Erstmals Fahne für einen lebensrettenden Einsatz vergeben

Leuchttürme der Zivilcourage geehrt / Im Mittelpunkt stand der Fall der 18-jährigen Seesenerin

Laudatorin Petra Krischker und Projektleiter Günter Koschig präsentieren die erstmals verliehene Fahne der Goslarer Zivilcouragekampagne. Im Hintergrund einige der Preisträger der Berufsbildenden Schulen Goslar-Baßgeige/Seesen, die diese für ihren lebensrettenden Einsatz erhielten.

Goslar. Jeder der drei ausgezeichneten Fälle ist für sich allein schon ein Leuchtturm für Zivilcourage, doch zusammen stehen sie für Mut, besonnenes und richtiges Handeln in einer Notsituation. „Bei der die Handelnden dem Opfer helfen, aber nicht selbst zum Täter werden“, betonte Gastredner Fadi Saad, der als Polizist in Berlin arbeitet und als Buchautor aktiv ist, in seinem Impulsvortrag. Er und alle anderen im Saal zollen den Preisträgern Respekt. Am Mittwochnachmittag wurden drei Fälle, die im vergangenen Jahr allesamt in Goslar passiert sind, im Rahmen der Zivilcourageehrung prämiert. Die zehnten Verleihung der Goslarer Zivilcouragekampag­ne (GZK) hatte zwei Neuerungen parat.

Erstmals wurde in diesem Jahr ein Hauptpreis vergeben.  Im Mittelpunkt stand die Messerattacke auf eine damals 18-jährige Seesenerin an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Goslar-Baßgeige/Seesen. Polizeidirektorin Petra Krischker betonte in ihrer Laudatio, was die Preisträger allesamt an jenem 19. Februar 2018 geleistet hatten. Damals griff der 19-jährige Goslarer Ex-Freund in der Pause die Seesenerin mit einem Messer an und verletzte sie mit 13 Stichen schwer. Er setzte sich anschließend zu den Schülern und legte das Messer vor sich ab, berichtete Krischker. Hier handelten die Geehrten besonnen, jeder für sich trug seinen Teil bei. So leistete beispielsweise der Schüler Florian Schlüter Erste Hilfe, zwei Mädchen wählten den Notruf, ein Schüler nahm dem Täter das Messer weg. Ein Lehrer brachte die anderen Schüler aus dem Gefahrenbereich.  Wie die Polizeidirektorin betonte, konnte nur durch  das Zusammenspiel aller die junge Schülerin überleben und der Täter festgenommen werden.

Der Goslarer wurde inzwischen vom Landgericht Braunschweig zu einer Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Auch daran haben die Preisträger maßgeblichen Anteil, indem die Zeugen der Polizei halfen und mit ihnen an einem Sonnabend die Tat in der Schule nachstellten. Nicht zu vergessen Christian Lenz vom Kriseninterventionsteam, der gemeinsam mit seinen Kollegen mit einer zeitnahen Betreuung aller Involvierten lange Traumatas verhinderte und die Aufrechterhaltung des Schulbetriebes sicherstellte. Er und folgende Personen erhielten den Hauptpreis, diese sind: Schulleiter Otto Markus Brinkmann, die Schüler Leon Kolle, Alina Duwe, Jana Balybin, Linda Sosanski, Jovanka Krvavac, Illias Djojan, Florian Schlüter, Noah Hinz und die Lehrer Simon Arz und Sascha Nehrkorn sowie den Hausmeister Thorsten Hinz. Neben dem Pokal gab es für diese Helden des Alltags erstmals eine Fahne des GZK-Cartoons, diese wird einen würdigen Platz im Schulgebäude finden.

Laut Opferanwalt Uwe Hoffmann, der die Seesenerin vor Gericht vertrat, geht es ihr körperlich gut, jedoch bleiben Narben zurück. Anders sieht es psychisch aus, sie befindet sich in Behandlung, schläft schlecht, weint viel und grübelt. Auch deshalb hatte der Fall nicht nur an der Schule sondern auch in der Region große Betroffenheit ausgelöst.

Neben dem Berliner Gastredner hatten auch vier Erfurter eine etwas weitere Anreise. Im Januar 2018 weilten die Ehepaare Thomas und Silke Große sowie Frank Hettstedt und Sabine Rose-Hettstedt für einen  Kurzurlaub in Goslar. Beim Stadtbummel durch die Altstadt beobachteten sie, wie zwei Männer massiv auf einen Dritten, der am Boden lag, eintraten. Durch laute Rufe, verfolgen der Täter und alarmieren der Polizei über den Notruf 110 konnten sie den Geschädigten retten. Laudatorin und zugleich GZK-Fotografin Heike Göttert lobte besonders, dass sich die Geehrten um das stark blutende Opfer gekümmert und der Polizei als Zeugen zur Verfügung gestellt haben.

Der dritte ausgezeichnete Fall ist zugleich Werbung für ein nachbarschaftliches Miteinander und für ein wachsames Auge. Denn der Goslarerin Gabriele Heinrich kam etwas seltsam vor. Ihren fast 80-jährigen Nachbarn hatte sie tagelang schon nicht mehr gesehen, an seinem Fahrzeug wurden es immer mehr Knöllchen vom Ordnungsamt. So verständigte die Goslarerin die Polizei, dass die Beamten einmal im Haus nachsehen sollen. Wie Kinobetreiber und Laudator Florian Wildmann, erläuterte, hat dieses Handeln dem Mann das Leben gerettet. Es war kurz vor knapp, denn  der hilflose Rentner war im Obergeschoss gestürzt und lag mindestens sechs Tage hier hilflos. Auch völlig dehydriert wurde er ins Krankenhaus gebracht. Eigentlich heißt es, dass man in der Regel nur drei Tage ohne Wasser auskommt.

Landrat Thomas Brych, der die Initiative mit ins Leben gerufen hatte, hob in seinem Grußwort das facettenreiche Wirken der Goslarer Zivilcouragekampagne hervor.syg

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