Kommt der Schienenpersonenverkehr zurück nach Bockenem?

Reaktivierung der Bahnstrecke Bornum-Bockenem-Derneburg: Rat nimmt Antrag der CDU-Fraktion an

Ein zu bildender Arbeitskreis soll die Grundlage für eine Wiederaufnahme des Schienenpersonenverkehrs auf der Strecke Bornum-Bockenem-Derneburg erarbeiten. Dann würden auch wieder Züge über den ehemaligen Bockenemer Bahnhof fahren.

Bockenem. Bei nur einer Gegenstimme nahm der Rat der Stadt am Montag den am 9. September gestellten Antrag der CDU-Fraktion an, welcher das Ziel verfolgt, die Bahnstrecke Bornum-Bockenem-Derneburg für den Personenschienenverkehr wieder zu reaktivieren. Im Mobilitätsverhalten der Bevölkerung seien in Zukunft Veränderungen zu erwarten, hatte Fraktionsvorsitzender Ralf Marten den Antrag begründet. Die Inbetriebnahme des regulären Personenverkehrs auf dieser Strecke sei grundsätzlich neu zu bewerten, und das vor allem auch vor dem Hintergrund der laufenden Klimadiskussion.

Die Stilllegung sei eine Fehlentscheidung für die Region gewesen. Eine bahntechnische Reaktivierung würde die Attraktivität des ländlichen Raumes erheblich verbessern, der einen wesentlichen Teil seiner Infrastruktur verloren habe. Der ehemals Braunschweiger Ambergau sei immer noch schlecht angebunden. Die Fahrtzeiten nach Hildesheim oder Seesen hätten sich durch die Umsteigen verlängert.

Der finanzielle Aufwand für eine Wiederinbetriebnahme wäre aufgrund der noch vorhandenen bahntechnischen Strukturen überschaubar. Vor allem aber würde eine Bahnanbindung für den Personenverkehr die Vielzahl von Bustaktungen und noch mehr Autofahrten reduzieren, was einen erheblichen Einfluss auf die klimatechnischen Folgen hätte.

Der Antrag der CDU verstehe sich als „Auftaktgrundlage für eine detaillierte Betrachtung“. Erforderlich wäre die Feststellung der verkehrlichen Ist-Situation, die Prüfung des technischen Zustands der Strecke, die Ermittlung der möglichen Unterstützer, die Abschätzung des Nutzungsgrades einer Wiederinbetriebnahme durch die Zahl der potentiellen Nutzer, die Schülerbeförderung gegebenenfalls eingeschlossen, weiter genehmigungstechnische und rechtliche Grundlagen und die Frage nach potentiellen Bahndienstanbietern.

Die aktuelle Klimadiskussion biete eine günstige Voraussetzung, all diese Punkte mit dem Ziel zu untersuchen, ein ausgearbeitetes Konzept zu erstellen, an das sich eine Resolution anschließen könnte. Dieserhalb sollte ein Arbeitskreis gegründet werden, dem sich auch interessierte Bürger anschließen könnten. Die Federführung, so die kurze Aussprache zu diesem Antrag im Rat, könnte der Finanzausschuss übernehmen.

„Angesichts der Umweltdiskussion sollten wir das auf jeden Fall versuchen“, unterstützte die Stadtentwicklungsausschussvorsitzende Christina Philipps das Vorhaben, und auch Bürgermeister Rainer Block pflichtete ihr bei. Die einzige Gegenstimme kam dann lediglich von Peter Dreymann (UWG). Er protestierte damit gegen den Sachverhalt, dass ein ähnlicher Antrag der UWG aus dem Jahre 2017 damals nicht angemessen verfolgt worden war, zumal er offensichtlich derzeit auch keinerlei reale Chance für eine Wiederaufnahme der Strecke sieht.

Die Einstellung des Personenschienenverkehrs war 1990 erfolgt. Der letzte Zug – ein Dieseltriebwagen mit angehängtem Personenwaggon – hatte den Bockenemer Bahnhof am 25. Mai 1990 mittags passiert. Der Grund für die Aufhebung des Verkehrs war die fehlende Wirtschaftlichkeit, und die hatte es bereits wenige Jahre nach der 1889 erfolgten Fertigstellung der Gesamtstrecke zwischen Derneburg und Seesen gegeben. Die Inanspruchnahme sei so gering, dass man keinen Gewinn erziele, hieß es schon damals. Lediglich in den dreißiger, fünfziger und sechziger Jahren lohnte sich die Strecke.

Die unter den konkreten Bedingungen nicht vermeidbare Aufhebung erfolgte schrittweise: 1970 die Aufhebung der Bockenemer Stückgutstelle, nachdem das Aufkommen unter acht Tonnen pro Tag gefallen war und danach auch das angedachte Gleis in das Industriegebiet Nord nicht zum Tragen kam, 1976 die Aufhebung der Gepäck-Expressgutstellen in Bockenem, Bornum, Rhüden und Bornhausen, 1982 die Einstellung des Zugverkehrs an Wochenenden und Feiertagen zusammen mit einer Reduzierung des Verkehrs an Werktagen, und 1983 die Aufhebung der Haltestellen Wohldenberg, Nienhagen und Schlewecke.

Proteste und Eingaben der Stadt Bockenem halfen nichts. Die endgültige Einstellung im Jahre 1990 ließ sich nicht abwenden. Der genaue Verlauf der Vorgänge und Zusammenhänge kann auf den Seiten 226 bis 235 in dem 1997 von Manfred Klaube verfassten Buch „Bockenem und der Ambergau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ nachgelesen werden, davor auf den Seiten 219 bis 225 der Verlauf der Buchholzmarktsanierung in den Jahren 1979 bis 1981.mk

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