Weiter kritische Stimmen zum Windpark und dem Autoreisecenter

Bürgerverein hatte zur Info-Veranstaltung eingeladen

In diesem Gebiet sollen die Windräder künftig stehen.

Mahlum/Bockenem. „Unser Ambergau verändert sich“ – so das Thema der mit rund 40 Teilnehmern gut besuchten Informationsveranstaltung des Bockenemer Bürgervereins am Donnerstag in der Mahlumer Gastwirtschaft Gaus. In welche Richtung aber läuft diese Veränderung? Gerät sie zum Positiven oder zum Negativen, so frage sich die Einwohnerschaft, merkte anfangs in seiner Begrüßung der Vorsitzende Hans-Joachim Martini an. Und um das Fazit vorwegzunehmen: zu den beiden behandelten Themen Windkraftfläche und ARC-Autohof dominierten eindeutig die negativ-kritischen Stimmen.

Im Bockenemer Rat steht jetzt die Änderung des Flächennutzungsplans an, welche mit der Ausweisung der Windkraftfläche östlich des Königsturms gewissermaßen grünes Licht für die Verwirklichung dieses Projekts durch einen Investor gibt. Rund 30 Eigentümerparteien stehen dahinter, und die hätten im Bockenemer Rat und in den Parteien doch eine recht starke Lobby, sodass die anstehende F-Plan-Änderung den Rat wohl ohne große Widerstände passieren werde, meinte UWG Ratsherr Peter Dreymann, welcher auf dieser Versammlung als einziges Mitglied des Stadtrates anwesend war.

Kritik: Stadt vergrößert die Fläche für Windkraft ohne Not

Den gesamten Werdegang des seit 2012 laufenden Windkraftprozederes hatte anfangs Rolf Richter von der Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Ambergau“ sehr sachlich dargestellt, doch seine und die der Windkraftgegner eigene Kritik am Ende nicht zurückgehalten. Die dem ganzen Verfahren im Kern zugrundeliegende Festsetzung dieses neben Ilde zweiten Windkraftgebiets im Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises – seit 2016 rechtlich verbindlich für Bockenem – weist eine Fläche von 45 Hektar aus. Die Stadt Bockenem geht aber über diese Fläche hinaus und vergrößert sie deutlich, womit sie die nach Ortshausen führende Kreisstraße 333 überschreitet und nur einen Schutzabstand von 40 statt von üblichen 150 Metern festsetzt. Warum tut sie das, und warum geht sie über die Vorgaben des Regionalen Raumordnungsprogramms hinaus, so fragten die kritischen Stimmen an diesem Abend. Dieses Windkraftgebiet müsse verkleinert werden und der Rat wurde aufgefordert, seine kommunale Planungshoheit zu nutzen.

Verwiesen wurde in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Beispiele niedersächsischer Kommunen, wo es gelungen sei, solche Flächen zurückzunehmen. Auch der aktuell laufende Widerstand aus Seesen und aus Gandersheim heraus gegen die dortigen Festsetzungen in den Raumordnungsprogrammen kamen zur Sprache. In Bockenem scheine die Sensibilisierung in Sachen Windkraft doch recht gering zu sein, was schon aus der geringen Zahl von nur 25 Einwendungen im zurückliegenden Auslegungsverfahren des letzten Jahres zu ersehen sei.

Die Kritik an diesem Abend hob auch auf die zu erwartende Schallbelastung und auf die Nichtberücksichtigung des Lebensraums der geschützten Rotmilane und der Schwarzstörche ab. Vor allem aber stand die drohende Veränderung des Landschaftsbildes im Raum, und warum alles so groß dimensioniert sein müsse. Warum diese Fläche nicht mit 45 Hektar und mit einem Schutzabstand von 150 Metern zur Straße hin?

Siegfried Berner war es danach, der über das in Aussicht genommene ARC-Center an der Autobahn vor Mahlum informierte. Das Projekt stehe seit nunmehr zwei Jahren im Fokus und beinhalte auf einer Fläche von 94,7 Hektar 117 Lkw-Parkplätze, eine Lkw-Waschanlage, eine Tankstelle, ein Hotel mit maximal 79 Zimmern und einer maximalen Geschosshöhe von 15 Metern, gastronomische und Verkaufseinrichtungen und gegebenenfalls eine Spielhalle. Optisch aufmerksam mache man auf diese Anlage mit einem 45 Meter hohen Pylon. Mittlerweile habe es vom 8. November 2018 bis zum 1. Januar 2019 die öffentliche Auslegung eines Vorentwurfs gegeben, woraufhin allerdings noch keine Einwendungen erfolgen konnten, da es sich dem Verfahren nach erst einmal um einen Vorentwurf handelte.

In Erstaunen setzte die Zuhörer das von Siegfried Berner vorgetragene Ergebnis seiner Recherche über das ARC-Unternehmen. Die diesbezügliche ARC-Verwaltungsgesellschaft bestehe aus einem ganzen Geflecht einzelner Firmen, die auch alle genannt wurden, und weise ein Kapital von nur 25.000 Euro auf. Ihr Plan sei es, deutschlandweit solche Autohöfe zu bauen, doch könne sie bislang noch keinen einzigen aufweisen, auch nicht das sogenannte Pilotprojekt Breuna. Ein solcher Autohof wie der in Bockenem angedachte erfordere immerhin 15 bis 20 Millionen Euro.

Viele Kritikpunkte zum geplanten Autohof

Die anschließende rund 45 Minuten dauernde Diskussion hob auf zahlreiche Einzelaspekte ab und betonte insbesondere den vor allem für Mahlum und Bockenem zusätzlich zur Autobahn gegebenen Lärm der Fahrzeuge. Auch die entstehenden Immissionen durch Abgase, der Verlust an Wohnqualität, die Konkurrenz zu den beiden in Bockenem bereits bestehenden Autohöfen und Tankstellen, die zusätzliche Hochwassergefahr durch den Abfluss von den versiegelten Flächen, die von der Stadt Bockenem vorzunehmenden Investitionen unter anderem in Sachen Abwasser und Verkehr und die sehr wahrscheinlich ausbleibende Gewerbesteuer, weil das Unternehmen seinen Sitz in Stuttgart habe. Lediglich eine geringe Lohnsummensteuer von Seiten der rund 80 im unteren Lohnbereich anvisierten Zeitarbeitskräfte sei zu erwarten.

Angesichts dieser zahlreichen negativen Punkte der Kritiker gab es an diesem Abend lediglich zwei Wortmeldungen von Seiten zweier mit der Landwirtschaft verbundener Teilnehmer, welche darauf aufmerksam machten, dass schließlich alle von „unserer Wohlstandsgesellschaft“ profitierten, und das man deshalb „nicht gegen alles“ sein könne. Wo aber müsse man Grenzen ziehen, wenn man die Lebensqualität erhalten wolle, wurde entgegengehalten, und wer habe den Mut aufzuzeigen, dass irgendwo einmal Schluss sein müsse, war darauf die Antwort.mk

Bockenem

Feuer und Flamme für die Hanse

Die neue Mitte

Turmuhr feiert 100. Geburtstag