Schutzwände gegen Hochwasser

Experten informieren im Rat der Stadt / Bei Bornum 300.000 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken geplant

In Bockenem wird im Kreuzungsbereich Bundesstraße/Kreisstraße vor dem Bönniertor als favorisierte Variante eine Schutzwand längs des Radweges zur Nette hin vorgeschlagen.

Bockenem. Seit dem Hochwasser des Jahres 2017 ist in den betroffenen Gemeinden das Thema Hochwasserschutz auf die vorderen Plätze der Agenda-Listen genommen worden. Das gilt auch für die Stadt Bockenem und hier für die an die Überschwemmungsgebiete angrenzende Kernstadt, für Bornum und Volkersheim. Das Thema Hochwasserschutz habe seit 2017 aber auch beim Landkreis Hildesheim „Fahrt aufgenommen“, unterstrich der Leiter des dortigen Umweltamtes Gerald Bälkner auf der jüngsten Ratssitzung, wo die Tagesordnung eine „Information zu Hochwasserschutzmaßnahmen“ aufwies.

Geladen hatte man neben dem Vertreter des Landkreises mit Dr. Michael Franke vom Ingenieurbüro GEUMTEC und Diplomingenieur Bernd Haberla vom Ingenieurbüro Richter auch zwei Fachleute. Beide Ingenieurbüros haben vom Landkreis einen Planungsauftrag in Sachen Hochwasserschutz erhalten und arbeiten auch an Maßnahmen, welche das Stadtgebiet Bockenem betreffen.

Dass Hochwasserschutzmaßnahmen keine preiswerte Angelegenheit sind, liegt auf der Hand. Die Gemeinden allein können diese Aufgabe nicht stemmen, zumal auf diesem Gebiet auch das Land Niedersachsen Verantwortung trägt. So können nach derzeitigem Stand für derartige Maßnahmen Fördermittel in Höhe von 70 Prozent erwartet werden.

Zu Beginn der eineinhalb Stunden währenden Sachinformation wiesen die Fachleute darauf hin, dass aus Landkreissicht die Gesamtfläche der beiden Flussgebiete der Innerste und der Nette zu betrachten sei, wobei die Nette das größere Einzugsgebiet besitze. Die Innerste entspringt im Harz oberhalb von Clausthal und die Nette am westlichen Harzrand bei Herrhausen südlich von Seesen. Beide Harzflüsse werden im Wesentlichen von den Niederschlägen gespeist, die in diesem Gebirge fallen. Grundlage der laufenden Planungsarbeiten seien deshalb vor allem die Niederschlagssummen im Harz und die im Raum der Flussgebiete, wobei man insbesondere diejenigen der Jahre 2007, 2013 und 2017 heranziehe und zugrunde lege. Was die Auslegung und die Konzeption der letztlich vorzuschlagenden Einzelschutzmaßnahmen angehe, so würden die Berechnungen bei Hochwasserständen eine zusätzliche Marge von 50 Zentimetern Höhe einbeziehen.

Die beiden neuralgischen Stellen bei Hochwasser in der Kernstadt Bockenem seien der Kreuzungsbereich der Bundes- und der Kreisstraße vor dem Bönniertor und das Gewerbegebiet an der Hachumer Straße. Für beide Bereiche schlage man die Errichtung von Schutzwänden vor. Dafür gäbe es im Kreuzungsbereich mehrere Varianten, so längs der Bundesstraße eine Betonwand, zwischen Bundestraße und Radweg eine mobile Schutzwand oder längs des Radweges zur Flussseite der Nette hin eine feste Konstruktion. Die letztgenannte Variante favorisiere man. Was die dann noch offene Fahrbahnfläche der Kreuzung selber anbelange, so käme hier eine mobile Schutzvorrichtung in Frage.

Beim Gewerbegebiet Hachumer Straße stehe man erst am Beginn der Überlegungen. Vermutlich kämen als Schutzmaßnahmen hier Schutzwände zum Tragen. Die Frage, ob es nicht sinnvoll sei, anstelle von Schutzwänden Erdwälle in Form von Deichen zu errichten, so wie man es früher getan habe, was doch naturnaher sei, wurde damit beantwortet, dass dafür in beiden Problemgebiete keinen Raum für solche Wallkonstruktionen zur Verfügung stehe.

In Volkersheim stellten das Regenrückhaltebecken auf der Ostseite des Dorfes und die West- und die Südseite des Ortes längs der Beffer die kritischen Bereiche. Beim Regenrückhaltebecken schlage man eine Entlastung in Richtung Beffer vor, welche anfangs über eine Verrohrung anstelle eines offenen Grabens erfolgen sollte.

Für den anderen kritischen Bereich warte man noch auf Berechnungsergebnisse. Gegebenenfalls werde es hier zu Schutzwandkonstruktionen kommen.

In Bornum liefen die innere Ortslage betreffend ebenfalls noch die Berechnungen, und für das Gewerbegebiet werde man eine Schutzmauer aus einem Spundwandsystem mit Verkleidungen vorschlagen. Außerhalb des Dorfes plant man auf der Südseite in der Masch die Anlage eines 300.000 Kubikmeter fassenden Hochwasserrückhaltebeckens, in welchem eine landwirtschaftliche Nutzung grundsätzlich aber machbar sei. Dieses Becken wird sich in zwei Teilen westlich und östlich des Radweges erstrecken und zum Dorf hin einen drei Meter hohen Damm besitzen.

Insgesamt läge dieses Rückhaltebecken in einem Teilbereich des 1556 erstmals erwähnten 128 Morgen großen (Rüder) Teiches, dessen Damm bei einem Hochwasser am 26. Mai 1774 an zwei Stellen bis auf den Grund durchgebrochen war und der seitdem nie mehr aufgefüllt wurde.

Bei den weiteren Überlegungen der Planungen habe man auch die vorgesehenen Hochwasserschutzmaßnahmen in Bornhausen und in Rhüden im Blick, versicherten die Planer. Im Übrigen bestehe das Gesamtgebiet Innerste/Nette betreffend eine Hochwasserkooperation zwischen den Landkreisen Hildesheim, Salzgitter und Goslar. Seitens des Landkreises geht man davon aus, dass die Planungen für das Gebiet der Stadt Bockenem im Verlauf des Jahres 2020 abgeschlossen werden können.mk

Bockenem

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