Funde aus der Tongrube Willershausen

Museumsvortrag eine Momentaufnahme aus der Erdgeschichte vor unserer Haustüre

Bad Gandersheim. Wieder einmal gab ein Vortrag im Stadtmuseum in Gandersheim Anlass zum Innehalten und Staunen. Heidi Meyer, in der Stadt wohlbekannt unter anderem als Nachtwächterführerin, brachte einem interessierten Auditorium die enorme geologische Bedeutung der Tongrube in Willershausen nahe. Zunächst einmal erklärte sie die Voraussetzungen dafür dass genau an dieser Stelle Ablagerungen dieser Qualität möglich wurden, indem sie das Zusammenspiel tektonisch bedingter Erdbewegungen mit dem Eindringen von Salzwasser in einen kleinen aber tiefen, von einem oberirdischen Bach gespeisten See erläuterte. So konnte dieser See für einem relativ engen Zeitraum von etwa 300 Jahren zu einem Archiv für Pflanzen und Tiere vor etwa drei Millionen Jahren werden, also vor der letzten Eiszeit. Damit bot und bietet Willershausen für die Wissenschaft und natürlich für interessierte Laien eine einzigartige Fundstelle für Fossilien aus einer Warmzeit.

Seit man vor etwa 100 Jahren die Tongrube als Rohstofflieferant für die Ziegelherstellung erschlossen hatte, wurde man immer wieder auf Funde aufmerksam und begann – wenn auch zunächst unsystematisch – die Fundstücke zu sammeln, was dazu führte, dass heute Willershäuser Exponate in zahlreichen namhaften Sammlungen vertreten sind.

Inzwischen, nachdem sie nicht mehr industriell genutzt wird, ist die Tongrube als Naturdenkmal geschützt und nicht mehr frei zugänglich. Man bemüht sich, der besonderen Bedeutung, die diesem Fundort zukommt, Rechnung zu tragen. Die Tongrube stellt, obwohl erdgeschichtlich gar nicht einmal besonders alt, eine enorm wichtige Quelle für die Forschung dar. Einerseits haben nämlich die chemischen Prozesse während der Lagerung am Seeboden dafür gesorgt, dass von Pflanzen und Tieren organische Substanzen erhalten und sichtbar geblieben sind, Details wie die Behaarung einer Maus, die Laichschnüre in einem Froschkörper, oder das Blattgrün in Pflanzenzellen. Zum anderen bietet die Fülle der Zeugnisse einen großartigen, umfassenden Überblick über die Pflanzen- und Tierwelt dieses relativ kleinen Zeitfensters von etwa 300 Jahren!

Zahlreiche Bilder belegten die Qualität der Funde und schließlich durften interessierte Zuhörer sogar mitgebrachte Fossilien auch direkt in Augenschein nehmen. Marlene Brandtred

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