Die Landesgartenschau-Info-Tour hat begonnen

Erste Veranstaltung in Altgandersheim sehr gut besucht / Überraschend positive Einstellung am Ende

Eines unerwartet guten Besuches erfreute sich die Auftaktveranstaltung der Landesgartenschau-Infoabende in den Dörfern Bad Gandersheims im Altgandersheimer Feuerwehrhaus. 50 Personen lauschten den Ausführungen von Bürgermeisterin Franziska Schwarz.

Altgandersheim. Die „Tour“ ist gestartet – und der Auftakt war in mehrfacher Hinsicht ein guter. Die „Tour“, das ist die Informationsrundreise durch die Dörfer, die sich Bürgermeisterin Franziska Schwarz und der Stadtrat als Vorläufer der am 24. September folgenden Abstimmung über die Ausrichtung einer Landesgartenschau durch die Gandersheimer Bürger von 14 Jahren aufwärts vorgenommen haben. „Tour-Start“ war am Montagabend in Altgandersheim, wo ins Feuerwehrhaus eingeladen worden war.

Die Lokalität sahen manche im Vorfeld als groß genug an, um das Interesse am Thema zu befriedigen. Beinahe ein Irrtum! Ziemlich genau 50 Interessierte fanden sich zu dem ersten Informationsabend „LGS 2022“ ein. Für die zuletzt kommenden mussten im hinteren Teil des Raumes schon Biertischbänke als Sitzgelegenheit herhalten, damit alle Platz fanden. Damit übertraf der Besuch die Erwartungen der meisten.

Der kurzen Begrüßung, durch die über die große Resonanz sichtlich erfreute Bürgermeisterin, folgte ein rund halbstündiger Vortrag mit allen wesentlichen Fakten. Aufbau und Inhalt legten Zeugnis davon ab, dass im Zuge des bisher abgelaufenen Prozesses auch die Kernargumente sortierter und geschärfter geworden sind. Manche Frage, die es in der Vergangenheit noch gegeben hatte, war nun schon durch den Vortrag beantwortet.

Franziska Schwarz erklärte grundlegend, warum eine Landesgartenschau für Bad Gandersheim so wichtig sein könnte. Sie machte dabei vor allem deutlich, dass der Fokus nur vordergründig auf dem halbjährigen Event liegen dürfe. Das sei sicher eine überaus wichtige, spannende und lebendige Zeit in Bad Gandersheim, viel bedeutsamer sei aber, was mit den Veränderungen in der Stadt vor und vor allem nach einer Landesgartenschau angestoßen werde.

Im Vorfeld sind es die Investitionen, die im Falle eines Ausrichtungszuschlags und -beschlusses ja bereits ab 2018 anfangen würden, in Gang kommen und auch vor der LGS im Jahre 2022 Wirkung entfalten. Schwarz verwies hier – wie auch an vielen anderen Stellen des Vortrags – auf Erfahrungen anderer LGS-Ausrichter. Bad Lippspringe hatte den „Erwartungsaufbruch“ vor der LGS ebenfalls erlebt und bestätigt: Private Investoren witterten Morgenluft, Geschäftsleerstände reduzierten sich drastisch, eine positive Konjunkturstimmung machte sich breit.

Die, da gebe es keine Zweifel, brauche Bad Gandersheim auch. Sie ohne die Ausrichtung eines so großen Ereignisses zu erzeugen, sei aber fast unmöglich, da die Stadt nicht in der Lage sei, die für vergleichbare Investitionen nötigen Mittel aufzubringen. Als LGS-Ausrichter aber könne sie auf Fördertöpfe zugreifen, die es erreichbar machten, einen solch großen Impuls zu finanzieren, ohne sich dabei zu übernehmen.

Blick auf die Finanzierung

Was überleitete zur Finanzierungsdarstellung. Jeder Hausbesitzer weiß, dass er bei Kauf oder großer Sanierung vielleicht auch einen Kredit und damit Risiken auf sich nehmen muss. Nicht viel anders ist es bei der Stadt, die mit einer Landesgartenschau natürlich ein Unterfangen starten würde, das auch Risiken birgt. Das am deutlichsten fassbare sicher wäre die nicht absehbare Zahl an Besuchern, die über direkten finanziellen Erfolg entscheidet.
Im Vorfeld kann diese Zahl natürlich nur an verschiedenen Erfahrungsfaktoren geschätzt werden.

Für Bad Gandersheim wird eine Mindesterwartung von rund 450.000 Besuchern angesetzt. Es könnten aber auch eine halbe Million oder mehr werden. Im Mindesterwartungsfall würde der Durchführungshaushalt mit einem derzeitig berechneten Defizit von rund einer Million Euro enden. Kommen mehr Besucher, reduziert es sich, die Planer empfehlen aber, eher auf den geringsten Erwartungsfall zu schauen und damit zu kalkulieren, als zu hohe Erwartungen später zu enttäuschen.

Viele erfolgreiche und zufriedene Ausrichter

Dass es gut laufen kann, das beweist als aktuelles Beispiel gerade Bad Lippspringe. Dort sind die gleichen Erwartungen angesetzt worden. Ende Juli hatten bereits 350.000 Menschen die Landesgartenschau besucht, und sie läuft noch bis Ende Oktober! Und Bad Lippspringe stünde mit einem guten Ergebnis im Durchführungshaushalt in einer Reihe finanziell-erfolgreicher Ausrichter.

Die Reihe der zufriedenen Ausrichter ist noch größer. Denn auch die Städte, in denen der Durchführungshaushalt mit einem mehr oder weniger großen Defizit abschloss, wollten im Nachhinein eine LGS nicht missen. Dies vor allem wegen der Nachhaltigkeitseffekte, um die es eigentlich geht. Das, was im Zuge einer LGS in Bad Gandersheim angefasst und verbessert werden kann, soll ja auch in den Jahr(zehnt)en danach weiter seine Wirkung entfalten. Oder anders ausgedrückt: Bad Gandersheim soll mit einer LGS auf ein Niveau gehievt werden, das es als Kur- und Gesundheitsstandort aus eigener Kraft gar nicht erreichen könnte. Läuft der Motor aber erst einmal, ist er immer bedeutend leichter auch am Laufen zu halten.

Fragen und Antworten

Das alles erschien den zahlreich Anwesenden durchaus plausibel. Was nicht bedeutete, dass es deshalb nicht doch auch kritische Fragen gegeben hätte. Die kamen nicht unerwartet aus der Zuhörerschaft. Die vermutlich den meisten Dorfbewohnern auf den Nägeln brennende wurde in der Tat auch gleich zuerst gestellt: Was werden die Dörfer von einer LGS in Bad Gandersheim haben?

Franziska Schwarz beantwortete die Frage mit mehreren Aspekten: Zum eine stellte sie klar, dass eine Beteiligung der Dörfer nicht zwangsläufig heißen müsse, die LGS werde direkt in die Dörfer kommen und dort überall Maßnahmen auslösen. Das sei zwar durchaus möglich, aber nicht primär darunter zu verstehen.

Wünschenswert und in der Planung auch berücksichtigt sei aber sehr wohl, dass sich die Dörfer in der Kernstadt bei der LGS präsentieren. Wie das geschieht, wird noch genauer festzulegen sein.

Der wichtigste Aspekt bei dieser Frage aber sei, dass eine wirtschaftliche Stärkung der Kernstadt, wie sie die LGS bewirken solle, natürlich auch den Dörfern helfe: „Geht es der Stadt insgesamt finanziell besser, bekommen das alle zu spüren und profitieren davon. Zudem halte ich nichts von der oft zitierten Trennung von Kernstadt und Dörfern. Wir sind Bad Gandersheim und damit eins“, machte Franziska Schwarz ihre Grundhaltung zu der Frage klar.

Die Frage, was im Falle einer Ablehnung beim Bürgervotum passiere, beantwortete Schwarz damit, die letzte Entscheidung liege beim Rat. Der habe aber schon deutlich gemacht, nicht gegen einen klaren Bürgerwillen entscheiden zu wollen. Offen blieb, was im Falle einer nur ganz knappen Ablehnung passieren könnte.

Ein Zuhörer fragte, ob die Stadt die Zuschüsse, die für Maßnahmen zur Landesgartenschau erwartet würden, auch ohne LGS für solche Vorhaben in Anspruch nehmen könnte. Das sei prinzipiell wohl möglich, antwortete de Bürgermeisterin. Allerdings seien Gelder mit Landesgartenschau schneller und unter Umständen in höheren Fördersätzen zu bekommen als ohne LGS. Zudem falle ohne LGS der Zugeffekt durch die halbjährige Schau weg.

Ratsherr Friedrich Overbeck aus Altgandersheim bekannte sich als Befürworter einer LGS. Er habe seine Zweifel gehabt, sich dann informiert und sei inzwischen überzeugt, dass die LGS eine Lösung für viele Probleme Bad Gandersheims sein könne. Ein Besuch in Bad Lippspringe habe ihn – bei allen Nichtvergleichbarkeiten – von dieser Auffassung noch zusätzlich überzeugt.

Auch Trude Poser aus Gehrenrode berichtete, die Dorfgemeinschaft Gehrenrode habe sich am vergangenen Wochenende mit starker Gruppe an der Fahrt nach Bad Lippspringe beteiligt. Rund die Hälfte sei vorher eher skeptisch gewesen. Nach dem Besuch gab es keine Skeptiker mehr: „Es ist einfach unglaublich überzeugend, wenn man das mit eigenen Augen mal gesehen hat.“

Die Bürgermeisterin gab abschließend zur Kenntnis, dass sich bereits eine Reihe bedeutsamer Unterstützer gefunden hätten, deren Schreiben sie zum Teil verlas. Darunter sind die Avacon, die Firma GHK Domo aus Altgandersheim, Leicht & Appel, das GWF, das Autohaus Hermann, das Solebad und andere mehr. Sie wiesen vor allem auf die wirtschaftsbelebenden Effekte einer LGS hin und sagten Unterstützung verschiedenster Art zu. Und die Liste wird stetig länger Zum Abschluss ließ es sich Bürgermeisterin Franziska Schwarz nicht nehmen, ein Stimmungsbild abfragen zu dürfen.

Die Frage, wer nach dieser Informationsveranstaltung dem Vorhaben Landesgartenschau positiv gegenüber stehe, beantwortete eine überraschend große Mehrheit von etwa 80 Prozent mit Ja. Als Skeptiker bekannte sich nur ein Anwesender, eine Handvoll mochte sich noch nicht entschieden haben.

Heute macht die Dörfer-Tour um 18 Uhr in Wrescherode im Feuerwehrhaus Station. Guter Besuch wiederum willkommen.rah

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