Neuausrichtung oder Auflösung, wie geht es weiter beim Bürgerverein Bockenem?

Verein steht wieder ohne Vorstand da / „Müssen mehr sein als Glockenspiel und Wappenbaum“

Der Bürgerverein Bockenem hat das Glockenspiel am Turmuhrenmuseum angeschafft und sorgt weiter für die Unterhaltung. Doch das reicht nach Ansicht der Mitglieder nicht aus, mehr Projekte sollen her.

Bockenem. „Wir müssen mehr sein als Glockenspiel und Wappenbaum!“, brachte es Gertrud Berner auf den Punkt und traf damit wohl die Meinung der Mehrheit bei der Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Bockenem am Dienstagabend. Dass es diese längere Diskussion über die Ziele des Vereins gab, hatte einen handfesten Grund: Wieder einmal war es nicht gelungen, einen Vorstand zu wählen. Berner und auch der Vorsitzende Hans Jochen Martinin erklärten zwar ihre Bereitschaft, weiterzuarbeiten, allerdings nur unter der Bedingung, dass es einen kompletten Vorstand gebe. Da der stellvertretende Vorsitzende Heinrich Schneider sowie Schriftführer Peter Dreymann ihre Posten aber zur Verfügung stellten und sich kein neuer Kandidat fand, war diese Bedingung nicht erfüllt.

Wie geht es nun weiter? Der bisherige Vorstand, der im Jahr 2014 aus einer ähnlichen Situation heraus zusammengekommen war, arbeitet erst einmal weiter. Kurzfristig, vorgesehen ist im März oder April, wird eine weitere Mitgliederversammlung einberufen. Auf dieser wird dann erneut versucht, einen Vorstand zu finden. Sollte dies nicht gelingen, steht wohl eine Abstimmung über die Auflösung des Vereins zur Debatte. Immerhin, kurz nach der Versammlung sah es wohl schon wieder etwas besser aus, hieß es aus Vorstandskreisen: „Die Situation ist besser, als sie es noch vor einer halben Stunde war.“ Offensichtlich hatten sich einige anwesende Mitglieder erklärt, unter Umständen doch im Vorstand mitzuarbeiten.

Doch wie soll es überhaupt weitergehen beim inzwischen nur noch 86 Mitglieder zählenden Bürgerverein? Auch darüber wurde intensiv diskutiert, denn dies, so sahen es einige Mitglieder, sei einer der Gründe für die zuletzt wieder negative Entwicklung. Die Satzung lege dem Verein zu enge Fesseln an. So sei politisches Engagement derzeit nicht möglich, ohne auf die Gemeinnützigkeit zu verzichten. Diese wurde jedoch gebraucht, als die Spenden für das 1998 erstellte Glockenspiel am Turmuhren- und Heimatmuseum eingeworben wurden. Mit Glockenspiel und Wappenbaum locke man jedoch niemanden mehr hinter dem Ofen vor, heißt es. Man müsse sich wieder mehr in das politische Leben einbringen. Dies sei mit der Gemeinnützigkeit und der dafür gerade wieder erneuerten Satzung jedoch nicht vereinbar.

Erfolgreich waren im vergangenen Jahr die beiden Themenabende zum Thema Straßensanierung beziehungsweise Straßenausbaubeitragssatzung. „Wir müssen mehr als nur Ideen entwickeln, wir müssen uns auch einsetzen. Unser Vorteil ist, dass wir überparteilich sind“, sagte Siegfried Berner und Günter Edler fügte hinzu: „Wir brauchen ein konkretes Projekt, eine Art Leuchtturmprojekt.“ Teilweise optimistisch äußerte sich Christina Philipps, die sich sicher ist, dass es viele Bürger gebe, die sich engagieren würden: „Wenn wir einen Aufruf starten, sich an einem Sonnabend im Stadtpark zu treffen und dort etwas verschönern wollen, werden einige Leute zusammenkommen.“ Allerdings werde das dem Verein kaum neue Mitglieder zutreiben. Denn die meisten wollen sich nur für ein Projekt engagieren und sich nicht für lange Zeit binden. Auch sie sei der Meinung, dass der Bürgerverein kein „Debattierklub“ sein dürfe.

In seinem Jahresbericht hatte der Vorsitzende Hans Jochen Martini auf einige erfolgreiche Veranstaltungen zu den Themen Straßensanierung und Windenergie zurückgeblickt. Die Reparatur des Glockenspiels sei beendet und mit einem Bürgerfrühstück in der Sitzmulde inklusive Glockenspiel-Livekonzert gefeiert worden. Von den 1.000 Bockenem-DVDs, die der Verein im Jahr 2010 erstellt lassen hat, sind noch 23 zu haben. Gertrud Berner dankte insbesondere dem Vorsitzenden Martini, der bei jeder Gelegenheit für diese DVD werbe.

Sollten die Mitglieder die Auflösung beschließen, würde das Vereinsvermögen an die Stadt gehen, die es ausschließlich für den Erhalt des Glockenspiels und des Wappenbaums verwenden dürfte. Doch soweit ist es noch nicht und wäre auch in einem weiteren Sinne bitter: Denn der 1893 gegründete Verein feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Ein Fest wurde, ob der aktuellen Situation, noch nicht geplant. Erst einmal geht es um die nackte Existenz. „Machen Sie sich Gedanken“, gab der Vorsitzende Hans Jochen Martini den anwesenden Mitgliedern mit auf den Nachhauseweg.dh

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