Paukenschlag

Meteor wieder in neuen Händen

Zwei deutsche Unternehmen kaufen Meteor vom japanischen Automobil-Zulieferer Toyoda Gosei

Überrascht, aber nicht unzufrieden kam die Belegschaft der Meteor am Freitagnachmittag aus der Betriebsversammlung.

Bockenem. Das war am Freitagnachmittag ein echter Paukenschlag: Bockenems größtes Unternehmen hat künftig wieder einen neuen Besitzer. Der Münchener Finanzinvestor Aequita und die Firma Prettl, ebenfalls ein Automobil- und Industriezulieferer, übernehmen die Meteor von der japanischen Toyoda Gosei.

Entsprechende Verträge wurden unterzeichnet und sollen Ende Dezember oder Anfang Januar 2020 in Kraft treten. Die neuen Inhaber übernehmen alle Arbeitskräfte in den deutschen Werken (in Bockenem sind es gut 1.100, in Worbis rund 70, hinzu kommen noch fast 200 Leiharbeiter) sowie das us-amerikanische Partnerunternehmen Meteor Sealing Systems LLC (MSS) im Bundesstaat Ohio (rund 350 Arbeitskräfte). Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Toyoda Gosei hatte Meteor 2014 nach einem langen Insolvenzverfahren gekauft. Die Japaner wollten Zugang zu den deutschen und europäischen Märkten bekommen. Doch richtig rund lief es nicht. Zwar kamen neue Aufträge und die Zahl der Arbeitskräfte in Bockenem stieg nach einem großen Schrumpfkurs während der Insolvenz sogar wieder an. Doch einer der entscheidenden Gründe für den Verkauf waren die weiter auflaufenden Verluste. Rund 65 Millionen Euro sollen es laut einem Bericht der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung zwischen 2014 und Mitte 2019 gewesen sein. Auf Dauer wollte Toyoda Gosei wohl nichts mehr zuschießen. Als weiteren wesentlichen Grund für den Verkauf von Meteor nannte Naoki Miyazaki, Präsident von Toyoda Gosei, in einer Pressemitteilung, dass das Unternehmen seine Strategie angepasst habe und seine Aktivitäten künftig auf wachsende Märkte in Japan und Nordamerika konzentrieren werde.

Trotz der Probleme gab es mehrere Interessenten für die Meteor. Aequita und Prettl traten gemeinsam im Investorenprozess auf und setzten sich aufgrund des besten Gesamtkonzeptes gegen verschiedene namhafte Mitbewerber durch, heißt es. „Mit Investoren, die sowohl in Turnaroundsituationen als auch in der Automobilzulieferindustrie erfahren sind, hat Meteor neue Eigentümer, die aufgrund ihrer Expertise die richtigen Partner sind, um die Meteor-Gruppe in eine nachhaltig gute Zukunft zu führen,“ sagt Naoki Miyazaki, Präsident von Toyoda Gosei. „Wir sind davon überzeugt, dass diese beiden Investoren Meteor weiterbringen werden.“

„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Meteor“, sagt Dr. Axel Geuer, Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender von Aequita. „Wir haben uns nach eingängiger Prüfung für den Kauf entschieden, da wir trotz schwieriger Wirtschafts- und Branchenlage gutes Potential für das Unternehmen sehen“, erläutert Dr. Geuer. Das Unternehmen habe eine starke Forschungs- und Entwicklungsabteilung. „Diese Technologieführerschaft im Bereich hochkomplexer Elastomer-Dichtungen wollen wir ausbauen“, führt Dr. Geuer weiter aus. Er sieht für dieses Ziel sowohl im Bereich Automotive als auch im Non-Automotive Bereich große Chancen. Zumal Dichtungssysteme bei Fahrzeugen immer gebraucht würden, unabhängig von der Antriebsart.

Die neuen Inhaber sehen die Meteor als starkes Unternehmen an, dass durchaus auch wieder wachsen könne. Gerne möchten sie von Toyoda Gosei nach Osteuropa abgezogene Produktion wieder zurück nach Bockenem holen. Das wäre eine große Wende, denn zuletzt hieß es, dass mittelfristig in Bockenem kaum noch produziert werde und dies eher ein Forschungs- und Entwicklungsstandort werden solle.

Die Mitarbeiter erfuhren am Freitagmittag auf einer Betriebsversammlung von dem erneuten Verkauf – und waren komplett überrascht. Niemand hatte im Vorfeld davon gehört. Die neuen Inhaber stellten ihre Pläne für das Unternehmen vor und konnten viele Arbeitskräfte damit positiv stimmen. Denn mit den Japanern waren zuletzt viele nicht mehr zufrieden. Eine Garantie, dass mittelfristig alle Arbeitsplätze erhalten bleiben, wollten die neuen Eigentümer jedoch nicht geben. Vorhandene Konzepte müssten nun nach der Übernahme sorgfältig geprüft und mit den neuen Gegebenheiten und Möglichkeiten in Einklang gebracht werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Allerdings sind sowohl der Finanzinvestor als auch Prettl Familienunternehmen, die nicht auf schnelle Rendite für Anleger angewiesen sind. Zur Hildesheimer Allgemeinen Zeitung sagte Dr. Geuer, dass ein gesundschrumpfen meist kurzfristig bessere Zahlen gebe, aber nicht nachhaltig sei. Bleibt für Bockenem zu hoffen, dass er den Aussagen auch entsprechende Taten folgen lässt.dh