500 Einsatzkräfte üben gemeinsam

Landkreisübergreifende Schäden eines „Sturmtiefs“ in der Leege in den Griff bekommen

Die Reinigung nach dem Einsatz im Gefahrenbereich war „lebenswichtig“.

Osterode. Kürzlich waren die Schnellstraße zwischen Lasfelde und der Leege sowie das Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) und das Gewerbegebiet selbst fest unter den Rädern von Einsatzfahrzeugen der Freiwilligen Feuerwehren aus sechs Landkreisen. Doch es handelte sich um kein großes Kameradschaftstreffen, sondern um eine die Kreisgrenzen überschreitende Übung der Gefahrstoff- und Umweltschutzeinheiten der Landkreise Göttingen, Northeim, Goslar, Hildesheim, Holzminden und Hameln-Pyrmont, an der rund 500 Einsatzkräfte teilnahmen.

Bevor aber in den frühen Morgenstunden die erste Alarmierung erfolgte, galt es für den Arbeitskreis „Gefährliche Stoffe Südniedersachsen“ die Idee von Albert Sasse, dem Abschnittsleiter Göttingen/ Mitte, zu planen. Daran beteiligt waren neben dem Ideenträger Albert Sasse auch Ingo Wiegmann, von der Umweltfeuerwehr Göttingen, Osterodes Stadtbrandmeister Christian Wille und Osterodes Ortsbrandmeister Thomas Riedel, der übrigens auch Einsatzleiter war.

Den ein halbes Jahr währenden Vorbereitungen schlossen sich überaus positive Gespräche mit der Stadt  Osterode und dem Landkreis Göttingen an. Während dankenswerterweise die Firmen GGP und Veolia ihr Gelände zur Verfügung gestellt hatten, zeigten anliegende Firmen und Anwohner  laut Stadtbrandmeister Wille sehr viel Verständnis für diese große Übung.

Dann erst begaben sich die  Gefahrstoff- und Umweltschutzeinheiten aus den sechs Landkreisen in Alarmposition. Als erste rückte die Osteroder Wehr zur Rettung einer eingeklemmten Person aus. Es wurde festgestellt,  dass aufgrund von Windbruch während einer Sturmlage einige Gefahrgut Behälter zerstört wurden.  Ein Gefahrgut-Einsatz Szenario stellte sich dar. So wurden die Wehren aus Lasfelde und Schwiegershausen sowie die Umweltfeuerwehr des Landkreises Göttingen alarmiert. Allerdings sollte die erste Lagebesprechung deutlich machen, dass die vorgefundene Lage eine Großalarmierung weit über die Kreisgrenzen hinaus notwendig machte.

Schließlich wurde angenommen, dass eine Salzsäureleitung leck geschlagen war. Auch andere, nicht gerade kleine, Behältnisse wiesen lebensbedrohliche Risse auf. Weil „Ammoniak-Geruch“ in der Luft festgestellt wurde und sich über feuchten Abfall unbekannte Rauchsorten entwickelten, galt es für die Einsatzkräfte Atemschutz und nicht selten auch besondere Schutzkleidung anzulegen. Nach dem Einsatz mussten sich alle der gründlichen, wichtigen Reinigung (Dekontamination) unterziehen. Aber auch Luft- und Wasser-Messungen wurden in einem Radius von rund 500 Metern vorgenommen.

Ziel dieser überdimensionalen Übung war zum einen, dass die  Einsatzkräfte die vor Ort gestellten Aufgaben innerhalb von etwa zwei Stunden abarbeiten sollten. Danach war  die koordinierte Übergabe an nachrückende Kameraden und Kameradinnen angesagt. „Es war gut, dass wir bei dieser Übung Unterschiede festgestellt haben, im Ernstfall wäre es zu spät“, so einer der Retter. Schließlich habe man dann nicht die Zeit, nach einer Lösung zu suchen.

Damit alles klappt wie ein gut funktionierendes Uhrwerk, wurde in der BBS II in der Leege die Technische Einsatzleitung des Landkreises Göttingen eingerichtet. Das THW war sowohl bei der FTZ als auch auf dem Übungsplatz anzutreffen. Denn dort sorgten sie mit ihren Meldeköpfen dafür, dass Einheiten, die im Bereitstellungsraum und an der Einsatzstelle ankamen, registriert, kontrolliert und weiter geschickt wurden. Die DRK-Ortsvereine Osterode und Bad Lauterberg sowie der ASB Northeim/Osterode, Ortsverband Bad Lauterberg, hielten sich für den möglichen Ernstfall bereit.

Die Northeimer und die Kameraden aus Rollshausen/Gieboldehausen  hatten übrigens nicht alltägliche Gerätschaften mitgebracht: Drohnen. Mit denen konnten insbesondere wichtige Erkundungen durchgeführt werden, ohne dass Einsatzkräfte in gefährliche Gebiete geschickt werden  mussten.

Damit alle Einsatzkräfte versorgt werden konnten, hatten die Polizeidirektion Göttingen, das Land Niedersachsen und der Landkreis Göttingen die Übung finanziell unterstützt. Real hatten die Versorgungszüge aus Lasfelde, Harste und Hameln für die Verpflegung gesorgt. „Diese Form der intensiven Zusammenarbeit gibt es leider nur in Südniedersachsen“, sagte Regierungsbrandmeister Karl-Heinz Banse, der auch als Präsident  des Niedersächsischen Feuerwehrverbandes in das Gewerbegebiet der Leege gekommen war. Er dankte allen beteiligten Wehren, Bereitschaften und dem Landkreis Göttingen. Ohne dieses Miteinander wäre es unmöglich gewesen, sich sehr gut auf wirkliche Schadenlagen dieser Art vorzubereiten.

Über diese äußerst wichtige Übung des Ernstfalles, wollte sich auch Kreisrätin Marlies Dornieden als Leiterin der Dezernentenstelle für innere Dienste, ein Bild machen. So ließen es sich Kreisbrandmeister Volker Keilholz und dessen Stellvertreter, Karsten Krügener, nicht nehmen, sie durch die „Gefahrenzonen“ zu führen.

„Es  ist gut, dass wir Kameraden und Kameradinnen sowie deren Einsatzmaterial weit über die Kreisgrenzen hinweg kennengelernt haben. Jetzt wissen, wir, wenn wir uns  mal im Ernstfall begegnen, mit wem wir zusammengearbeitet haben“, Worte eines Feuerwehrkameraden.

Nach den Worten von Kreisbrandmeister Volker Keilholz habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, gemeinschaftlich  über Kreisgrenzen hinaus zu denken. „Es ist gut zu wissen, dass man gemeinschaftlich Gefahren in den Griff bekommt.“pb

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