Undichter Wellendichtring: Fahrt mit Weltrekordwagen verzögert sich

Angehörige des legendären Hanomag-Motorenkonstrukteurs Lazar Schargorodsky besuchen Hanomag-Freunde

Den Original-Motor des Hanomag-Rennwagens hat Lazar Schargorodsky konstruiert. In Störy lassen sich drei Generationen der Familie den Nachbau von Testfahrer Peter Langner (Mitte) erklären.

Störy. Blinkende Kontrollleuchten im Armaturenbrett eines Autos sorgen meist für Ärger. Diese leidvolle Erfahrung mussten auch die Hanomag-Freunde am Wochenende in Störy machen. „Plötzlich lief Öl auf den Boden“, berichtet der Vorsitzende der Hanomag-Interessengemeinschaft, Horst-Dieter Görg. Somit fiel die erste Fahrt des Hanomag Diesel Rekordwagens mit kompletter Karosserie aus.

„Das bedauern wir natürlich sehr. Aber es gibt halt noch Kinderkrankheiten“, sagt der Experte. Der Übeltäter ist dann auch schnell gefunden: Ein Wellendichtring sitzt nicht so, wie es eigentlich sein sollte. „Der Fehler lässt sich relativ schnell beheben. Aber leider müssen wir die Testfahrt verschieben“, erzählt der Vorsitzende.

Gerne hätte an dem Tag auch Bernhard Schargorodsky die Fahrt mit dem flotten Flitzer verfolgt. Der Enkel des Chef-Konstrukteurs der Hanomag-Motorenfertigung, Lazar Schargorodsky (kleines Bild), hat seit der ersten Stunde den Nachbau des legendären Weltrekordwagens verfolgt. Auch sein Sohn Jonas mit seinen beiden Söhnen Joshua-Felix und Niklas-Till waren mit nach Störy gekommen. Auch sie müssen sich nun noch etwas gedulden, bis der Hanomag dann tatsächlich die erste Runde drehen kann.

„Es ist schon ein großartiges Projekt, das vor Jahren begonnen wurde. Da steckt sehr viel Arbeit und Engagement von Horst-Dieter Görg und seiner Mannschaft dahinter“, erklärt der Nachfahre des Chef-Konstrukteurs. 1939 hat der Hanomag Rekord Diesel Automobilgeschichte geschrieben. Auf einem Teilabschnitt der Reichsautobahn zwischen Berlin und Leipzig bei Dessau fuhr das in Hannover-Linden produzierte Fahrzeug eine Reihe von Diesel-Weltrekorden mit einem 1,9-Liter-Motor ein. Ingenieur Karl Haeberle erreichte mit 156 Stundenkilometern eine Bestmarke, die bis in die 1950er Jahre Bestand hatte.

Kurz nach diesen Fahrten verbrannten der Prototyp und ein Großteil der Entwicklungspläne im Zweiten Weltkrieg. Das Aufstellen eines Rekordes sei aber nur zweitrangig gewesen, weiß der Enkel des Konstrukteurs. Vielmehr ging es um die Feststellung, dass ein Dieselmotor genauso leistungsfähig wie ein Benziner ist. „Deshalb wurden Vergleichsrennen gefahren“, betont Bernhard Schargorodsky.

Der Mann aus Herzberg am Harz erinnert sich gerne an vergangene Tage mit seinem Großvater, der von 1928 bis 1948 bei Hanomag arbeitete. „Damals habe ich ihn öfters begleitet, wenn die Motoren auf dem Prüfstand im Dauerlauf waren. Sechs bis acht Stück standen in der Halle“, berichtet der 83-Jährige. Der Leiter der Konstruktionsabteilung war ein Tüftler mit Leib und Seele. „Motoren sind seine Welt gewesen.

Selbst nach seiner Pensionierung hat er mehrere Patente eingereicht und sie aus Verbundenheit mit Hanomag dem Unternehmen geschenkt“, berichtet Bernhard Schargorodsky. Was allerdings aus dem Diesel-Fahrradkleinradmotor geworden ist, konnte er bis heute nicht ermitteln. „Es sind doch einige Dinge aus der Nachkriegszeit in Vergessenheit geraten“, so der Enkel des legendären Hanomag-Mannes. „Schargorodsky war ein genialer Konstrukteur“, pflichtet ihm Automobilhistoriker Görg bei. Dabei hat der Chef-Konstrukteur selbst nie einen Führerschein gemacht.

Ein wenig enttäuscht waren an dem Tag auch Mirco und Ulrich Beule, aus dessen Werkstatt das Ferngang-Getriebe stammt. Sie waren extra aus Brilon in den Ambergau gereist. „Es ist sehr schade, lässt sich aber nicht ändern“, sagt der Experte, der das Engagement des Vereins ebenfalls zu würdigen weiß. Auf jeden Fall wollen alle wieder in Störy dabei sein, wenn der stromlinienförmige Rennwagen erneut für eine Testfahrt an den Start geht.mv

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