Bahntochter Regionalbus Braunschweig hat sich verzockt

Die roten Busse werden aus Seesen und der Umgebung verschwinden / Zumindest vorerst

Vom 1. April bis zum 30. September werden diese roten Linienbusse der Bahntochter RBB nicht mehr in Seesen fahren. Was danach ist, wird wahrscheinlich erst am 22. August entschieden.

Seesen/Lutter. Die Entscheidung ist gefallen, wer ab dem 1. April die elf Buslinien in Seesen und der Region bekommt. Wie Rainer Peters, Pressesprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH, am Freitag im Gespräch mit dem „Beobachter“ mitteilte, fiel die Entscheidung für den Harzbus, zu dem die Firma Pülm aus Rhüden gehört. Die Bahntochter, die Regionalbus Braunschweig GmbH, die seit 1989 die Linien bedient, hat vorerst zu hoch gepokert und sich verzockt. Diese hatte im Herbst 2018 den Vertrag gekündigt.

Ausschlaggebend war laut Peters das bessere Angebot durch den Harzbus. So hatte RBB in seinem Konzept vor allem an den Wochenenden diverse Fahrten im Harz gestrichen. „Wir haben uns für das bessere Verkehrsangebot entscheiden“, betont Rainer Peters im Gespräch. Der Harzbus will hier am Wochenende mit dem Konzept Bedarfsverkehr fahren. Heißt, die Busreisenden werden dann eine Telefonnummer anrufen und die Fahrt anmelden, die dann von einem Rufbus absolviert wird.

Die Eilentscheidung, die Fachleute sprechen hier von einer einstweiligen Erlaubnis, am Freitag war notwendig, um den Linienbusverkehr im Landkreis Goslar ab dem 1. April aufrecht halten zu können. Ganz aus dem Rennen ist die Bahntochter aber noch nicht.

Fakt ist, die Erlaubnis gilt zunächst für sechs Monate. Heißt  konkret, vom 1. April bis zum 30. September. In diesem Zeitraum werden die typischen roten RBB-Busse nicht mehr in Seesen, Hahausen und Lutter zu sehen sein. Die Bahntochter betreibt beispielsweise die Lila Linie (Nummer 859) im Stadtverkehr und die Linie 650, die Seesen mit der Samtgemeinde Lutter verbindet. „Eine Genehmigung für den Linienverkehr war in der Kürze der Zeit nicht realisierbar, da solch ein Verfahren viel länger dauert“, so der Pressesprecher. In diesem Jahr steht noch die Entscheidung an, wer in den kommenden zehn Jahren – also bis 2029 – diese elf Buslinien betreibt. Im Rennen sind demnach weiterhin der RBB und der Harzbus. In die Entscheidung wird  unter anderem eine Kosten-Erlös-Kalkulation mit einfließen, die die Bewerber vorlegen müssen. Laut dem Pressesprecher soll die Vergabe des Liniennetzverkehrs wahrscheinlich am 22. August erfolgen.

Eine schnelle Einigung hat sich im Vorfeld auch der Landkreis Goslar erhofft, um jene Einwohner, die nicht mobil sind, nicht abzuhängen. Der Landkreis fungiert in dieser Sache zum einen als stiller Beobachter, denn er ist, wie Landkreissprecher Maximilian Strache vor Kurzem auf Anfrage betonte, kein Aufgabenträger, kein Verhandlungspartner und somit auch nicht an den Verhandlungen beteiligt. Jedoch fungiert der Landkreis als Geldgeber, im vergangenen Jahr waren es für insgesamt 17 Linien 520.000 Euro.

Die Eilentscheidung für die Teilnetze 82 und 83, das auch Seesen betrifft, ist gefallen. Laut Rainer Peters steht die Entscheidung für sechs Buslinien im sogenannten Teilnetz 81 aus. Das betrifft unter anderem die Linie 831, die Goslar, Langelsheim, Lautenthal,  Clausthal-Zellerfeld und  Altenau miteinander verbindet. Bis zum gestrigen Freitag konnten die Interessenten ihr Angebot bei der Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover einreichen.  Laut Rainer Peters hat das neben dem Harzbus nun auch die Bahntochter RBB getan. Bis Freitagmorgen war nur der Harzbus im Rennen. Eine Entscheidung, wer diese sechs Linien künftig bedient, soll in der kommenden Woche fallen.

„Wir werden uns nicht zurückziehen, sondern die Geschäftsführung der RBB hat einen Antrag auf Weiterführung der Busleistungen bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) abgegeben mit neuem, innovativen Angebotskonzept”, betonte  Dr. Matthias Walter, Leiter Angebotsmanagement bei DB Regio Bus Nord im Vorfeld der getroffenen Entscheidung gegenüber dem „Beobachter”. Laut eigener Aussage sind insgesamt 70 Arbeitsplätze betroffen. Pikant an der Sache, bei Harzbus konnten sich im Vorfeld schon Busfahrer bewerben.

Mit Spannung wird auch der Landkreis Goslar die weitere Entwicklung in Sachen Linienvergabe verfolgen. Bekanntlich fungiert die Bahntochter RBB bisher auch als verlässlicher Partner beim Pilotprojekt EcoBus, der im Herbst weiter fahren soll.syg

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