DOMinos: Sichtweisen einer Jugend im Jahr 2018

Derniere des Stückes „DASS NACH DEM TAG DIE NACHT KOMMT“ setzt erfolgreichen Aufführungen die Krone auf

Bad Gandersheim. Oh, Du meine Güte. Sind wir wirklich so schlimm Geht es der Jugend heute tatsächlich so War das früher bei uns auch so Einige von vielen Fragen, die den Zuschauern der jüngsten Inszenierung des TheaterSpielclubs der Domfestspiele der DOMinos, „DASS NACH DEM TAG DIE NACHT KOMMT“ vielleicht durch den Kopf geschossen sind, während das Stakkato von „Ihr sagt uns, dass...“ auf sie herniederprasselte. 70 Minuten lang. Nicht durchgängig, aber stark dominierend.

Arme Eltern. Die meinen es doch nur gut! Sagen viel, geben Rat, manchmal auch Liebe, so mindestens spiegelt es sich in den Worten derer, die von Eltern erzogen werden.

Das uralte Bild des „Nürnberger Trichters“ bekommt hier plötzlich eine verbale Gestalt. In der langen Aneinanderreihung von Dingen, die heute Kinder und Jugendlichen von Erziehungsberechtigten und Erwachsenen „eingetrichtert“ werden. Es ist ein beeindruckend großer, ja fast überwältigender Katalog, der da in etwas mehr als einer Stunde durchgeblättert wird. Vorgelesen, doziert, rausgeschrieen. In allen Varianten.

An sich wäre das zum Verzweifeln. Klingt fast wie ein Hilferuf, nicht erdrückt zu werden von dem vielen Wissen, den Vorgaben, Pflichten und Notwendigkeiten, die Leben anscheinend so mit sich bringt. Doch das Stück kennt da glücklicherweise auch noch andere Facetten.

Die des Gefühls. Der Liebe der Erwachsenen zu ihren Kindern, zarte Töne. Das sind die Momente, wo es mal ruhiger wird auf der Bühne im großen Musiksaal der Turner-Musik-Akademie, wo alle Aufführungen des Stückes gespielt wurden.

Aber immer nur kurz, dann sind es meistens die Jugendlichen selbst, die wegstoßen, aufbegehren, Bevormundung ablehnen, Distanz und Eigenständigkeit einklagen. So, wie man es als Erwachsener von Jugendlichen kennt. Und dies nicht erst in den letzten Generationen.

Trotzdem – und auch das will das Stück ganz offensichtlich – regt es zum Nachdenken an. Ist das immer schon so gewesen Auf diese Frage mögen unterschiedliche Generationen auf der Zuschauerseite zu ganz verschiedenen Antworten gekommen sein. In der ausverkauften Schülervorstellung am Mittwochmorgen sicher mit ganz überdeutlichem Kopfnicken: Klar ist das so!

Unter den jungen Erwachsenen, die nun auf die Elternseite gewechselt sind, kommt Nachdenklichkeit darüber auf, ob sie mit diesem Bild wirklich getroffen sind. Und die Älteren können sich vielleicht abgrenzen und feststellen: Bei uns (in den 60ern und 70ern) war das anscheinend noch nicht so. Mindestens ist die Erinnerung nicht von dem Druck geprägt, dem sich die Jugend in Tim Etchells Stück offenbar ausgesetzt fühlt.

Und trotzdem werden alle Generationen immer wieder auch Gemeinsamkeiten finden. Manches wiederholt sich anscheinend wieder und wieder.

Beeindruckend nicht nur der Inhalt, vor allem das Spiel der zwölf Akteurinnen; Theater scheint bei den DOMinos derzeit reine Frauensache zu sein. Eine enorme Menge an teilweise extrem dichten Texten musste erlernt und in der richtigen Reihenfolge abgespult werden. Dazu kombiniert mit der szenischen Darstellung auf der Bühne. Und es wurde auch noch gesungen, sehr eingängig sogar mit „Gebt uns ruhig die Schuld, den Rest könnt ihr behalten“. Das sitzt – und bleibt im Gedächtnis haften.

Mit dem Mittwochabend ist das Stück bereits leider schon wieder abgespielt. Rund 60 Besucher fand die Derniere noch einmal, das machte das Ensemble unter Leitung von Theaterpädagogin Indra Schiller sehr glücklich. Applaus gab es nicht nur zum Schluss, sondern auch zu besonders guten Szenen.

Was bleibt, ist die klare Feststellung: Ein besseres Stück haben die DOMinos, die es ja schon seit einigen Jahren gibt, noch nie auf die Beine gestellt. Das hatte schon Klasse, war aber auch entscheidend dem Umstand zu verdanken, dass es eben jetzt eine ganzjährige Theaterpädagogik-Betreuung gibt, die eine intensive Theaterarbeit leisten kann.

Mindestens einmal noch kann man die DOMinos mit Ausschnitten erleben: Sie werden am Sonntag, 11. März, Teil der Festspiel-Wintergala in Traupes Tenne in Harriehausen sein.rah

Region

Stadt investiert 810.000 Euro

Wie geht es weiter nach der 9. oder 10. Klasse?