Mit dem Gesangverein Hary gibt der letzte „traditionelle“ Chor in Bockenem auf

Nach 145 Jahren ist für die Sänger Schluss / Mit zwölf Aktiven kein Singbetrieb mehr möglich

Für Bernd-Uwe Schwabe, der 37 Jahre lang den Gesangverein Hary leitete, schwingt mit der Auflösung eine große Portion Wehmut mit.

Hary. Mit der Auflösung des Gesangvereins Hary von 1874 zum Jahresende endet zugleich im Stadtgebiet von Bockenem die Zeit der traditionellen Chöre, die zum großen Teil auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken konnten. Die Haryer schließen sich mit ihrer Entscheidung der Chorgemeinschaft Bönnien, dem Männergesangverein von 1889 Mahlum und dem Frauenchor Mahlum an, die in den vergangenen drei Jahren aus personellen Gründen aufgegeben haben.

„Da ist bei allen schon sehr viel Wehmut mit dabei gewesen. Aber es ging einfach nicht mehr weiter“, erklärt der Vorsitzende Bernd-Uwe Schwabe. Zuletzt war die Zahl der Aktiven auf zwölf Personen geschrumpft. Schnell haben die Verantwortlichen erkannt, dass mit dieser Zahl kaum mehr ein zielgerichtetes Singen möglich ist. Nach dem vergangenen Ambergausingen in Rhüden fassten die Sänger dann schweren Herzens den Beschluss, den Gesangverein Hary aufzulösen. „Mit den wenigen Aktiven lassen sich keine neuen Lieder einstudieren“, ergänzt der Vorsitzende, der vor 37 Jahren die Leitung des Vereins übernommen hat. Auch der Altersdurchschnitt von 72 Jahren gab zur Sorge Anlass. Seit 15 Jahren zeichnete Gundolf Kellner als Dirigent für den Chor musikalisch verantwortlich. „Mit ihm haben wir gute Erfolge erzielt. Auch die Zusammenarbeit war sehr gut“, erinnert sich Bernd-Uwe Schwabe.

Zum Abschluss der 145-jährigen Geschichte hat der Chor noch einmal einige Lieder im Rahmen eines Adventsgottesdienstes vorgetragen. „Das war schon ein emotionaler Moment“, so Schwabe. Unterstützung gab es in dem Kreis der Sänger seit den 1930er-Jahren aus dem Nachbarort Störy. Doch auch mit ihnen war der Chor nicht zu retten.

Ein Blick zurück: Ende 1873 gab es erste Überlegungen, auch in Hary einen Verein zur Förderung des deutschen Liedgutes zu gründen. Dieser Wunsch nahm dann am 8. Januar 1874 mit der Gründungsversammlung konkrete Formen an. In den darauffolgenden Jahren gab es viele Gelegenheiten, um gemeinsam zu feiern. 1924 stand bei einem Zeltfest das 50. Jubiläum im Mittelpunkt. Daran nahmen neben der Feuerwehr und dem Mandolinenclub Hary insgesamt 22 Vereine aus der näheren Umgebung teil. Damals zählte der Männergesangverein Hary 30 Mitglieder. In den Kriegsjahren kam das Vereinsleben zum Erliegen. Ende 1947 ging es dann mit neuer Energie weiter. Zum 75. Geburtstag stieg die Zahl der Mitstreiter auf 35 Personen an. Ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Verleihung der Zelterplakette zum 100. Geburtstag.

Viele Jahre haben sich die Mitglieder in der örtlichen Gastwirtschaft zu den Übungsabenden getroffen. Später war dann das Dorfgemeinschaftshaus Treffpunkt. Durch eine Satzungsänderung im Jahr 1991 sollte die damals schon angespannte personelle Situation verbessert werden. Auch Frauen durften künftig durch den Beschluss am Singbetrieb teilnehmen. Der Aufschwung gelang zunächst auch. 18 Frauen entschlossen sich dazu, im Chor mitzusingen. Es erfolgte die Umbenennung in Gesangverein Hary von 1874. Die Zahl der Mitstreiter wuchs auf 38 Personen an. Doch der Aufschwung war nicht von langer Dauer. „Es waren in den Jahren sehr viele Todesfälle zu beklagen. Auf der anderen Seite kamen aber keine neuen aktiven Mitglieder hinzu“, berichtet Schwabe. Nun bleibt nur noch die Abwicklung des Gesangvereins. Die beiden Fahnen erhält das Bockenemer Museum. Die alten Akten und Protokollbücher sind für das Stadtarchiv bestimmt.mv

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