Kasperle ist jetzt nicht mehr da

Nach 18 Jahren hat Irene Warnecke ihr Engagement im Rhüdener Kindergarten beendet / Eine große Lücke hat sie hinterlassen

Rhüden. Wie heißt es doch im Hit von Udo Jürgens so schön: „Mit 66 Jahren da fängt das Leben an”. Genau das trifft auch auf die Rhüdenerin Irene Warnecke zu. Denn im Jahr 2000, als sie damals 66 Jahre alt war, begann ihr besonderes Engagement  in der Kindertagesstätte Johannisweg in Rhüden. Nun ist Schluss. Im Gespräch mit dem „Beobachter” blickt die heute 84-Jährige auf ihren Einsatz zurück.

Seit Kurzem hat Irene Warnecke jeden Mittwoch, genauer in der Zeit von 10 bis 10.30 Uhr, frei. „Es ist komisch, mir fehlen vor allem die Kinder”, sagt die Rhüdenerin. Denn genau um diese Uhrzeit war sie nicht zu Hause, sondern im Kindergarten anzutreffen. Verstaut in ihrer großen Tasche hatte sie ihre Handpuppen, die jede Woche mit auf Reisen gingen. „Die habe ich jetzt meinem vierjährigen Urenkel geschenkt”, sagt sie dazu. Wenn Kasper, die Oma, der Polizist, Gretel, das Krokodil und die vielen anderen selbst erzählen könnten, würde ein dickes Buch zusammenkommen, denn wunderbare 30 Minuten haben die Figuren, Irene Warnecke und die Kinder immer gemeinsam verbracht.

Wenn sie im Kindergarten eintraf, wurde der Flur zur großen Theaterbühne. „Kasperle ist wieder da”, rief sie in die Runde und schon waren kleine Schritte zu hören. „Frau Warnecke ist da”, riefen einige Kinder voller Vorfreude. Was sie diesmal wohl mitgebracht hat? Besondere Erlebnisse, denn die Geschichten, die die Rhüdenerin den Kindern mit ihren Handpuppen erzählte, sind nirgendwo nachzulesen, sondern alle hat sie sich selbst ausgedacht. „Wenn die Oma krank war, habe ich ihr halt ein Halstuch umgebunden”, erzählt die Seniorin und muss im Anschluss lachen. Vor allem, wenn sie daran denkt, wie sie angefangen hatte, damals dreht sie die Figuren beim Sprechen zu sich, statt zu den Kindern, irgendwann fiel ihr das auf.

Dabei hatte  Irene Warnecke  in den ersten sechs Jahren noch gar nicht die Kasperpuppen dabei, sondern Bücher. Wer zu Hause den Kindern vorliest, kennt das selber, irgendwann kann jedes Wort mitgesprochen werden. Und wehe, es wird eines vergessen, dann weisen die Kindern den Vorleser schon darauf hin, so erging es auch Irene Warnecke. Bis zuletzt ist aber eine Vorlesegeschichte geblieben, nämlich  die „Vom dicken fetten Pfannkuchen”.  Das „kanntapper, kanntapper in den Wald hinein”, wie es in der Geschichte heißt, ließ sie  immer die Kinder sprechen.

Eines Tages setzte Irene Warnecke mit ihren Puppenfiguren einen neuen  Impuls, der schlug voll ein. Die Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren waren bis zuletzt begeistert. Generationen hat die Rhüdenerin  immer mittwochs fantatische 30 Minuten bereitet. „Das alles hatte  spontan angefangen“, erinnert sich Irene Warnecke zurück. Sie saß im Ortsrat und wurde von der damaligen Ortsbürgermeisterin Irene Pülm angesprochen, dass jemand im Kindergarten zum Vorlesen gesucht wird. Irene Wünsche sagte zu. Mit dem Fahrrad machte sie sich fortan auf den Weg in den Kindergarten, bei schlechtem Wetter mit dem Auto. Ihr geht es wie vielen anderen, ursprünglich dachte sie: „Naja, ein Jahr kann ich das ja machen”, doch es wurden immer mehr.

„Den Absprung habe ich irgendwann verpasst, aber jetzt gehe ich wirklich altersbedingt in den Ruhestand”, sagt die Rhüdenerin. „Uns wird vor allem ihre einmalige, sehr herzliche Art fehlen“, bedauert KiTa-Leiterin Cathleen Hoffmann den Weggang. Bisher ist noch keine Nachfolge in Sicht.syg

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