Zinssteigerung ist nicht zu erwarten

Bundesbanker spricht beim Bürgermahl der Bürgerstiftung Bockenem / „Stiftung ist in der Region angekommen“

Gerd-Christian Barte (rechts) überreicht Stephan Freiherr von Stenglin ein Geschenk als Dank für seinen Vortrag zum Thema Geldpolitik.

Mahlum. In Anlehnung an die Worte seines Vorgängers Detlef Kentler, der meinte, dass Bürgermahl sei in der Region angekommen, sagte der neue Vorsitzende der Bürgerstiftung Bockenem Gerd-Christian Barte: „Die Stiftung ist in der Region angekommen!“ Die Vision sei es, die Marke von 100 Mitgliedern zu knacken. Im vergangenen Jahr sei die Mitgliedszahl um fast zehn Prozent gestiegen. Trotz der geringen Zinsen ist die Stiftung ein Erfolg und kann Gutes tun. „Wichtig ist, dass wir keine Experimente wagen. Darauf können Sie sich verlassen“, stellte Barte heraus. Fast 4.000 Euro konnten im vergangenen Jahr immerhin ausgeschüttet werden. Der Förderverein der MiA wurde ebenso bedacht, wie die Musikzüge, die Diakonie, der Verein für Heimatkunde, der soziale Tannenbaum und die Kindergärten.

Das Thema „Geld“ stand anschließend auch im Mittelpunkt des Vortrages von Stephan Freiherr von Stenglin. Kein Wunder, ist dieser doch der Präsident der Deutschen Bundesbank in der Hauptverwaltung in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Im Gottesdienst gab es erbauliche Worte – nun folgt das Kontrastprogramm“, begann er seinen rund 20-minütigen Vortrag. „Aktuelles zur Geldpolitik – Zehn Jahre nach der Finanzkrise“, lautete das Thema, wobei von Stenglin ergänzte: „Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise.“

Denn diese sei noch immer nicht abgearbeitet und keine normale Krise. Normalerweise sei es die Aufgabe der Bundesbank, die Inflation zu bekämpfen. Derzeit müsse sie aber die Gesellschaft und die Finanzwirtschaft mit billigem Geld versorgen. Diese lockere Geldpolitik sei auch bis auf weiteres notwendig. Große Hoffnungen auf eine baldige Zinsanhebung machte er den Sparern unter den Zuhörern nicht. Dabei betonte der Banker, dass es durchaus unterschiedliche Wünsche gebe, auch unter den Anwesenden. Denn während Sparer sicherlich gerne eine Veränderung sehen würden, seien Kreditnehmer ganz zufrieden.

„Alle würden lieber heute als morgen zur Normalität zurückkehren. Und die Situation hat sich in den vergangenen ein bis zwei Jahren auch verbessert. Im Euro-Raum gibt es einen wirtschaftlichen Aufschwung, in einigen Regionen sind die Arbeitskräfte bereits knapp.“ Von Stenglin gab auch zu, dass die Bundesbank die Ankäufe der Staatsanleihen gerne schneller beenden würde. Doch selbst wenn es in diesem oder nächsten Jahr soweit sei, würden die Zinsen nicht sofort massiv ansteigen.

Einige Fragen konnten anschließend auch noch aus den Reihen der Zuhörer gestellt werden. Auf die Frage vom Ex-Banker Detlef Kentler, wann denn mit Zinsbewegungen zu rechnen sei, antwortete von Stenglin: „Wenn ich ein Datum nennen würde, wäre ich ein schlechter Zentralbanker. Gucken Sie mal Mitte 2019 auf Bewegungen.“ Ob denn der „Grexit“, also die Herauslösung Griechenlands aus dem Euro-Raum nicht sinnvoll gewesen wäre, war eine weitere Frage. Dies verneinte der Gast mit dem Hinweis darauf, dass die Märkte dann das nächste Land getestet hätten.

Barte dankte dem Vortragenden mit einem Geschenkpaket regionaler Produkte, insbesondere dem Apfel als Symbol der Bockenemer Bürgerstiftung. Zugleich dankte er dem Vorbereitungsteam für ihre Arbeit. Rund 100 Personen waren zu diesem siebten Bürgermahl gekommen. Mit den eingenommenen Spenden dieser Veranstaltung kann auch in diesem Jahr wieder einiges Gutes für den Ambergau getan werden.dh

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