Asklepios will weiterhin nicht mit ver.di verhandeln

Betriebsrat wendet sich an die lokale Politik / Beide Parteien verharren auf ihren Standpunkten

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen hatten der Asklepios-Betriebsrat mit seinem Vorsitzenden Oliver Kmiec (Dritter von links) sowie Jens Havemann von ver.di am Montagabend das Gespräch mit Bürgermeister Erik Homann und weiteren Vertretern des Stadtrates gesucht. Nach einer ersten Besprechung wurde die Klinikführung an den Tisch gebeten. Eine Annäherung fand indes nicht statt. Asklepios lehnt eine Auseinandersetzung über Tarifverträge mit ver.di weiterhin komplett ab.

Seesen. In den Asklepios Kliniken Schildautal geht der Streit um die Bezahlung in die nächste Runde. Dabei gibt es noch nicht einmal eine konkrete Forderung der Arbeitnehmervertretung noch ein Angebot der Klinik-Führung. Es stockt schon in den Vorgesprächen, was bei einem neuerlichen Treffen mehr als deutlich wurde.

Eine echte Annäherung hat noch nicht stattgefunden. Zwar saßen am Montagabend die beiden Konfliktparteien, sprich der Betriebsrat von Asklepios mit einem Vertreter der Gewerkschaft ver.di und Kliniken-Geschäftsführer Christian Lorch urplötzlich in der Klinik gemeinsam am Tisch, verhandelt wurde aber noch lange nicht. Vielmehr machte Lorch deutlich, dass man nur mit dem Betriebsrat verhandeln werde, Gespräche mit der Gewerkschaft über Tariflöhne lehnt die Führung von Asklepios weiterhin ab.

Für den späten Montagnachmittag hatte der Betriebsrat die Politik eingeladen, um mit ihrem Anliegen eine noch größere Öffentlichkeit zu erhalten. Bürgermeister Erik Homann, die beiden Fraktionsvorsitzenden Rudolf Götz (CDU) und Andrea Melone (SPD) sowie Andreas Oberbeck von der FDP und Karl-Heinz Weidanz (Die LINKE) waren in die Klinik gekommen und ließen sich zunächst vom Betriebsrat und ver.di-Vertreter Jens Havemann über die aktuelle Situation informieren.

Seitens der lokalen Politik wurde Verständnis gezeigt für die Interessen der Arbeitnehmervertretung, die erklärten, dass man konkurrenzfähig bleiben müsse, wenn Standorte wie Göttingen oder Goslar Tarif zahlen würden.

Allein beim Verständnis und der Loyalität wollten es die Beteiligten allerdings nicht belassen. Nach rund einer Stunde der Beratung informierte der Betriebsrat die Klinikführung über den Besuch der Politik und bat um ein gemeinsames Gespräch. Wenige Minuten später erschien Geschäftsführer Christian Lorch gemeinsam mit Klinik-Manager Roman Fischer, Personalleiter Alexander Mehnert und dem für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlichen Sprecher, Ralf Nehmzow.

Es folgte ein Austausch mit Höhen und Tiefen. Zunächst einmal drückte Lorch sein Befremden darüber aus, dass der Betriebsrat ohne Info an die Klinikleitung sich die lokale Politik ins Haus geholt habe. Noch einmal machte Lorch dann den Standpunkt klar. Man habe die Vergütung über die Arbeits- und Sozialordnungen für den Standort Seesen geregelt in klarer Abstimmung mit dem Betriebsrat. Und man sei bereit, mit ihm darüber neu zu verhandeln.

Der Standpunkt von ver.di, die Interessen aller Mitarbeiter zu vertreten, treffe nicht zu. Ein absoluter Vergleich bedeute, dass für unterschiedliche Mitarbeiter die Arbeits- und Sozialordnung durchaus attraktiver sei als der TVÖD.

Das wollte der Betriebsrat so nicht stehen lassen und forderte konkrete Beispiele auf, die die Klinikführung da liefern müsse. Bürgermeister Erik Homann, aber auch Andrea Melone und Andreas Oberbeck versuchten sich in diesem Teil des Gesprächs immer wieder als Mediatoren und Vermittler.

Bürgermeister Homann machte auch deutlich, dass er wahrnehme, dass die Mitarbeiter und deren Vertreter im Betriebsrat durchaus an dem Wohl und Wehe der Klinik und dem guten Ruf interessiert seien.

Lorch betonte auch, dass die Klinikführung die Gesprächsbereitschaft gegenüber dem Betriebsrat schon mehrfach klar signalisiert hatte. Das wiederum hatten die Arbeitnehmervertretung so nicht wahrgenommen und machte dies auch deutlich. Letztlich blieb es dabei, die Klinikführung wiederholte sich in ihrer Aussage, mit dem von den Mitarbeitern gewählten Betriebsrat bezüglich der Arbeits- und Sozialordnung verhandeln zu wollen, eine Tarifverhandlung mit einer anonymen und ortsfremden Gewerkschaft lehne man ab.

Die beiden Parteien drehen sich nach wie vor im Kreis

Also dreht man sich weiter im Kreis, denn der Betriebsrat sieht sich nicht imstande, ohne die Hilfe von ver.di in eine Gehaltsdiskussion einzusteigen. Die Klinikführung indes scheut eine Auseinandersetzung mit der Gewerkschaft. „Stattdessen werden Scheindebatten geführt“, kritisierte Jens Havemann, der immer wieder aufforderte, doch endlich das Gespräch zu suchen.

Jens Havemann erklärte gegenüber dem „Beobachter“: „Die Beschäftigten sind empört über die Hinhaltetaktik des Asklepios-Konzerns. Sie haben alle Argumente auf ihrer Seite. Sie verdienen weit weniger als ihre Asklepios-Kollegen in Goslar oder Göttingen.“

Die Klinik in Seesen gehöre laut Havemann seit 20 Jahren zu den Besten im Konzern, die wirtschaftliche Situation der Klinik sei mehr als komfortabel. Asklepios habe im Jahr 2017 einen Gewinn von 194 Millionen Euro erwirtschaftet. „Warum also will Asklepios die Beschäftigten weiter unter Tarif bezahlen?“

Bereits Ende November während einer spontanen Kundgebung hatte Jens Havemann den Asklepios-Konzern aufgefordert, endlich die Blockadehaltung aufzugeben. „Die Leute leisten gute Arbeit unter extrem stressigen Bedingungen. Die Verweigerungshaltung ist deshalb eine schallende Ohrfeige für die Beschäftigten, die tagtäglich anderen Menschen aufopferungsvoll helfen, während der Konzern mit ihrer Arbeit Gewinne einfährt.“uk

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