Wie geht es weiter mit dem Spitta-Haus?

Kirchengemeinde kann die Kosten nicht mehr tragen / Unterstützung durch die Stadt oder Verkauf?

Im Spitta-Haus sind die „Weinbergschnecken“ untergebracht, dazu nutzt es die Dorfgemeinschaft. Der Kirchengemeinde wachsen nun die Nebenkosten über den Kopf. Daher muss ein Konzept her, um das Haus auf lange Sicht für die Dorfgemeinschaft zu sichern. Rechts im Bild ist das bereits verkaufte Pfarrhaus zu sehen.

Nette. „Das Spitta-Haus ist das Herz des Dorfes. Verlieren wir das, ist die Dorfgemeinschaft tot“, brachte es Jutta Gerdon auf den Punkt. Genutzt wird das Spitta-Haus hauptsächlich vom Kindergarten „Weinbergschnecken“, deren Leiterin Gerdon ist. Dazu kommen nachmittags und abends der Tischtennisverein „Ludwig-Spitta Nette“, der örtliche Musikzug und verschiedene Gruppen der Dorfgemeinschaft. Und da liegt das Problem – denn das Haus ist in Besitz der Kirchengemeinde St. Trinitatis im Ambergau (Hary, Störy, Bönnien, Nette, Upstedt, Bültum sowie Ilde).

Die nutzt das Gebäude aber lediglich zu unter fünf Prozent, mietet für Pfarrbüro, Archiv und Bibliothek sogar eigene Räume an. Die Nutzer müssen für das Spitta-Haus lediglich Nebenkosten zahlen. Insgesamt kommen so gut 4.000 Euro an Einnahmen zusammen. Die Kosten betragen aber knapp 7.500 Euro, hinzu kommt ein Bauunterhalt von rund 2.500 Euro jährlich (hochgerechnet auf die vergangenen zehn Jahre). Jährlich entsteht so eine Unterdeckung von knapp 6.000 Euro jährlich.

„Das können und wollen wir nicht mehr leisten“, sagte Tobias Lecher, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Bisher sei der Betrag immer aus dem allgemeinen Haushalt der Kirchengemeinde (KG) ausgeglichen worden. Das ist auf Dauer aber nicht mehr möglich. „Wir haben noch eine Notreserve, aber auch die ist bald aufgebraucht“, so Lecher weiter. Noch sei Zeit, ein zukunftsfähiges Konzept zu erstellen. Daher seien in den vergangenen Wochen erste Gespräche mit der Stadt und den Vereinen gelaufen. Am Dienstagabend gab es eine öffentliche Versammlung, um der Dorfgemeinschaft erst einmal allgemein die aktuelle Situation aufzuzeigen.

Bereits 1957 wurde die halbe Pfarrscheune zu einem Gemeindezentrum umgebaut, 1974 wurde dieses für 176.000 D-Mark um einen großen Saal erweitert. Knapp die Hälfte des Geldes kam im Rahmen der Zonenrandmittel vom Bund, ähnlich viel von der gerade neugegründeten Stadt Bockenem. Diese übernahm zudem 75 Prozent der Nebenkosten und des Bauunterhaltes. 2003 kündigte die Stadt diesen Vertrag und seit 2008 gibt es auch keine Mittel von der Landeskirche mehr. Diese empfahl schon 2003, das Haus zu verkaufen. Verhandlungen mit der Stadt scheiterten damals allerdings. 2004 gelang immerhin der Verkauf des Pfarrhauses an eine Privatperson. Das Spitta-Haus blieb in Besitz der damaligen Kirchengemeinde Nette-Upstedt.

Dass das Gebäude überhaupt noch gehalten werden kann, ist auch ein Verdienst von Bernd Uhde, Vorsitzender des Spittahaus-Ausschusses. Ihm gelang es immer wieder, die Mittel aus dem allgemeinen Haushalt aufzubringen, ohne dass der Kirchenkreis sein Veto einlegte. „Die hätten auch nein sagen können“, berichtete Lecher, der selbst aus Ilde kommt. Auf Dauer sei das aber nicht mehr möglich.

Ein weiteres Problem ist, dass auch in Sachen Brandschutz etwas getan werden muss. Ein zweiter Rettungsweg wird benötigt, zudem einige Kleinigkeiten wie Fluchtwegkennzeichnung, vernetzte Rauchmelder, ein Alarmplan, die Ausweisung eines Sammelplatzes – „das werden alles keine großen Summen sein. Aber die Menge macht es “, erklärte der KG-Vorsitzende. Derzeit überprüft die Bernward GmbH, was getan werden muss. Zudem lässt die Kirchengemeinde ein Verkehrswertgutachten erstellen, um überhaupt zu wissen, was das Gebäude wert ist. „Insgesamt ist es aber gut in Schuss“, sagt Lecher, der selbst beruflich häufig mit alten Häusern und Denkmalschutz zu tun hat.

Ist es Aufgabe einer Kirchengemeinde, ein Dorfgemeinschaftshaus zur Verfügung zu stellen? Ist es Aufgabe einer Kirchengemeinde, Räumlichkeiten für einen Kindergarten in freier Trägerschaft mietfrei zur Verfügung zu stellen? Diese, eher rhetorisch gemeinten Fragen stellte Tobias Lecher während der Präsentation in den Raum. Denn auch der Kirchenkreis sage inzwischen, dass es nicht Zweck des Geldes sei, dieses Haus damit zu finanzieren. Oberstes Ziel sei es nun, das Haus zu halten und kostendeckend zu führen, sagte Bernd Uhde. Das sahen auch alle Anwesenden, zu denen unter anderem Jörg Philipps für die SPD und Karsten Treutler für die CDU gehörten, so. „Ist das Haus erst einmal verkauft, haben wir keinen Einfluss mehr darauf, was wir mit der Dorfgemeinschaft hier unternehmen können. Ein Verkauf wäre die schlechteste Option“, sagte Uhde. Hinzu kommt noch, dass Pastor Werner Warnecke Ende Mai kommenden Jahres in Ruhestand geht. Ob es einen Nachfolger gebe, steht noch in den Sternen. „Wir wollen einen möglichen Nachfolger auch nicht gleich mit solch einer Aufgabe belasten und möglichst vorher ein Konzept erstellt haben“, legt der Kirchenvorstand einen ehrgeizgen Zeitplan vor. Für das Jahr 2019 komme man noch über die Runden. Für 2020 soll es dann Veränderungen geben.

Eine Möglichkeit wäre, dass mit der Stadt ein Nutzungsvertrag abgeschlossen wird, sodass diese wieder einen Großteil der Nebenkosten übernimmt. Also so, wie es von 1974 bis 2003 schon einmal war. „Die Streitigkeiten von damals sind beendet, die handelnden Personen nicht mehr da“, hat Lecher durchaus Hoffnung. Die Parteivertreter versprachen, das Thema in den jeweilige Fraktionen zu besprechen. Denn letztlich entscheide der Stadtrat, ob die Stadt eine Unterstützung leiste oder am Ende das Haus sogar kaufe.

„Das liegt uns hier alles sehr am Herzen. Es ist unser aller Interesse, das Haus zu halten“, beendete Lecher letztlich die Veranstaltung. Denn letztlich geht es „nur“ um rund 6.000 Euro jährlich.dh

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