockenem. Schon nach dem 1. Weltkrieg wurde der Volkstrauertag erstmals eingeführt, nach der Nazizeit wird er seit 1952 wieder begangen. Auch wenn die beiden Weltkriege seit Langem vorbei sind, gibt es trotzdem immer Grund zum Trauern, sagte Ortsbürgermeisterin Christina Philipps bei der Gedenkfeier am gestrigen Sonntag: „Wir gedenken heute allen Opfern von Kriegen und Gewalt.“ Gerade heute, in einer rauer werdenden Zeit sollten die Menschen schon im Kleinen wachsam sein. Das, was heute an Gewalt geschehe, sei nicht weit weg, sondern betreffe auch immer die Bevölkerung im Lokalen. Sie hoffe, dass die heutigen Kinder in Frieden aufwachsen können und wünsche allen eine friedvolle Zukunft.

Der Wunsch sei berechtigt, meinte dazu Pastor Ralph-Thomas Strack, der betonte, als Bürger zu sprechen. Allerdings sei er skeptisch, ob er auch realistisch sei. Anschließend ging er in seiner Ansprache darauf ein, dass viele Menschen den Volkstrauertag aus verschiedenen Gründen in Frage stellen würden. Das fange schon beim Namen an. Viele hätten Angst, dass aus dem „Volk“ ein „völkisch“ werde: „Die Angst hat seine Berechtigung, aber wir sind trotzdem ein Volk. Daran ändert sich nichts, auch wenn man es nicht ausspricht.“ Dass inzwischen immer öfter Ehrenmale zu Friedensmalen werden, sei auch nicht im ursprünglichen Sinne des Tages. Genausowenig, dass nun allen Gruppen von (Gewalt-) Opfern gedacht werden. „Wird zu vielen Menschen gedacht, dann wird niemandem mehr wirklich gedacht“, so Strack.

Er spannte den Bogen anschließend dahin, dass auch heute noch Soldatinnen und Soldaten gebraucht würden. „Die NATO hat in diesem Jahr ihr größtes Manöver seit dem 2. Weltkrieg durchgeführt. Das macht sie nicht zum Spaß oder damit die Fahrzeuge mal wieder bewegt werden. Wenn wir von ihnen erwarten, dass sie ihren Dienst tun und im Zweifel unsere Freiheit verteidigen, dann dürfen wir ihnen den Respekt und die Ehrung nicht versagen.“

Nach einem Liedvortrag von Hanna Feuerhahn (Sag mir, wo die Blumen sind), ging es vor die Kirche. Dort wurden unter musikalischer Begleitung einer Abordnung des Bockenemer Musikzug die Ehrenkränze niedergelegt. Nach dem Singen der Nationalhymne lud Ortsbürgermeisterin Philipps die anwesenden Vereinsvertreter noch zu einem kleinen Umtrunk in das Gasthaus Kolle ein.dh

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