Mehr Motorräder als Einwohner

16. MoGo lockt rund 130 Biker nach Werder / Keine Polizei mehr?

Das traditionelle, aus Motorradhelmen gelegte Kreuz, soll an die im vergangenen Jahr gestorbenen Biker erinnern.

Werder. Wenn in Werder mehr Motorräder als Einwohner sind, dann wissen die Werderaner, was los ist – Motorradgottesdienst. Bereits zum 16. Mal fand dieser nun in der Johannes-Kapelle statt und das wie üblich unter dem Motto „Miteinander statt gegeneinander“. Zumindest während der anschließenden Ausfahrt klappt das immer sehr gut. „In den bisherigen 15 Jahren ist noch nie etwas passiert“, sagte Gabriele Heinrich vom Orgateam. Die Veranstaltung, die inzwischen schon eine Art Dorffest geworden ist, findet immer am Pfingstsonnabend statt.

Nun war es also wieder soweit. Ein fester Stamm von 15 Helfern hatte alles vorbereitet. Doch letztlich ist (fast) das ganze Dorf mit dabei, backt beispielsweise Kuchen oder hilft beim Auf- und Abbau. Denn der „MoGo“ ist mehr als Gottesdienst und Ausfahrt. Das Orgateam stellt in jedem Jahr eine große Tombola auf die Beine, organisiert Kaffee, Kuchen und Gegrilltes. In diesem Jahr gab es für die Kinder auch eine Hüpfburg. Das ganze für einen guten Zweck, denn wie auch in den vergangenen Jahren gab es für einen Kindergarten im Stadtgebiet 900 Euro. Diesmal waren die Weinbergschnecken aus Nette an der Reihe. „Das kommt uns sehr gelegen“, sagte Leiterin Jutta Gerdon. Möglicherweise wird davon ein Pavillon für den Außenbereich angeschafft. „Der letzte ist bei einem Sturm kaputtgegangen.“ Als Dank hatten die Kinder ein Bild gebastelt, den es im Austausch für den Scheck während des Gottesdienstes gab.

Pfarrein Anne-Lisa Hein verglich in ihrer Predigt das Leben mit dem Motorradfahren: „Mal gibt es gute Wege, auf denen man schnell vorankommt und dann gibt es Wege, auf denen man Abbremsen muss.“ Sie selbst sei keine Motorradfahrerin, war aber kürzlich in Afrika mit einem Quad unterwegs. „Da bin ich im Sand auch schon einmal ins Rutschen gekommen und war froh, als die Räder wieder gegriffen haben.“ Ähnlich sei es auch im Leben. Wer einmal aus dem Sattel geflogen ist, braucht Mut, um wieder aufzusteigen. Damit hatte sie den Bogen zu Pfingsten geschlagen. Denn auch die Apostel waren nach Jesu Tod sehr betrübt und mutlos, bis sie an Pfingsten den Heiligen Geist empfingen und anschließend das Wort Jesu verbreiteten.

Rund 120 Kilometer war die dem Gottesdienst anschließende Ausfahrt lang. Von Werder aus ging es über Lamspringe, Bad Gandersheim nach Gittelde, wo es eine Pause gab. Anschließend fuhr der 140 Motorräder starke Tross weiter über Bad Grund nach Lautenthal, Seesen und Jerze zurück zum Ausgangspunkt. Mit dabei sind Fahrer der ersten Stunde, aber auch immer wieder „Neulinge“ – teils bereits mit den Kindern die nächste Generation. Pfarrerin Hein, im vergangenen Jahr noch im Beiwagen mit dabei, diesmal allerdings nicht: Sie musste sich auf die Konfirmation am Pfingstsonntag in Schlewecke vorbereiten.

Vorweg fuhren, wie in den vergangenen 15 Jahren zwei Polizisten, die für die Absperrung zum Beispiel von Kreuzungen sorgten. Ob das auch im kommenden Jahr noch so sein wird, ist ungewiss. Gabriele Heinrich: „Wir mussten schon in diesem Jahr darum kämpfen, im nächsten Jahr wird das nicht mehr genehmigt. Die beiden Polizisten machen das nur ehrenamtlich. Das ist schon schade, bei Fußballspielen sind Hundertschaften im Einsatz und die Vereine verdienen Geld damit. Wir machen das ehrenamtlich, spenden den Gewinn und da soll das nicht mehr möglich sein.“dh

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