„Schafehüten 4.0“

Moderne Schafhaltung trägt heute zum Landschaftsschutz bei / Herdenschutzhunde sorgen für Sicherheit der Tiere

Jacqueline Kroll, Patrick Schulz, Nadine Wiesberger und Andreas Kroll mit der Moorschnucken-Herde und den beiden Herdenschutzhunden (von links).

Region. Einen Schäfer, den stellt man sich traditionell mit grünem Schäfermantel, Schlapphut und Hirtenstab vor. Doch der Beruf hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Mit der traditionellen Schäfer-Romantik hat dieser auch meistens nicht mehr ganz so viel zu tun. Dafür aber mit ganz viel Leidenschaft für die wolligen Paarhufer, für die Natur und für die treuen vierbeinigen Hunde-Gefährten, die für das Wohl der Herde sorgen.

Im Landkreis Goslar sind unter anderem Jacqueline und Andreas Kroll aus Hahndorf mit ihrer 85-köpfigen Moorschnucken-Schafherde unterwegs.

Unterstützung in Urlaubszeit und im Krankheitsfall erhalten die beiden von Nadine Wiesberger und Patrick Schulz aus Lautenthal. Zwar ziehen Schäfer immer noch mit Herde und Hütehund von Weideplatz zu Weideplatz. Doch im Fokus ihrer Arbeit steht weniger die Landwirtschaft als der Naturschutz und die Landschaftspflege.

Die Krolls bewirtschaften im Auftrag der Natur- und Umwelthilfe Goslar sowie eines Bio-Bauernhofes und Privatbauern geschützte Biotope, Wiesen und Halbtrockenrasenflächen. Für den NABU bewirtschaften sie neue Heideflächen zur Erhaltung offener Gebiete gegen Verbuschung der Landschaft.

Wo Maschinen alles kaputt machen würden, hat die Beweidung mit Schafen einen einzigartigen Vorteil. Schafe können gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen wird der Bewuchs klein gehalten, die Schafe düngen den Boden auf natürliche Art und Weise, sie verteilen den Samen von Pflanzen, schaffen Renaturierung und geben vom Aussterben bedrohten Pflanzen die Chance zu wachsen. Dazu zählen unter anderem seltene Orchideen-Arten. Die wuscheligen Rasenmäher auf vier Beinen können auch in unwegsamem Gelände Flächen abgrasen. Schafe arbeiten also heute als professionelle Grünlandpfleger und haben eine nachweislich positive Wirkung für Wasser, Luft und Boden.

Jacqueline und Andreas sind schon seit 18 Jahren mit ihren Schafen unterwegs und haben es geschafft, dass ihre Begeisterung in den vergangenen Jahren auf Nadine und Patrick übergesprungen ist. „Das ist eine schöne Mischung aus körperlicher Arbeit an der frischen Luft und der Arbeit mit den Tieren, die so artgerecht gehalten werden“, so Nadine Wiesberger. Leben könne man im Übrigen nicht davon, es reiche gerade , die Kosten zu decken. „Aber darauf kommt es auch nicht an, es ist die Arbeit mit den Tieren, die uns Freude bereitet“, betont Andreas.

Dennoch macht ihnen die oft fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. Neben den Hütehunden, insgesamt fünf Working-Kelpies und einem Border Colli, werden die vier nämlich von zwei Herdenschutzhunden bei ihrer Arbeit unterstützt. Die Aufgaben von Hütehunden und Herdenschutzhunden unterscheiden sich stark und dürfen auch nicht verwechselt werden. Und genau das ist wahrscheinlich der Punkt, woran sich der vorüberziehende Spaziergänger aufreibt, weil er die Hintergründe nicht kennt. Die beiden Herdenschutzhunde sind italienische Maremmanos und leben Tag und Nacht bei der Herde.

Diese Hunde verfügen über viel Verantwortungssinn. Deshalb werden sie alles, was man ihnen anvertraut, bewachen und beschützen. Der Maremmano hat es über die Jahrhunderte gelernt, unabhängig zu sein und und im richtigen Moment zu handeln, ohne auf menschliche Unterstützung warten zu müssen. Den Charakter der Tiere kann man am besten mit zuneigungsvoll dem Besitzer gegenüber und misstrauisch gegenüber Fremden beschreiben. Und das ist es wahrscheinlich, was die an einem Weidezaun vorübergehenden Menschen irritiert, sie fühlen sich von den Herdenschutzhunden belästigt. „Dabei machen die Hunde nur ihre Arbeit. Wir mussten schon viel Überzeugungsarbeit über den Zaun leisten“, so Jacqueline „und wenn wir es erklären, zeigen sich die Menschen einsichtig“.

Trotzdem stellt das Team an jeder Weide Hinweisschilder auf, um Spaziergänger zu informieren. Die beiden Hunde sind zauntreu und niemand brauche vor ihnen Angst haben. Hundebesitzer sollten einfach ohne Beachtung an der Weide vorbeigehen. Touristenführer seien da anders. Diese würden teilweise ihre Ausflugsrouten gezielt an der Schafweide vorbeiführen und seien sogar traurig, wenn dann mal die Herde weiter gezogen sei. Die Herdenschutzhunde sind nötig, weil es komplett wolfsichere Zäune nicht gibt, sagen die vier. Wölfe graben sich gerne unter dem Zaun durch. Ein Untergrabschutz, das ist jedoch für weiterziehende Herden eine Aufgabe, die nicht so leicht zu handeln ist. Das sei von Schäfern gar nicht zu leisten, so Jacqueline. Aber die Versicherung zahle eben nur, wenn bestimmte Sicherheitsvorkehrungen am Zaun getroffen wurden. „Man kann es dem Wolf erschweren und hoffen, dass er leichtere Beute findet, denn am effizientesten ist dabei unserer Meinung nach tatsächlich der Einsatz von Herdenschutzhunden“.

Ihre Working-Kelpies hingegen sind Hütehunde und helfen, die Schafe auf frische Weideflächen zu bringen. In der Landschaftspflege gilt es, feste Zeiten der Beweidung einzuhalten. Und die Weideflächen liegen verteilt im ganzen Landkreis. „Wenn wir derzeit mit 85 Tieren losziehen, dann können wir uns dank unserer Working-Kelpies darauf verlassen, dass wir auch mit 85 Tieren am Zielort ankommen“.

Ein vielleicht auf den ersten Blick komisches Bild ergibt sich auch auf der Weide in Wolfshagen. Ein Zaun, ein Unterstand, ein paar Schafe und ein Lama. Das ist nicht etwa ein lustiger Zufall. „Rudi, das Herdenschutz-Lama“ wird es liebevoll von den Besitzern genannt. Aber auch Lama Rudi hat eine Aufgabe. Er schützt die Herde vor dem Luchs und Fuchs. Lamas und Alpakas können im Herdenschutz ergänzend eingesetzt werden, die Herdenschutzhunde können sie aber auf keinen Fall ersetzen. Demnächst bekommen das Lama und die beiden Herdenschutzhunde noch mehr zu tun. Denn bald heißt es, noch zusätzlich rund 40 kleine Lämmer zu bewachen.hn

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