Weule-Glocke darf vorerst nicht läuten

Gemeinde sammelt Spenden für Reparatur der Aufhängung / Verkauf von Mini-Glöckchen

Kirchenvorsteherin Heidrun Heinke hofft mit dem Verkauf der Mini-Glöckchen, dass sich der Spendentopf für die Reparaturarbeiten schnell füllt. Immerhin 20.000 Euro werden benötigt, um die Glocke wieder zum Klingen zu bringen.

Bockenem. Auf das vertraute Glockenläuten morgens um 8 Uhr und in den Abendstunden müssen die Bockenemer schon seit längerer Zeit verzichten. Warum das so ist, beantwortet die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Susanne Kempe: „Wir dürfen nicht, weil die Aufhängung der sogenannten Weule-Glocke abgerissen ist. Beim Läuten droht sie abzustürzen.“

Mit dieser vierten Glocke in der St.-Pankratius-Kirche ist eine besondere Geschichte verbunden. Die Glocke wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Johann Friedrich Weule in Gedenken an seinen in Russland gefallenen Sohn Hans gestiftet. Damit war die Auflage verbunden, sie jeden Morgen und Abend, außerdem am Todestag von Hans Weule am 7. Juli eines jeden Jahres um 12 Uhr, zu läuten.

Die Glocke ist nachträglich über die drei bereits im Turm vorhandenen Glocken gebaut worden. Dabei wurde die Verankerung an einen Balken geschraubt, der fest mit dem Mauerwerk verbunden ist. So kann sie aber nicht ganz frei schwingen. Um die Aufhängung der Glocke zu reparieren, muss die Weule-Glocke ausgebaut werden. Für so einen Zweck hat die Firma bei den letzten Sanierungsarbeiten zwar Vorsorge getroffen, doch der Aufwand ist dennoch sehr groß und vor allem teuer. Anschließend muss der Glockenstuhl verstärkt und die Aufhängung so konstruiert werden, dass sie die Schwingkraft der Glocke nicht wieder abreißen kann.

Die Kosten belaufen sich nach einem ersten Kostenvoranschlag auf rund 20.000 Euro. Über diese Summe verfügt die evangelische Kirchengemeinde aber nicht. Auch auf Zuschüsse kann sie nicht hoffen. Daher sind gute Ideen, um das Projekt umzusetzen, gern gesehen. „Vorerst müssen die Bockenemer leider noch weiter auf das Geläut der Weule-Glocke verzichten. Wir hoffen aber auf eine Lösung“, erklärt Susanne Kempe.

Auch ihre Kollegin im Kirchenvorstand, Heidrun Heinke, macht sich für die defekte Konstruktion im Turm der Pankratiuskirche stark. Der Verkauf von kleinen Glocken bei besonderen Anlässen soll dazu beitragen, den Topf für die Reparaturarbeiten zu füllen. Bei der Suche nach einem entsprechenden Anbieter stieß sie im Internet auf Peter Glasbrenner. Zu dem Zeitpunkt ahnte Heidrun Heinke allerdings nicht, dass der Glockengießer aus Schwäbisch-Hall die Stadt Bockenem bereits sehr gut kennt. Peter Glasbrenner nahm an den Hansetagen 2011 teil und goss vor den Augen der Besucher eine Glocke, die heute im Museum zu bestaunen ist. Der Fachmann stellte für die Benefiz-Aktion eine Reihe Glocken in verschiedenen Größen her, die zum Preis von 22 bis 54 Euro zu haben sind. „Sie sind ganz bestimmt auch eine nette Geschenkidee“, ist die Bockenemerin überzeugt.

Von den Verkaufserlösen profitiert am Ende der Spendentopf für die Weule-Glocke. Einige Exemplare wurden auch beim Jagdkonzert und Reformationsempfang verkauft. Auch beim Weihnachtskonzert der Kantorei am dritten Advent ist ein Verkauf geplant.mv

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