„Schusterwerkstatt“ rückt in den Fokus

Bauausschuss war auch im städtischen Gebäude im Rodentau zu Gast

Das Innere der „Schusterwerkstatt“ ist derzeit nicht mehr präsentabel.

Bockenem. Aus Sicht der Stadt sollten das zwischen dem Museum und dem Haus Papenberg liegende Nebengebäude und das Anwesen Rodentau 17 in die Stadtsanierung einbezogen werden. Eigentümer beider ist die Stadt, und beide stehen unter Denkmalsschutz. Die künftige Nutzung des ersteren ist offen. Diejenige des zweiten dürfte hingegen keine grundlegende Änderung erfahren. Denn in ihr befindet sich die gut frequentierte Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes. Vor allem aber dient das Gebäude, das auf der Stelle der früheren Hirtenhäuser 1867/68 als städtisches „Armenhaus“ errichtet wurde, von Anfang an bis heute als Unterkunft für sozial randständige Personen. Momentan ist es Domizil für zwei Obdachlose.

All diese Überlegungen boten jetzt den Anlass für die Mitglieder des Bauausschusses und des Bockenemer Ortsrates, beide Anwesen einmal genauer in Augenschein zu nehmen, ohne dabei schon weiterführende Beschlüsse zu fassen und Vorgehensweisen einzuleiten. Interessant dabei war allerdings die Erkenntnis, dass eine ganze Reihe der Mandatsträger beide Gebäude und ihre Einrichtung kaum kannten.

Das Nebengebäude zwischen Museum und Haus Papenberg war ursprünglich beiden Bockenemer Volksschulen zugeordnet, die bis 1906 als Mädchen- und als Knabenschule bestanden. Aus diesem Grunde besitzt der Bau auch heute noch einen Toilettentrakt. Die beiden anderen Räumlichkeiten sind vollgestopft mit musealen Sammlungsgegenständen, welche im städtischen Museum nach dessen neuer Ausrichtung als Turmuhrenmuseum nicht mehr untergebracht werden konnten. In einem dieser Räume richtete die Museumsleitung vor etwa 20 Jahren mit Hilfe städtischer Kräfte eine „Schusterwerkstatt“ ein, die anschließend jedoch nur selten in die Besichtigungsrunden des Museums einbezogen wurde. In guter Erinnerung bei älteren Bürgern ist noch die Tatsache, dass der ehemalige Bönnier Schuhmacher Bastian hier Einblicke in seine Arbeit gewährte.

In den letzten Jahren fielen die Gegenstände in beiden Räumen in einen Dornröschen-Schlaf. Im Zuge der laufenden Altstadtsanierung wurde vor zwei Jahren der Gedanke geboren, dieses Nebengebäude in die angedachten Maßnahmen einzubeziehen, und zwar entweder als zusätzlichen Trakt des überquellenden Museums oder als künftiges Stadtarchiv. Dabei verdichteten sich die Überlegungen als künftigen Archivstandort. Stadtheimatpfleger Dieter Rüdiger legte vor über einem Jahr dann einen ersten Planentwurf vor. Dieser wurde aber nicht mehr weiter verfolgt, weil für das Archiv zwei weitere Standorte als Alternative in die Diskussion kamen. Einer dieser Alternativstandorte war die in Privatbesitz befindliche ehemalige Heiliggeistkapelle, das älteste vormalige sakrale Gebäude der Stadt, welches zu verhältnismäßig günstigen Konditionen zum Verkauf angeboten wurde.

Stadtarchiv: CDU-Antrag rückt stärker in den Fokus

In der Weiterentwicklung beantragte die CDU-Fraktion am 4. Juni 2018 das im Haus Papenberg untergebrachte Stadtarchiv, welches dort herausgenommen werden muss, in besagtes Nebengebäude zu verlagern und dieses unter Nutzung der gegebenen Förderungsmöglichkeiten umzugestalten. Es sei eine Kosten- und eine Umsetzungsplanung zu erstellen und Sorge dafür zu tragen, dass das Stadtarchiv nicht zwischengelagert werden müsse. Die Gruppe UWG/Grüne hingegen stellte parallel einen Antrag, mit dem sie sich für die frühere Heiliggeistkapelle als künftigen Archivstandort aussprach.

Beide Anträge ruhten seitdem auf Wunsch der Verwaltung. Nach über einem halben Jahr scheint man jetzt dem CDU-Antrag nähertreten zu wollen. Bei der Ortsbesichtigung am vergangenen Mittwoch stellte Bauamtsleiter Holger Schrader heraus, dass bei einer möglichen Umgestaltung die Toiletten entfallen würden und ein Umbau der Lagerräume vorgenommen werden müsse. Dadurch würde eine Nutzfläche von 86 Quadratmeter zur Verfügung stehen, die sich durch Einbeziehung der Dachbodenfläche verdoppeln ließe. Dazu wäre eine Wendeltreppe einzubauen, vor allem aber vorher statische Untersuchungen erforderlich. Das Stadtarchiv im Haus Papenberg nimmt dort gegenwärtig 84 Quadratmeter ein, kommt aber auch an seine Kapazitäten. Da die Sanierung des Hauses Papenberg mehr und mehr in den Fokus rückt, überlegt die Stadt eine notwendige und arbeitsmäßig aufwendige Zwischenverlagerung dieser Einrichtung in ein Gebäude am Nordwall.

Definitive Entscheidungen sind noch nicht gefallen, und vielleicht müsste sich die CDU-Fraktion mit einem Folgeantrag äußern, nach diesem Ortstermin vom Mittwoch wahrscheinlich allerdings ahnend, dass hier erhebliche Finanzmittel erforderlich wären. Ob auch der UWG-Antrag noch einmal in die Überlegungen einbezogen wird, bleibt derzeit völlig offen.

Im Anwesen Rodentau, das sich in seinem Äußeren derzeit noch in einem passablen Bauzustand befindet, würden mögliche Sanierungsmaßnahmen wahrscheinlich einige innere Räumlichkeiten betreffen. Insgesamt stehen hier (Einzel-)Zimmer für acht Personen zur Disposition.

Zum Stand Stadtsanierung wurde am Mittwoch bekannt, dass kürzlich der Verwaltung ein Vorentwurf des Marktplatzumbaus vorgestellt wurde, welcher auf Einwände des Denkmalsschutzes hin jedoch nachgearbeitet werden muss. Die privaten Sanierungsmaßnahmen betreffend haben bislang 35 Kontakte beziehungsweise Gespräche mit dem Bauamt stattgefunden. Neun Eigentümer hätten danach kein Interesse mehr gezeigt. Eine Anfrage läuft allerdings noch. Die Zahl der abgeschlossenen Verträge, bei denen Zuschüsse gewährt werden, beziffert sich auf elf. Einige Anträge befinden sich weiterhin in der Prüfung oder es müssen ausstehende Unterlagen eingereicht werden.mk

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