Schon wieder: Unbekannte beschädigen nächsten historischen Zug

Diesmal trifft es einen Zug auf dem Gelände des Bockenemer Bahnhofes

Unbekannte haben an dem Triebwagen mehrere Scheiben eingeworfen. Arne von Knebel hofft, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

Bockenem. Erst haben Unbekannte im Zeitraum vom 29. bis 31. Mai einen Wagon der Dampfzugbetriebsgemeinschaft Hildesheim in Bornum beschädigt, nun ermittelt die Polizei in einem weiteren Fall. Ziel der neuerlichen Attacke war am vergangenen Wochenende ein Triebwagen, den zehn Eisenbahnfreunde derzeit auf dem Gelände des Bockenemer Bahnhofes wieder zu neuem Glanz verhelfen.
„Es besteht ein guter Kontakt zu den Aktiven der Museumsbahn in Bornum, die auch schon mal einen Blick auf unseren Triebwagen werfen. Am vergangenen Samstagnachmittag erhielt ich die Nachricht, dass bei uns alles in Ordnung ist“, berichtet Arne von Knebel für die Gruppe. Ein weiteres Telefonat am Sonntagabend endete dann weniger erfreulich. Unbekannte haben mit dort herumliegenden Schottersteinen mehrere Scheiben am Triebwagen eingeworfen. „Eine Erneuerung kostet sicherlich an die 1.000 Euro“, erklärt der Hildesheimer. Außerdem haben sich die Täter Zugang zum Inneren verschafft, in dem sie eine Spanplatte eingetreten haben. „Die eigentliche Tür wird gerade aufgearbeitet“, berichtet Arne von Knebel, der wie seine Kollegen ziemlich sauer ist.
„Wir haben schließlich mit der Restaurierung genug zu tun. Zum Glück haben sie sich nicht an der Elektrik zu schaffen gemacht“, sagt er. Von Knebel hat die Sachbeschädigung bei der Polizei angezeigt. Waren da trotz der unterschiedlichen Zeiten vielleicht sogar die gleichen Täter am Werk? Diese Frage dürfte auch die Ermittler beschäftigen. Hinweise nimmt die Polizei in Bockenem unter der Rufnummer (05067) 991730 entgegen.
Die Eisenbahnfreunde sind derzeit dabei, das Innere des Triebwagens aufzuarbeiten. „Wir sind froh darüber, dass er hier in Bockenem einen dauerhaften Standort erhalten hat“, erklärt Arne von Knebel. Gerade nachdem sich dort die Besitzverhältnisse verändert haben, sei der Freundeskreis sehr froh darüber, vom neuen Eigentümer des Areals die Zusage erhalten zu haben, dass der Triebwagen dort verbleiben kann. Schließlich handelt es sich bei dem VT92 501 um ein Stück deutsche Eisenbahngeschichte. Fast an jedem Wochenende rücken die Eisenbahn-Nostalgiefreunde an, um den Verbrennungstriebwagen – wie er mit vollem Namen heißt – wieder flott zu machen.
Der VT92 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Basierend auf dem Fahrgestell des 1932 gebauten VT 872 entstand er zwischen 1949 und 1951 bei MAN in Nürnberg als Versuchsfahrzeug. Und das gilt auch aufgrund seiner charakteristischen runden Kopfform als der Prototyp verschiedener DB-Entwicklungen der Folgejahrzehnte. Durch das eigenwillige Design setzte sich die Bezeichnung „Eierkopf“ bei Eisenbahnern schnell durch. Der VT92 501 ist also der Ur-Eierkopf, wie Arne von Knebel sagt.
Neben der äußeren Formgestaltung sowie einigen Farbvariationen wurden in ihm zudem verschiedene Motoren mit einer Leistung von 800 bis 1200 PS getestet. Doch irgendwann ging die Versuchszeit für das Fahrzeug zu Ende. Im Anschluss diente der „Kartoffelkäfer“, wie er auch liebevoll wegen seiner ursprünglich braunen Farbe genannt wird, als Schlepptriebwagen. In ganz Deutschland holte er schadhafte Triebwagen ab und brachte sie zur Reparatur nach Nürnberg. 1978 ging die Ära jedoch mit der Ausmusterung jäh zu Ende.
Im DB-Museum sollte eigentlich der VT92 für die Nachwelt erhalten bleiben. Zunächst war das Schienenfahrzeug auch noch zu besichtigen, doch dann verschwand der Triebwagen nicht zuletzt auch wegen finanzieller Aspekte komplett aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Immer wieder wechselte er den Standort – bis ihn die Eisenbahnfreunde aus Hildesheim und dem Umland retteten und er jetzt auf dem Abstellgleis in Bockenem seinen zweiten Frühling erlebt.vo

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