Hochwasser

Stadt bittet Land um Hilfe und Aktionen vor Ort nehmen Fahrt auf

Bürgermeisterin fragt konkrete Hilfsmöglichkeiten an / Hilfsprojekt „Direkte Hilfe!“ hat jetzt auch Internetseite

Selbstversorgung ohne Küche ist schwierig. Mit diesem Zustand müssen im Moment einige Haushalte in Altgandersheim leben. „Direkte Hilfe!“ unterstützt sie, bald wieder eine Einrichtung zu erlangen.

Bad Gandersheim. Während die Schadensbeseitigung in vielen Facetten im Raum Heberbörde nach den beiden Fluten vergangene Woche weitergeht, laufen auch politisch schon Bemühungen, Hilfe zu organisieren. Bürgermeisterin Franziska Schwarz hat sich dabei in einem Schreiben direkt an den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil gewandt. Eine Antwort steht noch aus.

Schwarz schilderte in ihrem Schreiben zunächst, was passiert war. Sie wies darauf hin, dass die Folgen des Hochwassers für einige Personen existenzbedrohende Ausmaße angenommen hätten. Eine Familie gilt als obdachlos. Die Gesamtschadenshöhe werde wohl im Millionenbereich liegen. Allein im Bereich der Turner-Musik-Akademie wird mit einem Schaden von rund einer halben Million Euro gerechnet. Eine Wiederinbetriebnahme ohne Hilfe von außen sei kaum denkbar.

Die Ereignisse werden auch die Stadt Bad Gandersheim treffen, vor allem deren Etat. Die Verwaltung müsse akut davon ausgehen, dass binnen kurzer Frist Plätze, Leitungen, Kanäle und Uferbefestigungen saniert werden müssten. Bei den Einsatzkräften fallen Ersatzbeschaffungen an. Mittel sind für all das im Etat nicht im Ansatz gewesen.

Umschichtungen aus Investitionsvorhaben würden zu Lasten der barrierefreien Umgestaltung der Grundschule, der Schaffung zusätzlicher Kitaplätze und des Ausbaus der Schwerpunktfeuerwehr an der Heckenbecker Straße gehen. Sie alle werden aber als zwingend erforderlich angesehen.

Unter dem Eindruck der Ereignisse sei natürlich auch die Frage nach zusätzlichen Hochwasserschutzmaßnahmen in den Vordergrund getreten. Selbst wenn ein vollständiger Schutz nie möglich sein werde, müsse geprüft werden, ob und mit welchen Maßnahmen künftig Schäden begrenzt werden könnten. Das aber wiederum kostet auch Geld, das weder vorhanden noch eingeplant ist.

Darüber hinaus bemühe sich die Stadt zur Zeit um die Aufnahme in Förderprogramme für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022. Um diese Förderungen in Anspruch zu nehmen, muss die Stadt aber Eigenanteile beibringen. Maßnahmen des Hochwasserschutzes sind in die Planungen zur LGS mit einzubeziehen.

Angesichts der so geschilderten Sachlage bat die Bürgermeisterin den Ministerpräsidenten, zu prüfen, ob es auf die folgenden Fragen hilfreiche Antworten geben könnte:

- Gibt es finanzielle Hilfen zur Bewältigung der akuten Schäden im öffentlichen Bereich (Straßen, Plätze, Uferbefestigungen, Ausrüstung der Feuerwehren)?

- Kann die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr für Katastrophenfälle verbessert werden, zum Beispiel durch Vorhalten eines zusätzlichen Katastrophenfahrzeuges im Nordbereich des Landkreises Northeim sowie durch Vorhalten eines Pools von Pumpen bei Hochwasser?

- Kann ein Fonds des Landes für private Haushalte in sozialen Notlagen durch Unwetter aufgelegt werden?

- Inwieweit kann das Land in Vorbereitung der Landesgartenschau 2022 der Stadt helfen, geeignete Hochwasserschutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen und unbürokratisch rechtzeitig vor Beginn der LGS 2022 zu realisieren? Dies könnte auch modellhaft für andere entsprechende Ereignisse vorgesehen werden.

Soweit die aktuellen Bemühungen der Verwaltung. Eine Antwort aus Hannover steht wie gesagt noch aus.
Vor Ort laufen derweil die direkten Bemühungen zur Hilfe für Betroffene immer stärker an. Diakonie und Stiftskirchengemeinde verzeichnen erste Spendeneingänge. Neben dem Spendenkonto ist für die Aktion „Direkte Hilfe“ nun auch eine eigene Webseite eingerichtet worden: www.einander-helfen.de.

Dort sind zwei einfache Bereiche eingerichtet: Im einen können Hilfswillige schnell sehen, was zur Zeit (neben Geldspenden) an Sachmitteln dringend gesucht wird. Im anderen Bereich können Hilfesuchende angeben, was benötigt wird. Diakonie und Stiftskirche koordinieren dann Annahme und Weitergabe von Sachgütern beziehungsweise den sinnvollsten Spendeneinsatz. Das Gandersheimer Kreisblatt wird sie dabei in den nächsten Wochen auch begleiten.

Pfarrer Thomas Ehgart als eine der Schlüsselfiguren in dem Hilfsprojekt wies gegenüber dem GK auf eine Besonderheit hin: Wenn ihm zum Beispiel mehrere Kühlschränke gleichzeitig angeboten würden, werde man diese nicht alle gleichzeitig abholen, sondern gegebenenfalls die Menge in Anspruch nehmen, die gerade gebraucht werde.

„Die übrigen Anbieter werden in eine Liste aufgenommen, wir werden aber erst auf die Angebote zurückkommen, wenn es faktische Notwendigkeit gibt. Dafür müssen wir um Verständnis bitten.“ Beide Seiten, Hilfswillige wie Hilfsbedürftige, bat Ehgart zudem um Geduld. Die Aufgabe, das alles zu organisieren, erweise sich zur Zeit als „ziemlich heftig“.rah

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