Forschungsgruppe im Dialog mit den Hahäusern

Verschiedene Punkte prägten den Besuch am Montag / Auch Missständen sprachen Einwohner an

Dorfmoderatorin Claudia Mehl (rechts) berichtete den Studenten über Hahausen. Bei einem kleinen Dorfrundgang erhielten die vier Soziologiestudenten einen ersten Einblick.

Hahausen. Noch ein Stück kleiner als ihr letzter Ort – die thüringische Gemeinde Katzhütte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt – und ganz anders geprägt. Für die Soziologiestudenten vom Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) Göttingen an der Georg-August-Universität war es kein gewöhnlicher Besuch in Hahausen, sondern sie waren im Auftrag der Forschung unterwegs. Spannend für beide Seiten. Verschiedene Punkte standen auf dem Programm.

Damit sich die Forschungsgruppe und die Studenten, die im Fach Soziologie ihren Masterabschluss anstreben, ein Bild vom Dorf bekommen, starten sie einen kleine Rundgang. Mit dabei waren die beiden Dorfmoderatorinnen Petra Kremeik und Claudia Mehl, der Orts- und Heimatpfleger Hans-Jürgen Seewaldt, Bürgermeister Eckhard Ohlendorf und Gemeinderat Rainer Hoffmeister. „Wir waren sogar im Dachstuhl der Kirche, ein tolle Sache“, sagte Prof. Dr. Berthold Vogel. Gemeinsam mit Maike Simmank und den vier Studierenden bildeten sie die sechsköpfige Forschungsgruppe. Zudem schloss sich ein ehemaliger Hahäuser der Gruppe an. Holger Klischka ist ein Freund vom Professor, als er von ihm hörte, dass das SOFI in seiner alten Heimat forscht, hielt er sich den Termin frei.

„Der Ort ist sehr landwirtschaftlich geprägt, was man so auch ganz selten noch sieht“, war aus der Reihe der Studierenden über ihren ersten Eindruck zu hören. Das unterstrich auch Rainer Hoffmeister mit seinen Ausführungen über das kleinen Hahäuser Kurzporträt. Das Dorf liegt in einer Passlandschaft und gleicht von der Siedlungsstruktur einer Spinne. Solch ein Spinnenarm ist beispielsweise die Hütte oder die Streuerwiese, das aktuelle Baugebiet im Dorf.

Das Projektteam widmet sich dem Thema „Gleichwertigkeit – Mehr als eine gute Idee?!“ Inhaltlich geht es unter anderem um folgende Fragestellung: Wie wird in Zeiten von wachsenden räumlichen Ungleichheiten, schleichendem Infrastrukturabbau und unzureichender Breitbandversorgung in ländlichen Räumen das Verfassungsziel gleichwertiger Lebensverhältnisse gewährleistet? Antworten darauf erhofften sie sich auch von den Hahäusern. Deshalb gab es auch eine Haustürbefragung und eine Diskussion. „Ich habe bewusst Leute eingeladen, die sich nicht so kennen, um auch die Diskussion anzuregen“, sagt Dorfmoderatorin Claudia Mehl im Vor-Ort-Gespräch. Schmunzeln musste sie bei der Befragung, plötzlich waren die Studierenden weg.

Die Hahäuser scheinen gastfreundlich zu sein. Ein Umstand, den auch Julia Wagner-Konerding und ihr Mann Markus voll unterstreichen können. Beide sind mit ihren beiden Kindern und Familienhund Chompy, der zugleich Lutters Schulhund ist, nach Hahausen gezogen. Beide wurden von Claudia Mehl zum Gespräch eingeladen, als Vertreter der Zugezogenen. Genau um das soziale Miteinander im Dorf ging es im Gespräch. „Wir wurden herzlich in die Gemeinschaft aufgenommen.

Zudem ist super, was alles rund um gemeinsame Treffen der Anwohner geplant ist vom Triftwegfest bis zum Spielenachmittag“, berichtet Julia Wagner-Konerding. Auch der Kontakt zu der älteren Generation ist komplikationslos, die Familie trifft nicht auf Vorurteile, sondern sie werden herzlich aufgenommen und integriert. Familie Wagner fühlt sich wohl in Hahausen, doch alles ist nicht so rosig. Vor allem bei der Infrastruktur sehen die Neuhahäuser Handlungsbedarf. Allen voran beim Telefon und Internet. Mit dem Handy zu telefonieren ist ein Umstand, den auch viele Alteingesessene beklagen.

Das Netz ist oft weg oder ganz schwach. Wer von Seesen nach Neuekrug fährt, weiß, wovon hier gesprochen wird. Ein Unding findet die Familie, dass der Zug im Bahnhof Neuekrug-Hahausen nicht mehr hält. Vieles würde das im täglichen Leben erleichtern. Zumal die Züge die Strecke ja passieren, jedoch erst in Seesen halten.

Alle sind gespannt, was die Forscher herausfinden. Vielleicht bringt es Veränderungen mit sich, hofft Bürgermeister Eckhard Ohlendorf. Bis Mai 2020 ist das Forschungsprojekt angelegt.syg

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