Noch zahlreiche offene Fragen

Haus am Papenberg: Fraktionen sollen nun über künftige Nutzung beraten

Für die Sanierung und Renovierung des Hauses Papenberg liegt ein erster Entwurf vor, der am Montag allerdings schon mit vielen Nachfragen belegt wurde.

Bockenem. Ganz so einfach und problemlos, wie einige es sich vielleicht vorstellen, wird es mit der Sanierung des Hauses Papenberg und seiner Umgestaltung zum Haus der Vereine wahrscheinlich doch nicht laufen. Das wurde zumindest am Montag deutlich, als der Bauausschuss und der Ortsrat Bockenem zu diesem Thema zusammenkamen. Es gab Fragen über Fragen, ohne dass sich verbindliche Antworten abzeichneten. Vor allem wurde auch deutlich, dass wohl noch eine ganze Menge an Zeit vergehen wird, bis die anvisierten Bauarbeiten einsetzen können.

Doch der Reihe nach. Das Gebäude ist exakt 170 Jahre alt und wurde zusammen mit dem davor zum Markt hin liegendem Haus im Juli 1848 als städtische Schule errichtet, eine damals äußerst vordringliche Aufgabe, an der sich der allgemeinen Not gehorchend mit der Fertigung von Lehmsteinen sogar die älteren Schülerinnen und Schüler beteiligen mussten. Vorausgegangen war nämlich ein Jahr zuvor die weitgehende Vernichtung der Stadt durch den Großen Brand. An diese Zusammenhänge erinnert die kleine Tafel, welche über dem alten Haupteingang angebracht ist und auf der es heißt: „Frommen Sinn half diese Schulen bauen, frommem Sinne wurde sie geweiht im 15ten Monate nach dem Brand vom 9ten April 1847“.

Als städtische Volksschule im Jahr 1848 erbaut

Als städtische Volksschule diente dieses Gebäude zusammen mit dem des heutigen Museums bis 1906. Danach nahm es die Gewerbeschule und später die Berufsschule auf, letztere bis Mitte der 70er-Jahre. Danach wurden in ihm verschiedene Räume einigen Verbänden und Vereinen zur Nutzung übergeben, so dem Sozialverband und 1976 der Arbeiterwohlfahrt, die hier bis heute vor allem ihre Altenbegegnungsstätte betreibt. Das heutige Stadtarchiv, welches 2005 auf Initiative des damaligen stellvertretenden Stadtdirektors Michael Liess und des Stadtheimatpflegers Manfred Klaube in das Gebäude verlagert werden konnte, kam damit erst in jüngerer Zeit in den großen Raum des Sozialverbands.

Schon in jenen Jahren zeigten sich nicht unerhebliche Schäden an dem alten Bau, welche mit der Zeit zunahmen und auch vom städtischen Bauamt registriert wurden. Die bereits vor 2010 insbesondere von Archivseite geforderte grundlegende Renovierung, vor der die Stadt aus Kostengründen zurückschreckte, rückte schließlich 2014 in den Bereich des Machbaren, als Bockenem in das Entwicklungsprogramm Städtischer Denkmalschutz aufgenommen wurde, weil von da an Fördergelder zu erwarten waren. Das Haus hatte inzwischen Risse in den Wänden, Schäden im Sockel und besaß desolate Fenster, was sich inzwischen alles nicht geändert hat.

Ab 2014 war dann auch klar, dass das städtische Haus Papenberg innerhalb dieses Programms vordringlich renoviert werden muss und es setzten erste Gedanken ein, was konkret zu machen sei und welche Nutzung das Gebäude dann in der Zukunft haben sollte.

Zu den ersten Vorschlägen gehörte jener, in dem Gebäude das Archiv zu belassen, es dort durch einen Raum zu erweitern und die anderen Räumlichkeiten dem benachbarten Stadtmuseum zuzuschlagen; ein Vorschlag, für den sich sofort auch die führenden Vertreter der UWG begeisterten. Das jedoch hätte bedeutet, dass sich die Arbeiterwohlfahrt und der Kinderschutzbund ein anderes Vereinsdomizil hätten suchen müssen. Auch hatte Bürgermeister Rainer Block darauf verwiesen, dass bei einer derartigen Lösung sicherlich erhebliche Stimmen aus der Einwohnerschaft gekommen wären, die eine derartige Lösung mit Vergrößerung der Ausstellungsräume des Museums wohl nicht akzeptiert hätten.

Stattdessen reifte die Idee heran, das Gebäude zu einem Haus der Vereine umzugestalten, in welchen die Arbeiterwohlfahrt und der Kinderschutzbund von vornherein das Bleibe- und Bestandsrecht hätten. Diese Idee gewann umso mehr an Raum, als ihre Befürworter zunahmen und sie diese mit einem großen Bedarf seitens der Vereine begründeten. In den letzten beiden Jahren kam der mittlerweile eingetretene „Notstand“ auf dem Bockenemer Gastronomiesektor hinzu.

Diese über drei Jahre sich hinziehenden Gedankengänge über die künftige Nutzung führten schließlich dazu, dass auch der Sanierungsrat sich dem Vorschlag für ein Haus der Vereine anschloss und auf seiner bisher letzten Sitzung die Herausnahme des Archivs beschloss, wissend, dass die endgültige Entscheidung die politischen Beschlussgremien zu treffen haben.

Um endlich voranzukommen hatte die Stadt eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche inzwischen ein erstes Nutzungskonzept vorlegte, welches am Montag nun zur Beratung anstand und Anlass zu zahlreichen Nachfragen gab. Die Ortsbürgermeisterin Christina Philipps, welche zu den überzeugten Befürwortern einer künftigen Nutzung durch die Vereine der Kernstadt gehört und welche diese Arbeitsgruppe geleitet hatte, stellte zusammen mit dem stellvertretenden Bauamtsleiter Holger Schrader diesen Vorschlag vor. Er beinhaltet auf der unteren Etage links die Beibehaltung des großen Raumes der Arbeiterwohlfahrt einschließlich der Küche und rechts anstelle des jetzigen Archivs die Schaffung eines Toilettentraktes und dahinter eines kleinen Besprechungsraums und eines Büros für die Arbeiterwohlfahrt. Zusätzlich soll in den Eingangsbereich ein Personenaufzug eingebaut werden, groß genug, um auch Rollatoren mit nach oben zu nehmen.

Auf der oberen Etage bleibt vorn links der Raum für den Kinderschutzbund, und daneben sollen drei weitere Räume für Versammlungen und Zusammenkünfte entstehen, der größte ausgelegt für 50, der nächstfolgende für 35 Personen. Auch ist an eine kleine Teeküche gedacht.

Dieser von der Arbeitsgruppe gefertigte Vorentwurf soll, falls er die Zustimmung von politischer Seite findet, dem Architektenbüro vorgelegt werden, welches die Ausfertigung dann vornehmen wird. Zuvor aber muss noch der Denkmalschutz eine Stellungnahme abgeben, und es ist ein Brandschutzgutachten erforderlich. Falls diese Vorgaben erfüllt sein sollten, kann mit dem Umbau, dessen Kosten noch nicht beziffert sind, jedoch erst begonnen werden, wenn das Archiv herausgenommen wurde, wobei immer noch nicht feststeht, wohin es dann kommen soll oder ob man sich für eine sehr arbeitsaufwendige Zwischenlagerung entschließt, welche die Archivseite jedoch strikt ablehnt.

Zahlreiche noch offene Fragen

Die Diskussion über dieses Konzept am Montag im Ausschuss konzentrierte sich gleich auf mehrere Problemkreise, wobei man sich am Schluss einig war, dass vor einer Entscheidung erst einmal die Fraktionen jede unter sich beraten müssten. CDU-Fraktionsvorsitzender Ralf Marten hatte gleich zu Anfang das Problem mit dem Verbleib des Archivs und im Zusammenhang damit auch die entstehenden Gesamtkosten angesprochen, wobei sich in dieser Richtung danach andere Fragen anschlossen, welche auf die Größenanforderungen des Archivs ebenso zielten wie auf die Richtlinien und Grundsätze, nach denen es geführt werde. Eine anderes Problem stelle, so Ralf Marten, die angedachte Toilettenanlage dar, die jetzt in das Haus hineinkommen solle. Entfalle damit die öffentliche Toilette vor diesem Gebäude oder wolle man beide irgendwie miteinander verbinden, so fragte er.

Was zum Dritten die angedachte Raumaufteilung anbelange, so wäre vielleicht der Umbau der gesamten unteren Etage zur Aufnahme eines einzigen größeren Versammlungsraum wesentlich sinnvoller als die bestehende sehr kleine Kammerung mit immerhin fünf Räumen für diverse Zusammenkünfte. Auch wurde die Frage gestellt, ob es überhaupt sinnvoll sei, das Archiv aus dem Gebäude herausnehmen zu wollen.

Peter Dreymann von der UWG wollte zudem wissen, ob die Stadt von den Vereinen, welche dann das renovierte Haus nutzen würden, als Gegenleistung ein Entgelt erheben wolle. Dazu hieß es dann allerdings, dass man darüber bislang noch nicht nachgedacht habe. Es gibt nach dieser ersten Diskussion folglich noch sehr viele offene Punkte, hinsichtlich derer man sich verständigen muss, und wahrscheinlich wird man sich zeitlich auch weiter zu gedulden haben.

Holger Schrader teilte während dieser Sitzung mit, dass mit der Errichtung einer Elektrotankstelle auf dem Lappenberg inzwischen begonnen wurde. Der erforderliche Anschlusskasten stehe bereits. Mit dem Architektenbüro, welches die Umgestaltung des Marktplatzes bearbeite, sei zwischenzeitlich ein erstes Gespräch geführt worden, bei dem man auch die bisher erarbeiteten Vorstellungen übergeben habe. Ein erster Entwurf soll dem Bauausschuss am 16. Mai vorgestellt werden. Was den inzwischen erfolgten Abriss des ehemaligen Realschulgebäudes anbelangt, so würden die beiden hier entstehenden Markte wohl Ende Oktober/Anfang November eröffnen können.

Keine Chance auf Verkleinerung der Windkraftnutzungsfläche?

Der am Montag unter sich weitertagende Ortsrat gab bei drei Gegenstimmen seine Zustimmung zur Auslegung des Flächennutzungsplans in Sachen Windenergie entsprechend der vorliegenden Drucksache 149, wobei Holger Schrader deutlich machte, dass eine weitere Verkleinerung der nun anvisierten Windkraftnutzungsfläche zwischen Bockenem und Bornum wohl keine Aussicht hätte, rechtlich genehmigt zu werden.
In der Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt wird der Ortsrat am 21. April in der Zeit von 15 bis 17 Uhr einen sogenannten Babytreff als geselligen Nachmittag durchführen. Die Eltern der dabei in Frage kommenden 40 Babys sollen an diesem Tage auch zahlreiche nützliche Hinweise zu den in Bockenem gegebenen Möglichkeiten erhalten.

Das diesjährige Osterfeuer soll am 31. März in der Zeit von 19 bis 23 Uhr an der Kreisstraße in Richtung Ortshausen, also an der Stelle des Vorjahres, stattfinden. Es gibt wie bislang auch wieder Süßigkeiten für die Kinder und musikalisch unterhält der Spielmannszug. Die Bewirtung obliegt der Feuerwehr. Schnittgut kann an diesem Tag in der Zeit von 8 bis 14 Uhr angeliefert werden.mk