Wohlenhausen bleibt vorerst ein weißer Internetfleck

Trotz Förderung von knapp 250.000 Euro – kein Unternehmen will investieren

Wohlenhausen bleibt vorerst ohne schnelles Internet. Kein Unternehmen hat trotz bereitstehender Fördermittel ein Angebot für den Breitbandausbau abgegeben.

Wohlenhausen. Keine guten Nachrichten hatte Bockenems Bürgermeister Rainer Block für die Einwohner Wohlenhausens: Die Hoffnung auf schnelles Internet müssen die rund 80 Einwohner erst einmal begraben. Trotz der Fördermittel in Höhe von fast 250.000 Euro, die für den Ausbau von Wohlenhausen gemeinsam mit dem Nachbarörtchen Ammenhausen (Gemeinde Lamspringe) zur Verfügung stehen, wollte am Ende kein Unternehmen ein Angebot abgeben. Noch will Block jedoch nicht aufgeben und setzt alle Hebel in Bewegung, um auch dem letzten Ambergaudorf eine ordentliche Breitbandversorgung zu beschaffen.

Rund 30 Personen, auch aus Ammenhausen, waren zu der Bürgerversammlung in Wohlenhausen gekommen. Block skizzierte zunächst den Weg der vergangenen drei Jahre. Nachdem die Telekom einige Orte im nördlichen Teil des Ambergaus und die Kernstadt sowie das hannoversche Unternehmen htp weitere Ortschaften mit dem schnellen Internet versorgt hatte, blieben Mahlum und Wohlenhausen übrig. Für Mahlum und den neuen Wohnpark Ost in Bockenem zeigte die Telekom Anfang diesen Jahres doch noch Interesse, inzwischen kommen dort Bandbreiten von 50 MBit an (der „Beobachter“ berichtete). All diese Investitionen wurden eigenwirtschaftlich, das heißt, ohne Fördermittel, getätigt. Wohlenhausen blieb außen vor.

Rainer Block rief die Unternehmen daher dazu auf, zu berechnen, wieviel Fördermittel sie benötigen würden, um auch Wohlenhausen zu versorgen. Die Telekom hatte nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung ein Angebot abgegeben. Nicht nur für die Wohlenhausen, sondern auch für mehrere kleinere Ortschaften im südlichen Landkreis Hildesheim in den Kommunen von Leinebergland bis Holle. Im Oktober vergangenen Jahren stellte die Stadt dann den Antrag auf Fördermittel. Nach zehn Monaten kam im Juli 2018 die Zusage vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser. Knapp 250.000 Euro wurden für Wohlenhausen und Ammenhausen zur Verfügung gestellt, insgesamt rund eine Million Euro für den Landkreis Hildesheim.

Zu einem endgültigen Angebot kam es dann aber doch nicht. Zweimal beantragte die Telekom eine Fristverlängerung, zuletzt bis zum 20. September. Dann kam von dem Unternehmen eine schriftliche Absage. „Mit diese Entwicklung konnten wir wirklich nicht rechnen“, teilten die Bürgermeister der betroffenen Kommunen Freden, Lamspringe, Leinebergland, Holle und Bockenem in einer Presseerklärung mit. Grund für die plötzliche Absage sind nicht die Investitionskosten. Denn durch die Fördermittel wären diese abgedeckt. Bei einer weiteren Wirtschaftlichkeitsprüfung in der Controllingabteilung in Bonn sei jedoch aufgefallen, dass die laufenden Kosten für die Betreibung des Verteilerkastens zu hoch wären. Die Zahl der erwarteten Vertragsabschlüsse in den einzelnen Ortschaften sei zu niedrig. Da die Telekom ein börsennotiertes Unternehmen sei und man daher Investitionen nach wirtschaftlichen Gesichtpunkten plane, könne daher kein Angebot für den Breitband-Ausbau unterbreitet werden, wurde den Bürgermeistern mitgeteilt.

Die Telekom habe festgestellt, dass sie in Wohlenhausen keine zehn Anschlüsse habe. Dem hält Block entgegen: „Wenn die schnelles Internet anbieten, dann kommen natürlich weitere Verträge dazu“. Nur einen Tag nach dem abschlägigen Bescheid habe es eine Krisensitzung der betroffenen Kommunen gegeben. Auch der Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal (SPD) habe daran teilgenommen und daraufhin direkt mit dem Aufsichtsrat gesprochen. Doch auch das stimmte das Unternehmen nicht um.

Bürgermeister Block sieht nun auch die Landes- und Bundespolitik in der Pflicht: „Die haben schließlich versprochen, bis 2025 alle Haushalte mit gigabit-Anschlüssen zu versorgen“. An Gigabit-Anschlüsse wagen die Wohlenhäuser noch gar nicht zu denken. Bei ihnen geht es erst einmal um ganz normale gesellschaftliche Teilhabe. Kleinere Betriebe würden abgehängt und selbst Schüler bekämen Probleme, wenn sie Hausaufgaben über das Internet bekämen. Ganz zu schweigen davon, wenn irgendwann einmal das Festnetz auf Internet-Telefonie umgestellt wird.

Betroffen reagierten die Anwesenden auf die negative Nachricht. Sie hatten sich natürlich etwas ganz anderes erhofft. Jede Menge Vorschläge kamen von ihrer Seite, von denen ein Großteil jedoch schon geprüft wurde. Kurzfristig könnte eine Funkverbindung helfen. In Bornum gibt es einen neuen Turm, der Ende des Jahres in Betrieb gehen soll. Doch ob dieser bis Wohlenhausen ausstrahlt, ist unsicher. Auch von Rhüden her könnte Richtfunk zum Einsatz kommen. „Aber das können nur kurzfristige Maßnahmen für eine Übergangszeit sein“, betont Block. Er hofft immer noch darauf, dass sich die Telekom noch einmal bewegt. Weitere Gespräche sollen die Telekom davon überzeugen, dass es mehr als nur zehn Anschlüsse zu gewinnen gäbe. „Wenn die am Ende 20 oder 30 Verträge abschließen können, vielleicht fällt die Entscheidung dann anders aus“. Vorerst also das Prinzip Hoffnung. Doch die Verantwortlichen wollen am Ball bleiben und alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Der Bürgermeister selbst bekam von den Bewohnern großes Lob für seinen Einsatz und auch, dass er die Wohlenhäuser direkt informiert habe. Nun hoffen natürlich alle darauf, dass es am Ende doch noch etwas wird mit dem Breitband. Ansonsten müssen die fünf Kommunen eine Million Euro an Fördergeldern zurückgeben. Und 600 Menschen müssen weiterhin mehr oder weniger auf das Internet verzichten.dh

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