Vieles noch in der Schwebe

Bei der Sanierung des Buchholzmarktes hängt erst einmal einiges von der Denkmalschutzbehörde ab

Die Wasserstraße soll als Straßenbaumaßnahme in das Sanierungsprogramm einbezogen werden.

Bockenem. Der vor rund zwei Jahren geschaffene Sanierungsbeirat versteht sich als Vertretung der Einwohnerschaft bei den Beratungen und Vorschlägen zur Altstadtsanierung. Er sichert damit die geforderte  Bürgerbeteiligung. Die in ihm arbeitenden Personen haben von Anfang an wesentliche Vorschläge eingebracht und weiterentwickelt, was der Gesamtmaßnahme äußerst förderlich gewesen ist und seitens der Bevölkerung stets mit großem Interesse begleitet wurde. Das zeigte sich kürzlich nicht nur bei der stark besuchten Informationsveranstaltung vom 17. Dezember letzten Jahres, sondern auch bei der letzten und inzwischen 12. öffentlichen Sitzung dieser Einrichtung am Mittwoch, zu der sich rund 40 Bürgerinnen und Bürger als Teilnehmer und Mitdiskutanten eingestellt hatten.

2,8 Millionen Euro stehen bereits zur Verfügung

Die Tagesordnung wies zehn Punkte auf und verstand sich von ihren Inhalten vornehmlich als aktuelle Bestandsaufnahme und Sachstandsbericht. So befindet sich Bockenem momentan bereits im vierten Jahr in dem Städtebauförderungsprogramm mit dem Schwerpunkt Denkmalschutz. Wie dazu der die Stadt beratende Mitarbeiter Uwe Mußgnug von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mitteilte, stehen derzeit 2,8 Millionen Euro für Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung, davon 0,9 Millionen als Eigenanteil der Stadt. Das sei ein Volumen, mit dem man gut arbeiten könne. Dieses Geld für private und für öffentliche Vorhaben sammele man seit 2016, und die Mittel ständen jetzt bereit. Der Finanzrahmen vergrößere sich in den kommenden Jahren weiter und zudem könne man damit rechnen, dass staatlicherseits bestehende Obergrenzen möglicherweise angehoben würden.

Die privaten Entwicklungsmaßnahmen betreffend konnten mit der Stadt bislang elf Förderungsverträge abgeschlossen werden, von denen drei inzwischen baulich abgeschlossen sind. Kontaktgespräche haben mit insgesamt 35 Grundstückseignern stattgefunden. Mit elf laufen noch Verhandlungen, und bei vier fehlen noch Unterlagen. Allerdings – so Mußgnug auf Anfrage hin – mangele es auf diesem Gebiet  „an dem großen Schwung“. Bislang seien das allesamt relativ kleine Maßnahmen und es mache durchaus Sinn, stadtseits noch einmal auf die mit diesem Sanierungsprogramm gegebenen Förderungsmöglichkeiten auch im privaten Bereich hinzuweisen.

Zum Stand der Maßnahme Buchholzmarkt konnten der Sanierungsbeiratsvorsitzende Siegfried Berner und der Bauamtsleiter Holger Schrader den in der letzten Woche bei der Stadt erstmals vorgestellten Vorentwurf des Oldenburger Planungsbüros Kilian vorstellen. Die rein straßenbaurelevanten Kosten, die Erneuerung des Oberbaus und die zu verwendenden Materialien betreffend, würden sich die Kosten auf 925.571 Euro belaufen. „Meiner persönlichen Meinung nach wird das nicht reichen“, so der Beiratsvorsitzende Siegfried Berner dazu. Damit würde die Förderhöchstsumme überschritten werden, sodass die Stadt den darüberliegenden Teil komplett selbst übernehmen müsste. Allerdings, so Mußgnug, sei man inzwischen auch im Hannoverschen Ministerium der Auffassung, dass aufgrund der enorm steigenden Baukosten diese Höchstgrenzen von 200 Euro pro Quadratmeter wohl angehoben werden müssten. Ob und wenn ja, wann, sei aber noch ungewiss. Weitere Bebauung wie Bänke oder Spielgeräte müssen übrigens in dieser Fördersumme nicht mit inbegriffen sein. Diese können in einer weiteren Maßnahme extra gefördert werden.

Denkmalspflege mit Vorentwurf noch nicht einverstanden

Die Denkmalspflege zeigt sich mit diesem Vorentwurf allerdings „nicht einverstanden“, so dass noch kein definitiv zu diskutierendes Ergebnis vorliegt. Vielmehr fordert die Denkmalschutzbehörde, die ihre Zustimmung erteilen muss, als Beurteilungsgrundlage jetzt erst einmal eine wissenschaftlich fundierte Recherche zu früheren Nutzungen und Gestaltungen. Mithilfe dieser sogenannten Historische Ortsanalyse soll ein historisch begründetes Leitbild zur Neugestaltung entwickelt werden. Allerdings, so Mußgnug, sei in dem aktuellen Plan in dieser Hinsicht schon viel mit eingebaut worden. Was genau die Denkmalschutzbehörde bemängelt, hat sie noch nicht mitgeteilt. Am 27. Februar wird es dazu ein Gespräch mit dem Ziel der genaueren Abklärung geben, so dass auf diesem Hintergrund der für die Marktneugestaltung vorgelegte Vorentwurf noch warten muss.

Trotzdem gab es am Mittwoch dazu aus der Zuhörerschaft eine ganze Reihe von Anmerkungen und Vorschlägen. Längere Diskussionen gab es vor allem um die Anzahl der Parkplätze und um fehlende öffentliche Toiletten. Bauamtsleiter Holger Schrader sicherte zu, dass diese Punkte in der nächsten Zeit definitiv und noch genauer geklärt würden. Die Toiletten im Haus Papenberg sollen, so der Verwaltungsvorschlag, jedenfalls nicht öffentlich, sondern nur für Besucher des Hauses zugänglich sein. Die Voraussetzungen dafür wären viel höher und der Reinigungsaufwand nach Veranstaltungen enorm. Zudem müssten bei Veranstaltungen ohnehin weitere Toiletten angeboten werden. Die vom Planbüro angedachten Poller zur Abgrenzung der Fahrspur „werden so nicht kommen“ (Berner). Da kenne jemand die Bockenemer Historie mit Pollern nicht, bemerkte der Vorsitzende weiter.

Wie Berner mitteilte, sollen demnächst die Pläne und weitere Infos in einem Schaufenster der Bücherei auf dem Buchholzmarkt ausgestellt werden.

Argentum: Weiter keine Entscheidung der KWG

Zum Projekt Argentum am Markt teilte der Bauamtsleiter mit, dass von Seiten der Kreiswohnbaugesellschaft (KWG) immer noch keine Entscheidung vorliege. Auch ein Aussage, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, gebe es nicht. Aus dem Sanierungsbeirat hieß es dazu, dass es ein Fehler gewesen sei, sich nur an die KWG zu binden. „Wir hängen etwas in der Luft und sind abhängig von der Entscheidung“, sagte dazu Siegfried Berner. Am Ende sei es auch immer möglich, dass das Unternehmen eine Absage erteile.

Beim Haus Papenberg jedoch würden vom Architekten jetzt die Unterlagen vorbereitet. Auch liefen hier die Gespräche mit der Denkmalpflege. Zu der mit der Sanierung des Hauses Papenberg verbundenen Verlagerung des Archivs bitte die Stadt darum, das ganze Thema noch weiter abzuwarten. Nachdem jetzt der Bauausschuss und der Ortsrat das Nebengebäude zwischen Museum und Haus Papenberg in Augenschein genommen hätten, würde man solches auch noch bei der ehemaligen Heiliggeistkapelle tun, die ebenfalls künftiger Archivstandort in Vorschlag gebracht wurde. Letztlich würde bei diesem Thema  jedoch die Kostenfrage entscheidend sein.

Im vergangenen Jahr verabschiedete der Stadtrat eine Prioritätenliste, anhand derer die Stadtstraßen saniert werden sollen. Allerdings könnten Straßen im Sanierungsgebiet aufgrund der Fördermöglichkeiten vorrangig behandelt werden. Diese sollten, so ein Hinweis aus der Zuhörerschaft, möglichst einheitlich gestaltet werden.

Die nächste Zusammenkunft des Sanierungsbeirats wird am 20. März erfolgen und sich schwerpunktmäßig mit diversen Bewertungsfragen von Grundstücken befassen.mk/dh

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